Der Frühling steht für Erneuerung – viele achten jetzt bewusster auf ihre Flüssigkeitszufuhr, Verdauung und Energielevel. Aber spielt die Temperatur des Wassers wirklich eine Rolle? Der Trend, heißes Wasser zu trinken, kommt aus der traditionellen chinesischen Medizin. Doch was sagt die Wissenschaft dazu?
Eine Sporternährungs-Expertin, Dr. Nyree Dardarian, Leiterin der Ernährungswissenschaft an der Drexel University, klärt auf und trennt Fakten von Mythen.
Das Wichtigste: Hydration zählt, nicht die Temperatur
Ob kaltes, lauwarmes oder heißes Wasser – die zentrale Botschaft ist klar: ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist das A und O. Wasser hydratisiert unabhängig von seiner Temperatur, erklärt Dr. Dardarian im Interview mit dem Outside Magazine.
Laut Mayo Clinic sollten Frauen etwa 2,7 Liter (ca. 11,5 Gläser) und Männer rund 3,7 Liter Flüssigkeit täglich zu sich nehmen – inklusive der Flüssigkeit aus der Nahrung. Das Gute: Ein Glas warmes Wasser hilft genauso wie ein erfrischendes kaltes Getränk.

Warmes Wasser: sanfte Unterstützung für die Verdauung
Die traditionelle chinesische Medizin empfiehlt seit Langem warmes oder lauwarmes Wasser. Es soll die Verdauung fördern und Blähungen reduzieren.
Moderne Studien sind zwar noch begrenzt, zeigen aber ermutigende Hinweise:
- Warmes Wasser kann die Darmbewegung anregen und so die Verdauung unterstützen,
- es entspannt die Magenmuskulatur und kann Blähungen lindern,
- und fördert regelmäßige Darmtätigkeit.
Besonders morgens auf nüchternen Magen ist ein Glas lauwarmes Wasser hilfreich – viele erleben so einen sanften Start für ihr Verdauungssystem.
Sättigungsgefühl und Blutzucker: ein oft unterschätzter Vorteil
Warmes Wasser vor dem Essen kann auch die Verdauung verlangsamen.
Die Expertin erklärt, dass dabei folgendes passiert:
- der Magen dehnt sich,
- Rezeptoren für das Sättigungsgefühl werden aktiviert,
- und die Magenentleerung verlangsamt sich.
Das bedeutet, dass die Nahrung langsamer verdaut wird, was zu einem stabileren Blutzuckerspiegel beiträgt. Das ist besonders wertvoll, wenn du Energieeinbrüche, plötzlichen Hunger oder Stimmungsschwankungen vermeiden möchtest.
Mythen entlarvt: heißes Wasser schmilzt kein Fett und entgiftet nicht
Einige Missverständnisse sollten klargestellt werden:
- Heißes Wasser verbrennt kein Fett,
- und es entgiftet den Körper nicht.
Dein Körper entgiftet sich selbst über Leber und Nieren – unabhängig von der Wassertemperatur.
Sport und Hydration: Kaltes Wasser hat Vorteile
Beim Sport spielt die Wassertemperatur eine Rolle.
Kaltes oder Zimmertemperatur-Wasser:
- hilft, die Körpertemperatur zu senken,
- unterstützt längere und effektivere Leistung,
- und lässt sich leichter in größeren Mengen trinken.
Heißes Wasser ist während des Trainings weniger ideal – vor allem bei warmem Wetter.
Ein wichtiger Ausnahmefall: Wenn du warmes Wasser mit Geschmack (z. B. Zitrone oder Früchte) trinkst und so mehr Flüssigkeit aufnimmst, ist das immer noch besser als Dehydration.

Der wahre Schlüssel: Trink, was dir schmeckt
Studien zeigen, dass viele Menschen chronisch leicht dehydriert sind, was Müdigkeit, Kopfschmerzen und Konzentrationsprobleme verursachen kann.
Die wichtigste Frage ist nicht, ob das Wasser kalt oder warm ist, sondern ob du genug trinkst.
Hilft dir warmes Wasser, mehr zu trinken? Dann integriere es gern in deine tägliche Routine.

Frühlings-Wellness-Routine: eine Tasse Ruhe
Warmes Wasser ist kein Wundermittel, aber ein einfacher und wirksamer Begleiter für dein tägliches Wohlbefinden.
- Morgens: Starte mit einem Glas lauwarmem Wasser in den Tag.
- Tagsüber: Achte auf regelmäßige Flüssigkeitszufuhr.
- Abends: Eine Tasse warmes Wasser hilft beim Entspannen und Runterkommen.
Wie Dr. Dardarian betont: warmes Wasser kann Teil eines beruhigenden, bewussten Rituals sein – kein Zaubermittel. Hör auf deinen Körper und finde deine persönlichen Trinkgewohnheiten, die langfristig für dich funktionieren.











