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Wir verdienen mehr – und trotzdem reicht das Geld nicht: Woran das wirklich liegt

Nyul Debóra6 Min. Lesezeit
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Wir verdienen mehr – und trotzdem reicht das Geld nicht: Woran das wirklich liegt — Familie
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Neulich stand ich nach einem völlig gewöhnlichen Einkauf an der Kasse und ertappte mich bei dem Gedanken: Wie kann so wenig im Korb so viel kosten? Dann fiel mir ein, dass wir seit Jahren dasselbe hören – die Löhne steigen. Warum also fühlt es sich an, als würde es Monat für Monat schwerer, mit demselben Geld über die Runden zu kommen?

Unser Geld ist nicht mehr so viel wert

Ich glaube, wir verwechseln oft die Höhe des Gehalts mit seinem tatsächlichen Wert.

Vielleicht verdienen wir heute ein paar Hundert Euro mehr als vor fünf Jahren. Aber wenn gleichzeitig fast alles deutlich teurer geworden ist, dann ist dieses Plus oft nur scheinbar da.

Wir leben nicht luxuriöser. Wir kaufen nicht dreimal so viele Lebensmittel, reisen nicht mehr und gönnen uns nicht jeden Monat ein Wellnesswochenende.

Wir versuchen einfach, das Leben aufrechtzuerhalten, das früher selbstverständlich war – nur eben heute zu einem viel höheren Preis.

Schon ein Einkauf ist oft ein spürbarer Posten

Die auffälligste Veränderung merkt man wohl beim alltäglichen Einkauf.

Früher bedeutete ein voller Einkaufswagen den Großeinkauf. Heute fahren wir oft mit deutlich weniger Waren nach Hause – und zahlen an der Kasse trotzdem eine Summe, über die wir vor ein paar Jahren nur gestaunt hätten.

Brot, Fleisch, Gemüse, Obst, Reinigungsmittel, Windeln, Tierfutter – das sind keine Luxusartikel. Das sind die Dinge, die in vielen Familien zur Grundausstattung gehören, und es fällt schwer, auch nur eines davon zu streichen.

Und vielleicht spüren wir gerade deshalb die Preissteigerungen so stark.

Schönheitspflege wird langsam zum eigenen Budgetposten

Auch in meinem eigenen Umfeld habe ich gemerkt: Vielen fehlt die Zeit, in der ein Termin beim Friseur oder in der Kosmetik einfach zur Routine gehörte.

Heute rechnen viele Frauen im Voraus. Passt das diesen Monat noch rein? Oder lieber ein paar Wochen warten?

Nicht, weil diese Leistungen ihren Preis nicht wert wären. Im Gegenteil. Wir wissen, dass auch die Kosten für Friseurinnen, Kosmetikerinnen und Nagelstudios deutlich gestiegen sind. Nur lastet gleichzeitig ein immer größerer Druck auf dem Geldbeutel der Kundinnen.

Was früher selbstverständliche Entspannung oder Zeit für sich selbst war, ist heute für viele eher Belohnung als fester Programmpunkt.

Auch die eigene Gesundheit hat ihren Preis

Die vielleicht traurigste Veränderung findet nicht in der Schönheitsbranche statt, sondern im Gesundheitsbereich.

Von immer mehr Bekannten höre ich denselben Satz:

„Ich bin lieber privat gegangen, weil ich nicht monatelang hätte warten können.“

Und ehrlich gesagt habe ich das in den letzten Jahren selbst mehrfach getan. Denn wenn man dringend eine Fachärztin, einen Ultraschall, eine MRT-Untersuchung oder auch nur ein einfaches Blutbild braucht, wirkt die private Versorgung oft wie die einzige schnelle Lösung.

Nur hat das seinen Preis.

Eine einzige fachärztliche Untersuchung kann heute leicht mehrere Hundert Euro kosten. Kommen dann noch Bildgebung, Kontrolltermin oder Medikamente dazu, kann ein unerwartetes gesundheitliches Problem schnell zu einer Ausgabe von über tausend Euro werden.

Spätestens dann wird einem bewusst, dass heute selbst die Gesundheit zu einer ernsten finanziellen Frage werden kann.

Denn auf den Friseur oder ein neues Kleidungsstück kann man eine Weile verzichten. Auf die eigene Gesundheit nicht.

Es sind nicht die großen Anschaffungen, die das Geld fressen

Viele denken, das Geld verschwinde durch die größeren Käufe. Ich beobachte eher, dass sich die vielen kleinen Ausgaben aufeinandertürmen. Teurere Lebensmittel. Höhere Nebenkosten. Das Auto. Die Schulkosten der Kinder. Medikamente. Eine Zahnbehandlung. Ein privater Arztbesuch. Ein Haarschnitt. Ein kaputtes Haushaltsgerät.

Für sich genommen wirkt keine dieser Ausgaben dramatisch.

Nur wenn all das im selben Monat zusammenkommt, bleibt plötzlich weniger Spielraum als früher.

Ich glaube nicht, dass alle einfach mehr ausgeben

Man hört oft die Meinung, die Menschen würden schlicht zu viel konsumieren. Das gibt es sicher auch.

Aber ich sehe um mich herum eher, dass viele nicht mehr ausgeben, sondern für dasselbe deutlich mehr bezahlen. Wir haben nicht dreimal so viel Brot, gehen nicht doppelt so oft essen und geben nicht mehr für Freizeit aus.

Es ist einfach der ganz normale Alltag, der so viel teurer geworden ist.

Der größte Verlust ist vielleicht gar nicht das Geld

Was mich wirklich traurig macht, ist nicht allein, dass fast alles teurer geworden ist. Sondern dass immer mehr Menschen im ständigen Rechnen leben.

Wir überlegen, wann wir einkaufen. Wir schieben die Vorsorgeuntersuchung auf. Wir vertagen die Renovierung. Wir reisen seltener. Wir verzichten auf kleine Freuden, weil immer derselbe Gedanke im Hinterkopf mitläuft: Was, wenn nächsten Monat eine unerwartete Ausgabe kommt?

Diese ständige Unsicherheit ist für mich eine viel größere Last, als die Zahlen allein je zeigen könnten.

Es zählt nicht nur das Gehalt

Auf dem Konto steht heute in Zahlen vielleicht mehr Geld als vor ein paar Jahren. Nur bedeuten diese Zahlen inzwischen etwas ganz anderes.

Die Frage ist nicht, wie viel wir verdienen, sondern wofür es tatsächlich reicht. Denn wenn ein Einkauf, eine Zahnbehandlung oder eine unerwartete Untersuchung das Familienbudget für Monate durcheinanderbringt, fällt es schwer, das Gefühl zu haben, wirklich vorangekommen zu sein.

Dieses Gefühl kennen heute viele von uns. Nicht, weil wir zu wenig arbeiten oder schlecht wirtschaften würden. Sondern weil sich der Wert des Geldes leise verändert hat – und das merken wir vor allem im Alltag.

Warum reicht das Gehalt nicht mehr, obwohl es gestiegen ist?

Weil gleichzeitig fast alles teurer geworden ist. Ein höheres Gehalt bedeutet nicht automatisch mehr Kaufkraft, wenn Lebensmittel, Nebenkosten und Dienstleistungen ebenso stark oder stärker steigen.

Was treibt die monatlichen Ausgaben am stärksten in die Höhe?

Meist nicht die großen Anschaffungen, sondern die Summe vieler kleiner Posten: teurere Lebensmittel, höhere Nebenkosten, Auto, Schulkosten, Medikamente, ein Arztbesuch oder ein defektes Gerät – vor allem, wenn sie im selben Monat zusammentreffen.

Warum entscheiden sich immer mehr Menschen für private Gesundheitsleistungen?

Oft, weil sie nicht monatelang auf einen Termin warten können. Die private Versorgung wirkt dann wie die einzige schnelle Lösung – kann aber schnell mehrere Hundert Euro oder mehr kosten.

Ist die finanzielle Unsicherheit belastender als die reinen Kosten?

Für viele ja. Das ständige Rechnen, das Aufschieben von Untersuchungen und der Verzicht auf kleine Freuden erzeugen einen Druck, der weit über das hinausgeht, was die Zahlen allein zeigen.

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