Meinungsartikel: Borka Schuszter
Hätte mir jemand vor einem Jahr gesagt, dass ich meiner Tochter mit sieben Jahren ein Reinigungsgel und eine Feuchtigkeitscreme kaufen würde, hätte ich wahrscheinlich die Augenbraue hochgezogen.
Nicht, weil ich etwas gegen Hautpflege hätte. Ganz im Gegenteil. Sondern weil sieben Jahre irgendwie immer noch sehr klein wirken, um schon eigene Kosmetikprodukte zu besitzen.
Doch vor ein paar Monaten bemerkte ich die ersten winzigen Mitesser neben der Nase meiner Tochter. Und was noch schwerer wog: Sie bemerkte sie ebenfalls.
Zuerst betrachtete sie sich nur im Spiegel. Dann fragte sie, was diese kleinen schwarzen Punkte seien. Wir sprachen darüber, und ich erklärte ihr, dass das völlig normal ist. Unsere Haut verändert sich ständig, produziert Talg, die Poren können verstopfen – und all das gehört zum Leben dazu.
Ich habe die Situation nicht dramatisiert, sie aber auch nicht einfach abgetan. Denn obwohl sie wusste, dass es natürlich ist, sah ich ihr an, dass es sie störte.
Und dann rückte der Sommer näher
Immer mehr Sonnencreme, immer mehr Schwitzen, immer mehr Buddeln im Sand, Radfahren und ganze Tage im Freien. Ich selbst spüre in dieser Zeit, dass mein Gesicht mehr Reinigung braucht als im Winter. Und so kam ich zu dem Schluss: Vielleicht ist es an der Zeit, eine ganz einfache, ganz grundlegende Routine einzuführen.
Also bekam meine Tochter ihr eigenes Reinigungsgel. Keine zehnstufige koreanische Pflegeroutine. Keine Säuren. Keine Seren. Keine „Anti-Aging"-Produkte. Nur ein mildes, frei-von-allem, biologisches Reinigungsgel aus dem günstigen Regal einer Drogerie. Und dazu eine leichte Feuchtigkeitscreme. Mehr nicht.
Als ich das jemandem erzählte, kam sofort die Frage, ob das nicht zu früh sei. Ich finde nicht. Denn für mich ist das keine Schönheitspflege. Ein gewisses Maß an Hautpflege ist meiner Meinung nach schlicht eine Frage der Hygiene.
Genauso, wie ich ihr als Kleinkind das Zähneputzen beigebracht habe. Genauso, wie ich ihr das Händewaschen beigebracht habe. Und genauso, wie irgendwann der Moment kam, in dem sie lernen musste, ihre Intimzonen richtig zu reinigen – so fühlte ich, dass es Zeit war, ihr auch dieses Wissen weiterzugeben.
Denn all das gehört zur Funktionsweise und Pflege unseres Körpers. Und auch wenn die Schönheitsindustrie gern so tut, als ginge es bei Hautpflege ausschließlich um Äußerlichkeiten, ist der grundlegendste Teil davon in Wahrheit einfach Gesundheitsvorsorge. Reinigung, Feuchtigkeit, Sonnenschutz. Nicht mehr.
Ein gemeinsames Ritual, das entstanden ist
Die ganze Geschichte hatte jedoch einen Nebeneffekt, mit dem ich nicht gerechnet hatte. Seitdem reinigen wir uns abends gemeinsam das Gesicht. Sie mit ihrem eigenen kleinen Reinigungsgel, ich mit meinen Produkten. Danach cremen wir uns zusammen ein – und dabei reden wir.

Sie fragt, warum ich mehr Produkte benutze. Warum ich eine extra Augenpflege habe. Warum ich manchmal ein Serum gegen Fältchen verwende. Und in solchen Momenten ergibt sich eine gute Gelegenheit, über Dinge zu sprechen, die sonst vielleicht schwerer anzusprechen wären.
Zum Beispiel darüber, dass Sauberkeit und Sonnenschutz eine Frage der Gesundheit sind. Aber ob man etwas gegen seine Falten tun möchte, das ist eine ganz persönliche Entscheidung. Dass es kein Richtig oder Falsch gibt, dass es natürlich ist, wenn sich die Haut mit der Zeit verändert – und dass das vollkommen normal ist.
Wir haben auch schon darüber gesprochen, dass die Gesichter der Menschen unterschiedlich sind. Dass es Sommersprossen gibt, Muttermale, Pickel, Falten. Dass sich unser Körper ständig verändert und man nicht vor jeder neuen Linie oder jedem neuen Pünktchen erschrecken muss.
Ehrlich gesagt sind mir diese Gespräche viel wichtiger als die Gesichtscreme selbst. Denn ich möchte ihr nicht beibringen, wie sie perfekt aussieht. Ich möchte ihr beibringen, wie sie eine gesunde Beziehung zu ihrem eigenen Körper aufbaut. Wie sie für ihn sorgt, wie sie auf ihn achtet.
Und wie sie akzeptiert, dass sich ihr Körper, ihre Haut und ihr Gesicht im Laufe der Jahre verändern werden. Von außen betrachtet ist das vielleicht nur ein Reinigungsgel und ein kleiner Tiegel Feuchtigkeitscreme. Für mich bedeutet es weit mehr.
Es ist ein weiterer Schritt in jenem langen Prozess, der hoffentlich dazu führt, dass aus ihr eine Frau wird, die nicht auf ihren Körper achtet, um anderen zu gefallen – sondern weil sie ihn ehrlich liebt.
Ist Hautpflege für ein Kind nicht zu früh?
Es kommt darauf an, wie man Hautpflege versteht. Eine einfache Reinigung und Feuchtigkeitspflege sind aus dieser Sicht keine Schönheitspflege, sondern eine Form der Hygiene – ähnlich wie Zähneputzen oder Händewaschen.
Welche Produkte eignen sich für ein Kind?
Im Beispiel dieses Artikels sind es nur zwei einfache, milde Produkte: ein sanftes Reinigungsgel und eine leichte Feuchtigkeitscreme. Keine Säuren, keine Seren und keine Anti-Aging-Produkte.
Warum sind die Gespräche wichtiger als die Produkte?
Weil das eigentliche Ziel nicht ein perfektes Aussehen ist, sondern eine gesunde Beziehung zum eigenen Körper. Das gemeinsame Ritual schafft Raum für offene Gespräche über Veränderung, Akzeptanz und Selbstliebe.











