Bei uns liegt im Wohnzimmer ein Teppich, der schon zwei Kinder, einen Kater und mindestens drei Rotweinabende überlebt hat. Nicht, weil er besonders robust ist, sondern weil ich irgendwann aufgehört habe, bei jedem Fleck panisch zu schrubben. Die meisten Teppiche werden nämlich nicht vom Alltag ruiniert, sondern von der Rettungsaktion danach: zu viel Wasser, zu heiß, zu grob, zu spät. Wer die Reihenfolge kennt, spart sich fast immer die teure Alternative.
Erst wissen, was da liegt
Vor jedem Mittel steht die Materialfrage. Wolle ist ein Naturhaar und reagiert wie Haar: Sie mag lauwarmes Wasser, verträgt keine starken Laugen, keine enzymhaltigen Vollwaschmittel und keine Hitze, weil sie sonst verfilzt. Synthetikfasern wie Polypropylen oder Polyester sind unempfindlicher und dürfen feuchter behandelt werden. Viskose ist die Diva: Sie wird nass fleckig und steif, hier gilt so trocken wie möglich. Sisal und Jute mögen Feuchtigkeit ebenfalls nicht, dort arbeitet man am besten mit Trockenpulver.
Und immer, wirklich immer: erst an einer verdeckten Stelle testen, etwa am Rand unter dem Sofa. Zwei Minuten Vorsicht ersparen den hellen Kreis mitten im Muster.
Der frische Fleck: tupfen, nicht reiben
Flüssiges zuerst mit Küchenpapier oder einem alten Handtuch aufnehmen, von außen nach innen, mit Druck von oben, ohne Kreisbewegung. Reiben drückt den Schmutz tiefer in die Faser und raut den Flor auf – die Stelle bleibt danach sichtbar, auch wenn der Fleck weg ist. Festes wie Soße oder Matsch erst antrocknen lassen und abkratzen, dann behandeln.
Danach mit lauwarmem Wasser und ein paar Tropfen mildem Fein- oder Wollwaschmittel arbeiten: Lösung auf ein Tuch geben, nicht direkt auf den Teppich, Fleck betupfen, mit einem zweiten, nur mit klarem Wasser befeuchteten Tuch nachtupfen. Der Nachgang mit klarem Wasser ist der Schritt, den fast alle weglassen – Waschmittelreste in der Faser ziehen später Schmutz an, und genau deshalb ist die Stelle nach vier Wochen dunkler als der Rest. Zum Schluss trocken tupfen und mit einem Handtuch beschweren.
Für Rotwein und Kaffee hilft sofortiges Aufsaugen und Mineralwasser mit Kohlensäure, das man auftupft und wieder abnimmt. Fett bindet man mit Speisestärke oder Natron, zwei Stunden einwirken lassen, absaugen. Bei Blut nur kaltes Wasser verwenden, warmes fixiert.






