Neulich ertappte ich mich dabei, wie ich genervt war. Mein Partner traf wieder eine impulsive Entscheidung, machte etwas, das meinen Tag durcheinanderbrachte, und da war dieses vertraute Gefühl: In manchen Situationen kann ich einfach nicht auf ihn zählen, weil er ein ewiges Kind ist, das nicht will oder kann erwachsen werden. Da wäre es leicht zu sagen, das sei eine schlechte Eigenschaft. Dass man daran arbeiten müsste.
Aber wenn ich ehrlich zu mir bin, sind genau das die Dinge, in die ich mich verliebt habe.
Ich hatte schon Beziehungen, in denen alles berechenbar war. Der Partner verlässlich, stabil, belastbar – so jemand, auf den man immer zählen kann, der keine unerwarteten Situationen schafft und keine Pläne durcheinanderbringt. Auf dem Papier der perfekte Mann. Doch in solchen Beziehungen habe ich mich gelangweilt. Nicht nur ein bisschen, sondern so sehr, dass ich sie letztlich deswegen beendete.
Mit meinem jetzigen Partner ist es ganz anders. Bei ihm muss ich nicht immer „erwachsen“ sein. Oft habe ich sogar das Gefühl, ich rutsche zurück in einen Teenagerzustand: Auch ich sprühe dann vor Ideen, treffe spontane, manchmal auch ziemlich verrückte Entscheidungen, die er nie ablehnt. Pfannkuchen backen um 2 Uhr nachts? Den ganzen Sonntag Videospiele? Nackt im Whirlpool eines Airbnbs baden? Er ist immer für ein Abenteuer zu haben, ich kann ihm immer sagen, worauf ich Lust habe, weil er sofort zuschlägt, wenn es darum geht, etwas Unvergessliches zu erleben.

Und genau das hält die Liebe in mir lebendig
Aus dieser Perspektive stellt sich aber eine unangenehme Frage: Warum will ich manchmal genau das „wegzüchten“?
Warum wird das, was anfangs aufregend, befreiend und anziehend war, irgendwann störend? Warum sehen wir plötzlich dieselben Eigenschaften als „Problem“, wegen denen wir den anderen damals gewählt haben?
Vielleicht, weil wir irgendwann in der Beziehung nicht nur Erlebnisse suchen, sondern auch Sicherheit. Es zählt nicht mehr nur, was der andere uns im Hier und Jetzt gibt, sondern auch, worauf wir langfristig von ihm zählen können. Und diese Ansprüche können sich widersprechen.
Impulsivität kann gleichzeitig spannend und beängstigend sein. Spontaneität befreit, ist aber unberechenbar. Kindliche Begeisterung ist liebenswert, kann aber auch anstrengend sein. Und wir neigen dazu, nur eine Seite zu sehen – je nachdem, in welcher Situation wir gerade sind.
Doch nur weil eine Eigenschaft manchmal schwierig ist, heißt das nicht, dass sie „schlecht“ ist. Vielleicht ist sie einfach komplett. Und genau so muss man sie akzeptieren.

Ich bin mir sicher, ich bin auch kein leichter Fall. Ich habe Dinge an mir, die nerven oder mit denen man schwer leben kann. Und wahrscheinlich könnte mein Partner auch beschließen, diese „wegzubekommen“. Aber wenn ihm das gelänge, würde er vielleicht genau das verlieren, was ihn an mir lieben ließ.
Hier liegt die Falle: Wenn wir zu erfolgreich darin sind, den anderen an unsere Bedürfnisse anzupassen, löschen wir leicht den Funken aus, der die ganze Anziehung erst entfacht hat.
Das heißt natürlich nicht, dass man alles ertragen muss. Es gibt Grenzen, Situationen, in denen Veränderung wichtig ist. Aber nicht jede Differenz ist ein Fehler. Nicht jedes Unbehagen ein Problem.
Die Impulsivität meines Partners ist auch nicht immer leicht
Manchmal nervt sie mich richtig. Aber ich habe akzeptiert, dass er nicht nur dann so sein kann, wenn es mir gerade passt. Das ist kein Schalter, den man einfach an- und ausknipsen kann.
Und wenn ich das grundsätzlich an ihm liebe, dann ist meine Aufgabe vielleicht, zu lernen, damit zu leben. In manchen Situationen erwachsen zu sein, während er mich aus meiner überdenkenden Welt herausholt.
Solange er mir meist Freude schenkt und ich mich glücklich schätze, ihn in meinem Leben zu haben, will ich ihn nicht verändern. Weil ich ihn genau so liebe.











