Mein großartiger Biologielehrer sagte einst, dass zwischen Mann und Frau alles normal ist, was beide wollen und genießen. Als Teenager schämten wir uns noch für diesen Satz, heute wissen wir: Sexuelle Kreativität ist genauso wichtig für die Gesundheit wie ausgewogene Ernährung. Unsere Kultur hat monogame Beziehungen institutionalisiert, deshalb braucht es etwas Organisation, um sexuelle Vielfalt frei zu genießen. Natürlich haben wir für „parallel laufende“ Partnerschaften Lösungen gefunden, doch der gesellschaftliche Druck, öffentlich nur eine Beziehung zu führen, ist immer noch stark.
So leben wir unsere Bedürfnisse im Bett oft „nacheinander“ aus: Wir wechseln Partner, mal öfter, mal seltener. Die Menge hängt vom Appetit ab – manchmal auch die Qualität.
Was wir jederzeit tun können: Unsere sexuellen Fantasien frei entfalten und Orte besuchen, an die wir uns in der Realität nicht trauen würden. Forscher der Universität Montreal untersuchten in einer Umfrage mit 1500 Teilnehmern, was Männer und Frauen sexuell fantasieren. Die Ergebnisse, veröffentlicht im The Journal of Sexual Medicine, überraschen kaum, denn sie spiegeln die evolutionsbiologischen Rollen der Geschlechter wider.

Wir teilen viele Fantasien, von ungewöhnlichen bis hin zu häufigen: 80 % wünschen sich, an besonderen Orten zusammen zu sein, träumen von Outdoor- und romantischen Settings und fantasieren oft auch von Sex mit Fremden. Fast die Hälfte der verheirateten Frauen und 83 % der verheirateten Männer denken an andere Partner.
Beide Geschlechter sehnen sich nach intimen Momenten mit Prominenten – mit nur 10 % Unterschied zugunsten der Männer (61 %). Oralsex regt ebenfalls die Fantasie an: Rund 70 % beider Seiten würden das Vergnügen der Selbstbefriedigung steigern, wenn der Partner dabei zuschaut.
Dominanz und Unterwerfung sind häufige Fantasien. Die Anteile unterscheiden sich zwar, doch etwa 50 % beider Geschlechter denken daran.
Sex mit Tieren ist selten (etwa 2 %) und das Verkleiden in die Kleidung des anderen Geschlechts eine ungewöhnliche, aber vorhandene Fantasie (rund 15 %).
Männer träumen oft von mehreren Partnern und Fremden. 75 % denken an Sex mit mehr als drei Frauen gleichzeitig, und 84 % würden gerne mit zwei Frauen im Bett experimentieren. Über 80 % der Männer sehen es gern, wenn Frauen sich gegenseitig verwöhnen, und viele würden selbst mitmachen.
Fast drei Viertel der Frauen fantasieren am meisten über Oralsex: Sie würden ihren Partner gerne dazu anregen und selbst dominant im Bett sein. Auch wir können uns über die Zahl freuen: 64 % genießen Situationen mit mehr als drei Beteiligten.
Wie steht es um die Grenze zwischen sexuellen Fantasien und Abweichungen? Kliniker suchten nach Antworten, wie viel Fantasieren normal ist und wann es problematisch wird. Zwar ist das schwer zu beurteilen, doch medizinisch gilt: Wenn das Fantasieren zwanghaft wird, ist es nicht mehr gesund.
Das Problem ist, dass Zwang häufiges Fantasieren auslöst und nur das Träumen befriedigt, während im echten Leben Lust und Potenz abnehmen.
Auch wenn sexuelle Fantasien Stress, Schäden oder Verletzungen verursachen, ist das abweichend. Die Symptome zeigen sich beim realen Sex und zerstören das Liebesleben.
Unsere Fantasien werden von vielen Einflüssen geprägt. So warnte das Journal of Women’s Health 2014 vor dem Einfluss von „Shades of Grey“. Frauen, die das Buch gelesen hatten, leben 25 % häufiger in verbal missbräuchlichen Beziehungen, 34 % öfter in solchen mit körperlicher Gewalt und 75 % häufiger mit Essstörungen. Erschreckende Zahlen, besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
Die Welt der Fantasien kann unser Liebesleben reicher und kreativer machen – wenn sie das echte Leben unterstützt und nicht von der realen Nähe entfernt. Also: Seien wir mutig und nutzen wir sie gesund!











