Bien Logo

Wovon träumt ein Mann und wovon eine Frau? Wir haben die Grenzen unserer intimen Fantasien ausgelotet

Salat Schreiber3 Min. Lesezeit
Teilen:
Wovon träumt ein Mann und wovon eine Frau? Wir haben die Grenzen unserer intimen Fantasien ausgelotet — Beziehung

Mein großartiger Biologielehrer sagte einst, dass zwischen Mann und Frau alles normal ist, was beide wollen und genießen. Als Teenager schämten wir uns noch für diesen Satz, heute wissen wir: Sexuelle Kreativität ist genauso wichtig für die Gesundheit wie ausgewogene Ernährung. Unsere Kultur hat monogame Beziehungen institutionalisiert, deshalb braucht es etwas Organisation, um sexuelle Vielfalt frei zu genießen. Natürlich haben wir für „parallel laufende“ Partnerschaften Lösungen gefunden, doch der gesellschaftliche Druck, öffentlich nur eine Beziehung zu führen, ist immer noch stark.

So leben wir unsere Bedürfnisse im Bett oft „nacheinander“ aus: Wir wechseln Partner, mal öfter, mal seltener. Die Menge hängt vom Appetit ab – manchmal auch die Qualität.

Was wir jederzeit tun können: Unsere sexuellen Fantasien frei entfalten und Orte besuchen, an die wir uns in der Realität nicht trauen würden. Forscher der Universität Montreal untersuchten in einer Umfrage mit 1500 Teilnehmern, was Männer und Frauen sexuell fantasieren. Die Ergebnisse, veröffentlicht im The Journal of Sexual Medicine, überraschen kaum, denn sie spiegeln die evolutionsbiologischen Rollen der Geschlechter wider.

Wir teilen viele Fantasien, von ungewöhnlichen bis hin zu häufigen: 80 % wünschen sich, an besonderen Orten zusammen zu sein, träumen von Outdoor- und romantischen Settings und fantasieren oft auch von Sex mit Fremden. Fast die Hälfte der verheirateten Frauen und 83 % der verheirateten Männer denken an andere Partner.

Beide Geschlechter sehnen sich nach intimen Momenten mit Prominenten – mit nur 10 % Unterschied zugunsten der Männer (61 %). Oralsex regt ebenfalls die Fantasie an: Rund 70 % beider Seiten würden das Vergnügen der Selbstbefriedigung steigern, wenn der Partner dabei zuschaut.

Dominanz und Unterwerfung sind häufige Fantasien. Die Anteile unterscheiden sich zwar, doch etwa 50 % beider Geschlechter denken daran.

Sex mit Tieren ist selten (etwa 2 %) und das Verkleiden in die Kleidung des anderen Geschlechts eine ungewöhnliche, aber vorhandene Fantasie (rund 15 %).

Männer träumen oft von mehreren Partnern und Fremden. 75 % denken an Sex mit mehr als drei Frauen gleichzeitig, und 84 % würden gerne mit zwei Frauen im Bett experimentieren. Über 80 % der Männer sehen es gern, wenn Frauen sich gegenseitig verwöhnen, und viele würden selbst mitmachen.

Fast drei Viertel der Frauen fantasieren am meisten über Oralsex: Sie würden ihren Partner gerne dazu anregen und selbst dominant im Bett sein. Auch wir können uns über die Zahl freuen: 64 % genießen Situationen mit mehr als drei Beteiligten.

Wie steht es um die Grenze zwischen sexuellen Fantasien und Abweichungen? Kliniker suchten nach Antworten, wie viel Fantasieren normal ist und wann es problematisch wird. Zwar ist das schwer zu beurteilen, doch medizinisch gilt: Wenn das Fantasieren zwanghaft wird, ist es nicht mehr gesund.

Das Problem ist, dass Zwang häufiges Fantasieren auslöst und nur das Träumen befriedigt, während im echten Leben Lust und Potenz abnehmen.

Auch wenn sexuelle Fantasien Stress, Schäden oder Verletzungen verursachen, ist das abweichend. Die Symptome zeigen sich beim realen Sex und zerstören das Liebesleben.

Unsere Fantasien werden von vielen Einflüssen geprägt. So warnte das Journal of Women’s Health 2014 vor dem Einfluss von „Shades of Grey“. Frauen, die das Buch gelesen hatten, leben 25 % häufiger in verbal missbräuchlichen Beziehungen, 34 % öfter in solchen mit körperlicher Gewalt und 75 % häufiger mit Essstörungen. Erschreckende Zahlen, besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Die Welt der Fantasien kann unser Liebesleben reicher und kreativer machen – wenn sie das echte Leben unterstützt und nicht von der realen Nähe entfernt. Also: Seien wir mutig und nutzen wir sie gesund!

Passende Artikel

5 Dinge, über die nur wir Frauen im Bett nachgrübeln – Männer ist das völlig egal — Beziehung

5 Dinge, über die nur wir Frauen im Bett nachgrübeln – Männer ist das völlig egal

Wir Frauen machen uns im Bett oft Sorgen über Dinge, die unsere Partner kaum wahrnehmen. Diese 5 Punkte kannst du getrost loslassen.

Zelie O.
„Wenn ich abwasche, gibt es dann Sex?" Was Hausarbeit wirklich mit Intimität zu tun hat — Beziehung

„Wenn ich abwasche, gibt es dann Sex?" Was Hausarbeit wirklich mit Intimität zu tun hat

Männer erzählen, wie sie den Zusammenhang zwischen Hausarbeit und Intimität in der Beziehung entdeckt haben – und was sich dadurch verändert hat.

Angela Fischer
Die Hälfte der Frauen hat es schon gespielt. Warum stellen wir einen Orgasmus nach? — Beziehung

Die Hälfte der Frauen hat es schon gespielt. Warum stellen wir einen Orgasmus nach?

Der vorgetäuschte Orgasmus ist Thema unzähliger Artikel und Filme – egal ob Drama oder Komödie – und jetzt mischt auch die Wissenschaft mit. C.L. Muehlenhard und S.K. Shippee veröffentlichten ihre Ergebnisse im Journal of Sex Research.

Barbara Weber
Was Männer als Erstes an einer Frau bemerken – und warum es nicht das ist, was du denkst — Beziehung

Was Männer als Erstes an einer Frau bemerken – und warum es nicht das ist, was du denkst

Der erste Eindruck entscheidet oft mehr, als wir glauben. Was Männer wirklich als Erstes an einer Frau wahrnehmen – die Antwort überrascht.

Zelie O.
Leicht zu haben, naiv oder geheimnisvoll? Diese Frauentypen wählen Männer am häufigsten als Geliebte — Beziehung

Leicht zu haben, naiv oder geheimnisvoll? Diese Frauentypen wählen Männer am häufigsten als Geliebte

Laut einer Umfrage einer englischen Zeitschrift sind Männern drei Eigenschaften bei einer Geliebten am wichtigsten: humorvoll, liebenswürdig und abenteuerlustig. Hier erfährst du, welche Frauentypen Männer als Geliebte bevorzugen.

Angela Fischer
Was bedeutet es wirklich, wenn eine Frau mit „Nichts“ antwortet? — Beziehung

Was bedeutet es wirklich, wenn eine Frau mit „Nichts“ antwortet?

Für viele Männer bleibt es ein Rätsel, was hinter diesem scheinbar harmlosen Wort steckt, das in Wahrheit eine tiefe emotionale Welt widerspiegelt. Wenn eine Frau „nichts“ sagt, übermittelt dieses kurze Wort viel mehr als nur seine wörtliche Bedeutung. Es trägt ihre momentanen Gefühle, die Situation, in der es geäußert wurde, und oft auch die emotionale Dynamik, die die Beziehung prägt.

Zelie O.