Bien Logo

Ab welchem Alter lohnt es sich, Kindern ein Smartphone zu geben

Barbara Weber3 Min. Lesezeit
Teilen:
Ab welchem Alter lohnt es sich, Kindern ein Smartphone zu geben — Familie
In diesem Artikel

Immer mehr Kinder bekommen heutzutage Smartphones, und das immer früher. Aber ist es wirklich nötig, dass Grundschulkinder schon ständig online sind? Forschende und Expert:innen warnen einhellig: Zu früher Zugang birgt ernsthafte Risiken für die mentale und kognitive Entwicklung.

Früher Zugang = schlechtere mentale Gesundheit

Eine umfassende Studie von Sapien Labs analysierte Daten von über 100.000 jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 24 Jahren und fand heraus: Je früher jemand ein Smartphone bekommt – besonders vor dem 13. Lebensjahr –, desto schlechter sind die mentalen Gesundheitsergebnisse im Erwachsenenalter.

Bei diesen jungen Erwachsenen traten häufig Aggressionen, emotionale Abkopplung, Halluzinationen und Suizidgedanken auf. Die negativen Auswirkungen eines zu frühen eigenen Smartphones waren bei Mädchen besonders ausgeprägt messbar.

Ab welchem Alter gilt es als sicher?

Eine weitere Expert:innenempfehlung besagt, dass der Zugang zu Smartphones eher in den Schuljahren der Sekundarstufe akzeptabel wird. Ab etwa 14 Jahren lohnt es sich, über ein internetfähiges Gerät nachzudenken – die Nutzung sozialer Medien sollte laut Studie sogar noch später, etwa ab 16 Jahren, beginnen.

Source: unsplash.com

Alternativen – Werkzeug statt Last

Es ist verständlich, dass wir mit unseren Kindern in Kontakt bleiben wollen und ihnen ein Gerät geben möchten, über das wir sie jederzeit erreichen können und sie uns bei Bedarf kontaktieren können. Ein Handy kann viele potenziell gefährliche Situationen sicherer machen – dafür braucht es aber kein Smartphone mit Internetzugang.

Expert:innen empfehlen, Kinder unter 11 Jahren lieber mit einem einfachen, internetfreien „dummen“ Telefon auszustatten, das nur Anrufe und Nachrichten ermöglicht – so werden Online-Gefahren reduziert.

Die in Großbritannien aktive Bewegung „Smartphone Free Childhood“ (SFC) rät ebenfalls, Kindern bis mindestens 14 Jahren keinen uneingeschränkten Zugang zu einem Smartphone zu geben.

Peer Pressure – Warum bekommen viele Kinder zu früh ein Smartphone?

Während es sinnvoll erscheint, dass Kinder im Alter von 13 bis 14 Jahren vorsichtig beginnen, verantwortungsvoll mit dem Internet und dem eigenen Smartphone umzugehen, bekommen manche schon deutlich früher ein smartes Gerät – oft nicht mal von deutlich älteren Teenagern.

Eine Ofcom-Umfrage zeigt, dass in Großbritannien bereits ein Viertel der 5- bis 7-Jährigen ein eigenes Smartphone besitzt und mehr als die Hälfte soziale Plattformen nutzt, obwohl diese offiziell nicht erlaubt sind – ein starkes Zeichen für den gesellschaftlichen Druck auf Eltern.

Das eigene Smartphone ist häufig ein Statussymbol unter Kindern und wird zur Kontaktpflege und Gemeinschaftsbildung genutzt. Deshalb haben Eltern oft das Gefühl, dass ihr Kind etwas verpasst, wenn es kein eigenes Gerät bekommt.

Was ist die optimale Lösung?

Expert:innen empfehlen, ab etwa 13 bis 14 Jahren über ein Smartphone nachzudenken, wenn das Kind reif genug für verantwortungsbewusste Nutzung ist. Ein internetfreies Gerät mit einfachen Funktionen kann viele Sorgen der Eltern mindern.

Eine gut informierte Entscheidung und offene Kommunikation helfen, dass digitale Geräte nicht zur Gefahr, sondern zu einer verantwortungsvollen Sicherheitskette werden. Dafür ist es wichtig, schon früh mit Kindern über Chancen und Risiken des Internets zu sprechen, damit sie nicht plötzlich mit der Fülle an Informationen konfrontiert werden, wenn sie ihr erstes Smartphone bekommen.

Zahlreiche Studien und Expert:innenmeinungen zeigen: Zu früher Smartphone-Zugang kann nicht nur Stress und Abhängigkeit verursachen, sondern langfristig auch der mentalen Gesundheit schaden. Die sicherste Regel lautet, frühestens ab 13 bis 14 Jahren über ein Smartphone nachzudenken – am besten mit einer einfacheren Variante zum Start. Ein internetfähiges Gerät sollte erst dann in die Hand gegeben werden, wenn das Kind wirklich bereit für eine verantwortungsvolle Online-Präsenz ist.

Passende Artikel

„Früher waren Kinder nicht so wählerisch“ – Haben wir ihren Geschmack wirklich verdorben? — Familie

„Früher waren Kinder nicht so wählerisch“ – Haben wir ihren Geschmack wirklich verdorben?

Ältere Generationen sagen oft, dass Kinder früher alles gegessen haben, was ihnen vorgesetzt wurde. Aber haben wir ihren Geschmack wirklich verdorben oder hat sich einfach die Umgebung verändert?

Elisabeth Müller
„Mein Vater sagte, sie wollten sich scheiden lassen – aber dann kam ich." Geschichten ungeplanter Kinder — Familie

„Mein Vater sagte, sie wollten sich scheiden lassen – aber dann kam ich." Geschichten ungeplanter Kinder

Zu erfahren, dass man von den eigenen Eltern nicht gewollt war, hinterlässt tiefe Spuren. Diese Menschen haben ihre Geschichte geteilt.

Angela Fischer
8 Dinge, die du aus einer zu strengen Erziehung ins Erwachsenenleben mitträgst — Familie

8 Dinge, die du aus einer zu strengen Erziehung ins Erwachsenenleben mitträgst

Zu strenge Erziehung hinterlässt tiefe Spuren – oft ohne dass wir es merken. Diese 8 Muster zeigen, wie sie dein Leben bis heute beeinflusst.

Isabella Schmidt
Mädchen kommen früher in die Pubertät – das sind die echten Gründe — Familie

Mädchen kommen früher in die Pubertät – das sind die echten Gründe

Mädchen werden heute biologisch früher reif als noch vor wenigen Jahrzehnten. Was steckt dahinter? Ernährung, Umweltgifte und Stress spielen eine überraschende Rolle.

Isabella Schmidt
Millionengeschäft auf Kosten der Mütter – wie die „Mom Guilt"-Industrie von schlechtem Gewissen profitiert — Familie

Millionengeschäft auf Kosten der Mütter – wie die „Mom Guilt"-Industrie von schlechtem Gewissen profitiert

Die „Mom Guilt"-Industrie verdient Millionen mit dem schlechten Gewissen von Müttern. Warum das System auf Angst aufgebaut ist – und was Kinder wirklich brauchen.

Barbara Weber
Hörbuch oder Lesen – was sagt die Wissenschaft wirklich dazu? — Familie

Hörbuch oder Lesen – was sagt die Wissenschaft wirklich dazu?

Hörbücher boomen – aber sind sie genauso gut wie richtiges Lesen? Neurowissenschaftliche Studien liefern eine überraschend differenzierte Antwort.

Barbara Weber