Bevor Zweifel aufkommen: Dies ist kein Artikel gegen Pedro Pascal. Ganz im Gegenteil – ich bewundere den großartigen Pedro Pascal genauso sehr wie jeder andere. Seine öffentlichen Statements, besonders seine mutige und konsequente Unterstützung der LGBTQ-Community, sind unglaublich wichtig. Es ist herzerwärmend, wie er seine trans Schwester schützt und mit welcher Sensibilität er auf gesellschaftliche Themen reagiert. Und über seinen sexy Humor und das Selbstbewusstsein, mit dem er traditionelle maskuline Rollen in Frage stellende Kleidung trägt, wollen wir gar nicht erst sprechen.
Dieser Artikel handelt eher von dem Phänomen, in dessen Zentrum er gerade steht. Denn das Bild, das die Öffentlichkeit um Pascal aufgebaut hat – und das er selbst wahrscheinlich nicht absichtlich formt – ist nicht nachhaltig.
Die Idealisierung von Prominenten ist nichts Neues
Aber im Zeitalter des Internets, wo jeder Inhalt virales Potenzial hat, entstehen diese idealisierten Bilder schneller und extremer als je zuvor. Ein gelungenes Interview, ein witziges TikTok-Video, ein mitfühlender Kommentar auf Twitter – und schon haben wir den neuen "Internet-Daddy", von dem wir glauben, dass er nie Fehler macht, immer Gutes tut und fast schon zum moralischen Vorbild wird. Dieses zweidimensionale Bild – so angenehm es auch sein mag – wird irgendwann zusammenbrechen.
Ich fürchte nicht, dass irgendwann herauskommt, Pedro Pascal sei ein gewissenloser Räuber – er wäre nicht der erste Star, bei dem so etwas bekannt wird. Aber entgegen der weit verbreiteten Meinung gibt es bei solchen Fällen immer Vorzeichen, und bei Pedro Pascal ist davon bisher nichts zu sehen.
Das Problem liegt eher darin, dass das Publikum gern vergisst: Was wir sehen, ist eine Rolle. Nicht nur auf dem Bildschirm, sondern auch auf dem roten Teppich, in Talkshows oder auf Instagram – das sind ebenfalls Rollen, auch wenn sie uns viel näher am "echten Menschen" erscheinen.
Was wir in der Öffentlichkeit sehen, ist immer ein bearbeiteter, kontextualisierter und manchmal manipulierte Inhalt, an dem ein ganzes Team arbeitet.
Das ist keine Heuchelei, so funktioniert das Showbusiness. Hinzu kommt, dass wir von Prominenten so viel sehen, dass wir glauben, sie zu kennen. Tatsächlich begegnen wir nur einem winzigen Ausschnitt ihrer Persönlichkeit, aus dem wir uns dann einen Menschen zusammenreimen, der so gar nicht existiert. Und wenn das auffliegt, sind wir oft die ersten, die beleidigt sind.

Je höher man steigt, desto schmerzhafter der Fall
Und je höher wir das Image einer Person heben, desto schmerzhafter wird es, wenn etwas "Schlimmes" über sie bekannt wird. Mit "schlimm" meine ich hier jede Kleinigkeit, die nicht in unser Bild von ihr passt. Vielleicht ein unglücklicher Satz aus einem alten Interview, ein ungeschickter Witz am Set oder einfach eine ganz normale menschliche Schwäche. Etwas, das wir unserem besten Freund verzeihen würden, aber einem Star nicht, weil wir ihn nicht als Freund, sondern als Vorbild sehen.
Pedro Pascals Popularität befindet sich gerade in einer Phase, in der es nicht mehr darum geht, was er getan oder gesagt hat – sondern darum, was die Menschen in das Phänomen hineininterpretieren, das um ihn herum entstanden ist. Aber wie lange kann das bei irgendeinem Star so bleiben?
Wann wirft das Internet seine bisherige Lieblingskategorie über Bord, wenn herauskommt, dass er an einem verschlafenen Dienstagmorgen mal unfreundlich zu einem Barista war oder einmal falsch geparkt hat – und wir anfangen, einen neuen Liebling zu suchen, auf den wir wieder das Bild der Fehlerlosigkeit projizieren können?
Vielleicht wäre es besser, wenn wir jetzt schon anfangen, Menschen anders zu sehen, die mit ihrer Arbeit und ihrem Einsatz für die Gemeinschaft wirklich Anerkennung verdienen. Nicht als Vorbilder oder moralische Wegweiser, sondern als Menschen aus Fleisch und Blut, die ihr Bestes geben, Fehler machen dürfen und dadurch nicht weniger wert sind. Wenn wir das lernen, bräuchten wir nicht immer, dass "etwas Schlimmes" über jemanden ans Licht kommt, um zu erkennen: Er ist auch nur ein Mensch. So wie wir.











