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Darum fühlst du dich an Silvester oft einsamer als sonst

Margarete Wolf3 Min. Lesezeit
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Darum fühlst du dich an Silvester oft einsamer als sonst — Lebensstil

Vielleicht siehst du gerade, wie alle um dich herum für die Silvesterparty planen. Sie organisieren sich, wählen Outfits, kaufen Sekt, zählen herunter. Als wüsste jeder genau, wo er an diesem Abend hingehört. Und doch spürst du vielleicht etwas ganz anderes. Ein seltsames, schwer greifbares Gefühl. Als wärst du nicht in Stimmung, als würdest du nicht ganz dazugehören – und genau das lässt dich ein bisschen schlecht fühlen. Aber glaub mir, damit bist du nicht allein.

Silvester hat ein ganz besonderes Gewicht. Es ist nicht nur ein Abend, sondern ein Abschluss. Ein Punkt am Satzende, den wir das ganze Jahr über geschrieben haben – mal voller Elan, mal eher schleppend. Dabei schauen wir unwillkürlich zurück. Nicht bewusst, nicht mit Listen, sondern indem wir die Gefühle einfach kommen lassen. Erinnerungen, Menschen, Entscheidungen blitzen auf. Auch Dinge, die wir übers Jahr beiseitegeschoben haben, tauchen jetzt still auf. Während alle sagen „jetzt muss man glücklich sein“, spürst du vielleicht eher Müdigkeit. Oder Leere. Oder eine leise Frage: Bin ich wirklich da, wo ich sein will?

Und dieses Gefühl ist an Silvester irgendwie lauter. Nicht, weil mit dir etwas nicht stimmt, sondern weil es weniger Ablenkung gibt, die das Innere übertönt.

Einsamkeit bedeutet hier oft nicht, physisch allein zu sein. Sondern das Gefühl, nicht am gleichen Ort zu sein wie andere.

Du erlebst Dinge anders, in einem anderen Tempo, mit einer anderen Stimmung. Das kann schnell das Gefühl auslösen, mit dir sei etwas nicht in Ordnung. Dabei bist du vielleicht einfach nur tiefer mit dem verbunden, was in dir passiert.

Das Jahresende ist emotional anstrengend. Wir tragen seit Monaten vieles mit uns: unausgesprochene Worte, angefangene Geschichten und nicht betrauerte Verluste. Dinge, für die wir einfach keine Zeit oder Kraft hatten. An Silvester hält die Zeit kurz inne, und diese Gefühle bekommen Raum. Nicht, um den Abend zu verderben, sondern weil sie endlich sein dürfen. Wenn du dich heute nicht feierlich fühlst, ist das kein Versagen. Es heißt nicht, dass du das Jahr vergeigt hast oder etwas verpasst. Vielleicht geht es heute eher darum, still etwas abzuschließen. Dass du müde bist. Dass du Dinge überlebt hast. Und das allein ist genug.

Wie kannst du dieses Gefühl annehmen?

Näheraufnahme einer Frau

Der erste Schritt ist vielleicht, das Gefühl nicht sofort zu unterdrücken. Sag dir nicht „Ich muss mich zusammenreißen“ oder „Anderen geht es schlechter, ich sollte froh sein“. Solche Sätze helfen selten. Sie übertönen nur das, was eigentlich Aufmerksamkeit braucht. Erlaube dir, jetzt nicht okay zu sein. Dass dieser Abend nicht vom Sekt handelt, sondern vom Durchatmen. Davon, kurz innezuhalten. Vielleicht tut es dir gut, allein zu sein. Oder mit jemandem zu sprechen – aber nicht über Oberflächlichkeiten. Vielleicht brauchst du gar nichts Besonderes, sondern nur, dich nicht für deine Gefühle zu verurteilen.

Du musst dieses Gefühl nicht lösen. Du musst ihm keinen Namen geben und es nicht vertreiben. Es reicht, einfach da zu sein. Zu sagen: So ist es gerade. Und seltsamerweise wird es oft schon dadurch leichter. Du musst nicht so fühlen wie andere. Du musst keinen kollektiven Stimmungen oder einer Vorstellung davon entsprechen, wie ein Silvester „sein sollte“. Erlaube dir einfach, was jetzt da ist. Denn deine Gefühle sind nicht falsch, nicht zu viel, nicht unangemessen. Sie sind einfach echt.

Und wenn du dich jetzt ein bisschen einsam fühlst, glaub mir, an diesem Abend gibt es viele, die genau dasselbe spüren. Vielleicht ist es um dich herum still, aber in dieser Stille schwingen viele Gefühle mit deinen mit. Und das kann schon ein kleiner Halt sein.

Über die Autorin

Margarete Wolf

Margarete Wolf schreibt über Beziehungen, Familie und die stille emotionale Wetterlage, die beides prägt. Sie interessiert sich für das, was andere auslassen — die Schwiegereltern, den Hund, die Freundschaft, die in den Dreißigern komisch wurde — und nimmt es genauso ernst wie die großen Themen.

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