Hast du auch schon bemerkt, dass du zusammen mit deinen Freundinnen menstruierst und es fast so wirkt, als würden eure Körper im Einklang sein? Das nennt man Menstruationssynchronisation – die Vorstellung, dass Frauen, die viel Zeit miteinander verbringen, ihre Zyklen mit der Zeit angleichen.
Dieser Gedanke ist für viele tröstlich und verbindend: Es fühlt sich an, als würden Körper auf geheimnisvolle Weise miteinander kommunizieren. „Es ist verständlich, warum dieser Glaube so beliebt ist. Die Vorstellung, dass unser Körper im Einklang mit unseren Liebsten steht, vermittelt ein angenehmes und verbindendes Gefühl“, erklärt Dr. Rachel Jensen, Gynäkologin, im Gespräch mit The Guardian.

Wie sieht die Wahrheit zur Menstruationssynchronisation aus?
Kurz gesagt: Es gibt keine wissenschaftlichen Belege, dass Menstruationszyklen tatsächlich synchron laufen.
Die Idee wurde Anfang der 1970er Jahre bekannt, als Dr. Martha McClintock ihre erste Studie veröffentlichte. Sie beobachtete Studentinnen in einem Wohnheim und stellte fest, dass die Zyklusanfänge von Frauen, die nahe beieinander lebten, mit der Zeit näher zusammenrückten – später als McClintock-Effekt bezeichnet.
In den 1990er Jahren schienen mehrere Studien das zu bestätigen, manche vermuteten sogar, dass Pheromone oder Düfte den Zyklus beeinflussen könnten. Doch moderne, streng kontrollierte Untersuchungen fanden meist keine echte Synchronisation. Dr. Jewel Kling von der Mayo Clinic betont: „Die Zyklen von Frauen, die nahe beieinander leben, synchronisieren sich nicht.“ Dr. Jensen ergänzt: „Es gibt keinen biologischen Mechanismus, der eine Menstruationssynchronisation auslöst.“

Warum glauben wir trotzdem daran?
Wenn es nicht stimmt, warum scheint es dann so, als hättest du mit deinen Freundinnen gleichzeitig deine Periode? Dr. Salena Zanotti, Gynäkologin an der Cleveland Clinic, erklärt, dass die Erklärung eher psychologisch und statistisch als biologisch ist.
Dr. Jensen erläutert: „Wir wissen öfter von den Zyklen unserer engen Freundinnen und erinnern uns besser daran. Wenn wir zufällig gleichzeitig menstruieren, fällt uns das auf – andere Zeitpunkte hingegen nicht.“
Außerdem variiert die Länge und der Beginn des Menstruationszyklus natürlich. Aufgrund der Wahrscheinlichkeiten menstruiert früher oder später jede mit jemandem „gleichzeitig“ – aber das ist reiner Zufall.
Was beeinflusst den Zeitpunkt der Menstruation?
Die Länge und Regelmäßigkeit des Zyklus können von vielen Faktoren abhängen, zum Beispiel:
- Körperzusammensetzung: Ein höherer BMI ist laut Dr. Kling oft mit unregelmäßigen Zyklen verbunden.
- Alter: Dr. Jensen betont, dass die Periode bei Teenagern und in der Menopause oft unregelmäßig ist.
- Psychischer Stress: Depressionen oder starker Stress können den Zyklus stören.
- Medikamente: Zum Beispiel hormonelle Verhütungsmittel.
- Gesundheitszustände: Schilddrüsenprobleme, polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS) oder die Menopause.
- Lifestyle-Faktoren: Rauchen, Alkoholkonsum, Koffein, Ernährung und Bewegung.

Weitere verbreitete Menstruationsmythen
Viele Mythen rund um die Menstruation haben kulturelle Wurzeln und widersprechen den Fakten. Dr. Zanotti erwähnt zum Beispiel den lange bestehenden Glauben, dass die Periode „schmutzig“ oder beschämend sei.
Weitere häufige Missverständnisse und die Realität:
- Verwendung von Tampons oder Menstruationstassen: Viele glauben fälschlicherweise, dass sie die Jungfräulichkeit beeinflussen. Das stimmt nicht.
- Sex während der Periode: Manche denken, das sei verboten. Fakt ist: Sex ist auch während der Menstruation möglich, aber Hygiene und Verhütung sollten beachtet werden.
Experten sagen, dass echte Menstruationsprobleme oft zu wenig angesprochen werden. Dr. Kling hebt hervor, dass Symptome wie schmerzhafte Perioden (Dysmenorrhoe), unregelmäßige Blutungen oder PMS sehr häufig sind: „Bis zu 85 % der Frauen erleben Menstruationsbeschwerden, und für 40 % sind diese stark belastend.“
Dr. Zanotti ergänzt: „Menstruation ist ein normaler Teil des Lebens und muss nicht sehr schmerzhaft oder stark blutend sein. Wenn die Periode Probleme bereitet, lohnt es sich, eine Fachperson aufzusuchen, die bei der Behandlung helfen kann.“

Informiere dich immer gründlich
Der Mythos um Menstruationssynchronisation ist relativ harmlos, aber Dr. Jensen warnt: „Falsche Gesundheitsinformationen können ernsthafte Folgen haben.“ Es ist immer ratsam, mit Fachleuten zu sprechen, bevor man Ratschläge aus sozialen Medien oder von Freundinnen übernimmt.











