Lange hielt ich Glück für etwas Mystisches. Etwas, das uns einfach passiert – oder eben nicht. Dass es Menschen gibt, die vom Schicksal ständig begünstigt werden, und andere, deren Namen nie gezogen werden.
Doch irgendwann begann ich, die Dinge anders zu sehen – vor allem mein eigenes Leben. Ich erkannte, dass das, was ich früher „Glück“ nannte, eigentlich das Ergebnis meiner Einstellung, meiner Entscheidungen und meines Durchhaltevermögens war. Glück ist keine äußere Kraft, die mir plötzlich zulächelt, sondern etwas, dem ich in meinem Leben Raum geben musste.
Das Glück, das hinter harter Arbeit auftaucht
Wenn ich zurückdenke, begleitete mich bis etwa zum zwanzigsten Lebensjahr kaum Glück. Abgesehen davon, dass ich nie beim Spicken erwischt wurde. Ich arbeitete, lernte und versuchte voranzukommen, doch nichts fiel mir einfach zu. Sehr früh verstand ich: Wenn ich Veränderung will, muss ich selbst handeln.
Von den ersten Nebenjobs über die Gastronomie bis hin zum Erlernen meines Berufs – jeder Schritt geschah, weil ich entschied, nicht auf „mein Glück“ zu warten. Die vielen Wochenendarbeiten, das Anpassen und das Nicht-Aufgeben waren kleine Schritte, damit das, was ich für Glück hielt, mich eines Tages findet.
Dann kam ein Moment, in dem es klick machte. Die guten Dinge begannen zu passieren. Es mag spirituell klingen, doch ich fühlte, dass ich endlich meinen eigenen Weg gefunden hatte.
Glück schien plötzlich an meiner Seite zu sein und zeigte sich anders, als nur in vierblättrigen Kleeblättern (buchstäblich). Rückblickend weiß ich, dass ich das Glück mit meinen Entscheidungen, meinem Durchhaltevermögen und meinem Glauben an mich selbst in mein Leben eingeladen habe.
Die Psychologie des Glücks: Wenn nicht der Zufall entscheidet
Viele sagen, Glück sei keine unerreichbare äußere Kraft, sondern das Ergebnis von Persönlichkeit, Gewohnheiten und Denkweise. Laut dem Psychologen Richard Wiseman unterscheiden sich Glückspilze und Pechvögel nicht durch Intelligenz oder Talent, sondern durch ihre Reaktion auf Lebensereignisse. Glückliche Menschen sind offener, emotional stabiler und treffen eher neue Menschen und Situationen – so sammeln sie Erfahrungen und wachsen. Anders gesagt: Sie warten nicht auf Wunder (Glück), sondern schaffen Gelegenheiten dafür.
In einem Experiment legte Wiseman einen Geldschein vor den Eingang eines Cafés. Diejenigen, die sich als glücklich empfanden, bemerkten das Geld; die anderen gingen achtlos daran vorbei. Dieselbe Situation, dieselbe Chance – zwei unterschiedliche Perspektiven und zwei verschiedene Ergebnisse. Vielleicht liegt hier der Schlüssel: Glückliche erkennen Chancen, weil sie nicht so sehr mit Ängsten beschäftigt sind, dass sie daran vorbeigehen.

Das Bauchgefühl als Kompass
Wir hören oft: „Vertraue deinem Bauchgefühl“, doch nur wenige nehmen diesen wertvollen Rat ernst. Ich gehörte auch dazu, bis ich merkte, dass oft etwas schiefging, wenn ich meine Intuition ignorierte.
Wiseman zufolge ist das Geheimnis der Glücklichen genau das: Sie vertrauen ihrer Intuition. Sie sind nicht deshalb glücklich, weil jede Entscheidung perfekt ist, sondern weil sie lernen, sich selbst zu vertrauen. Sie spüren, wann sie innehalten und wann sie springen müssen.
Glaub daran, dass auch du Glück haben kannst
Eine meiner wichtigsten Erkenntnisse war: Glück hängt nicht davon ab, was das Leben bringt, sondern wie ich die Ereignisse sehe. Wenn ich glaube, alles könne nur schlimmer werden, verpasse ich selbst die besten Chancen. Erlaube ich mir jedoch zu glauben, dass gute Dinge passieren und ich das zurückbekomme, was ich anderen gebe, dann geschehen tatsächlich mehr positive Dinge.
Es geht nicht darum, dass plötzlich alle Träume wahr werden und ich mich zurücklehnen kann mit dem Gefühl: „Jetzt bin ich bereit fürs Leben“. Vielmehr erkenne ich, wie viel ich schon bekommen habe und wie viele kleine Wendungen mich hierhergebracht haben.
Die andere Seite des Glücks ist, dass manchmal erst später klar wird, warum ein Moment, den wir damals nicht als Glück empfanden, es tatsächlich war. Jeder erlebt Zeiten, in denen alles zusammenzubrechen scheint. Monate oder Jahre später sehen wir, dass genau dieses Tief nötig war, um einen neuen Weg einzuschlagen.
Ich sage nicht, dass es Glück ist, wenn uns Schlechtes widerfährt oder dass das erstrebenswert wäre. Doch diese Sichtweise hilft manchmal, die Richtung zu wechseln und den richtigen Weg zu finden.
Glückliche Menschen sind nicht glücklicher, weil sie keine Rückschläge erleben, sondern weil sie anders damit umgehen. Wenn unser Kopf voller Zweifel, Selbstkritik und Angst ist, bleibt für Chancen kein Platz. Schaffen wir Raum dafür, klopfen sie irgendwann an – nicht zufällig, sondern weil wir bereit sind.











