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Das mache ich morgens nicht mehr – und es hat meine mentale Gesundheit verändert

Nyul Debóra4 Min. Lesezeit
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Das mache ich morgens nicht mehr – und es hat meine mentale Gesundheit verändert — Gesundheit
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Es gibt etwas seltsam Schönes daran, morgens aufzuwachen und als Erstes nicht das grelle Licht eines Displays zu sehen. Keine Benachrichtigungen, keine Eilmeldungen, kein Summen. Stattdessen: die eigenen Gedanken, das Licht, das durch die Jalousien fällt, und die Stille.

Lange Zeit war es für mich völlig selbstverständlich, nach dem Aufwachen automatisch zum Handy zu greifen. E-Mails checken, Nachrichten überfliegen, Nachrichten beantworten – als wäre es meine Pflicht, sofort auf dem neuesten Stand zu sein.

Als Journalistin, die sich regelmäßig mit gesundem Lebensstil beschäftigt, bin ich immer wieder auf Studien und Expertenmeinungen gestoßen, die eines deutlich machen: Digitaler Lärm schadet uns – besonders morgens und abends, wenn das Nervensystem noch empfindlicher auf äußere Reize reagiert. Irgendwann wurde ich neugierig: Was würde passieren, wenn ich meinen Tag einfach mal ohne Handy beginne?

Eine kleine Veränderung mit großer Wirkung

In den vergangenen Wochen habe ich es mehrfach ausprobiert: mindestens eine Stunde nach dem Aufwachen kein Handy anzufassen. Nicht wegen eines strengen digitalen Detox-Programms und auch nicht, um produktiver zu werden. Ich wollte einfach ruhiger in den Tag starten.

Und tatsächlich: Meine Morgen wurden langsamer – und bewusster. Nach dem Aufwachen streckte ich mich, trank ein großes Glas Wasser, lief ein paar Minuten durch die Wohnung, zog die Jalousien hoch. Da ich morgens nicht sofort Hunger habe, erledigte ich kleine Haushaltsaufgaben: die Spülmaschine ausräumen, die Waschmaschine anstellen, trockene Wäsche abnehmen.

Jetzt, wo es wärmer wird, gieße ich auch morgens meine Pflanzen – nicht nur abends. Das klingt nach Alltäglichkeiten. Aber genau diese kleinen Rituale haben mir geholfen, ausgeglichener in den Tag zu starten.

Nicht das Handy bestimmte meinen Morgen – ich selbst

Früher hatte ich oft das Gefühl, dass mich der Takt der Welt schon in den ersten Minuten mitreißt. Eine beunruhigende Schlagzeile, eine dringend wirkende E-Mail, eine ungelesene Nachricht – und schon war mein Kopf im Stressmodus. Ich war noch kaum wach, aber mein Gehirn lief bereits auf Hochtouren.

Das hat sich verändert. Nach den kleinen Morgenritualen bereitete ich mir in Ruhe mein Frühstück zu, setzte mich hin, kochte einen Kaffee – und erst dann öffnete ich E-Mails und Nachrichten. Wenn es sich einrichten ließ, zumindest.

Das Gefühl dabei war überraschend befreiend.

Die ersten Tage waren schwerer als gedacht

Ehrlich gesagt hatte ich anfangs ein mulmiges Gefühl. Was, wenn ich etwas Wichtiges verpasse? Es war seltsam, nicht sofort zu wissen, wer geschrieben hatte oder was in der Nacht passiert war – als würde man für einen Moment aus dem ständigen digitalen Strom heraustreten.

Doch mit der Zeit wurde dieses Gefühl leiser.

Ich merkte: Die meisten Dinge können tatsächlich eine Stunde warten. Und wenn wirklich etwas Dringendes passiert, klingelt das Handy sowieso. Das ist ein paarmal auch so eingetreten – was mich zusätzlich beruhigt hat. Wirklich Wichtiges findet einen.

Am Wochenende spürte ich den Unterschied am stärksten

An Wochenenden, wenn ich mehr Zeit habe, zeigen sich die Vorteile des handyfreien Morgens besonders deutlich. Ich denke klarer und kreativer. Ich überlege spontan, wohin ich einen Ausflug machen könnte, wo ich gerne einen Kaffee trinken würde, ob ein langer Spaziergang lockt.

Das Handy ist dann kein Reflex mehr, sondern ein Werkzeug. Wenn mein Morgen schon in Fahrt ist, hole ich es heraus – um eine Route zu planen, Details nachzuschauen oder mich inspirieren zu lassen.

Das fühlt sich grundlegend anders an.

Meine mentale Gesundheit hat davon profitiert

Ich behaupte nicht, dass ich dadurch von einem Tag auf den anderen stressfrei geworden bin. Aber ich fühle mich morgens deutlich ausgeglichener. Mein Tag beginnt seltener mit Hektik, meine Gedanken sind ruhiger – und ich habe das Gefühl, dass meine eigenen Empfindungen mehr Raum bekommen, bevor die Außenwelt auf mich einströmt.

Auch diesen ständigen leisen „Informationsdruck", der früher fast unsichtbar meinen Alltag begleitete, spüre ich weniger. Vielleicht einfach deshalb, weil ich nicht mehr damit beginne, mir morgens sofort alles auf einmal zuzumuten.

Keine Regel – sondern eine Einladung

Natürlich weiß ich, dass es Lebenssituationen gibt, in denen es notwendig oder beruhigend ist, sofort aufs Handy zu schauen. Für viele Menschen ist das wegen Arbeit, Familie oder anderen Gründen schlicht nicht anders möglich. Auch ich schaffe es nicht jeden Tag.

Aber wenn ich die Wahl habe und früh genug aufstehe, gönne ich mir diese eine Stunde. Denn ich habe gelernt, wie sehr der Morgen die Qualität des ganzen Tages bestimmt – mehr, als ich je gedacht hätte.

Der nächste Schritt wird wohl sein, auch vor dem Einschlafen mehr Zeit ohne Bildschirm zu verbringen – etwas, das ich mir schon länger vornehme. Wenn die Morgen schon so viel verändert haben: Was würde es bedeuten, auch den Abend mit weniger Lärm, weniger Reizen und weniger Informationen zu beenden? Ich bin gespannt, es herauszufinden.

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