Coverbild: TUDUM von Netflix
Seit der ersten Staffel verfolge ich Bridgerton. Ich weiß genau, wann ich es zum ersten Mal auf Netflix angeklickt habe und schon nach der ersten Folge war klar: Ich werde es lieben. Warum auch nicht? Schöne Kleider, verführerische Blicke, heimliche Berührungen, sorgfältig inszenierte Szenen. Seitdem habe ich jede Staffel gesehen, auch die neue, und ja, manche fand ich besser, andere weniger, aber insgesamt genieße ich die Serie immer noch sehr.
Was ich nicht verstehe, ist der immer wieder aufflammende Kulturkampf um die Serie
Die eine Seite nennt Bridgerton einen „woken“ Quatsch. Die andere findet sie nicht progressiv genug. Die einen ärgern sich über farbige Aristokraten, die anderen vermissen radikalere gesellschaftliche Statements. Sehen wir nicht denselben Film?
Für mich ist Bridgerton eine leichte, visuell beeindruckende, bewusst überdrehte Fantasie.
Ein Kostümdrama voller Glanz und Erotik, dessen Hauptziel nicht historische Genauigkeit oder gesellschaftliche Revolution ist, sondern einfach sexy zu sein.
Es soll einfach Spaß machen, am Dienstagabend mit einem Glas Wein und einer Gesichtsmaske vor dem Bildschirm zu sitzen und zwei Folgen lang nicht an die Realität zu denken.
Es ist befreiend, dass die Serie sich nicht für das, was sie ist, entschuldigt. Sie will nicht mehr sein, als sie ist. Kein Dokumentarfilm über das England des 19. Jahrhunderts. Kein philosophischer Essay über die Institution Ehe. Sie will einfach prickeln, Spannung erzeugen, dich mitfiebern lassen und darauf warten, dass sich endlich zwei Hände berühren.
Ja, es gibt queere Figuren. Und?
Nicht als revolutionäre Geste oder Flagge, sondern weil queere Menschen einfach Teil der Welt sind. Das ist heute keine radikale Aussage mehr, sondern Fakt. Die Serie spielt in einer erfundenen Welt: einer alternativen historischen Kulisse, in der gesellschaftliche Hierarchien, Rassismus und Macht anders funktionieren als in Lehrbüchern. Es ist eine Märchenwelt, die Romantik und Verlangen in den Mittelpunkt stellt.
Deshalb finde ich es etwas sinnlos, wenn jemand die „Realitätsnähe“ oder ideologische Konsequenz einfordert.
Von Bridgerton gesellschaftstheoretische Tiefe zu erwarten ist ungefähr so, als würde man von einem Pornofilm verlangen, warum der Klempner am Ende den tropfenden Wasserhahn nicht repariert. Dafür ist man nicht da.
Die Serie setzt bewusst auf Körperlichkeit, langsam aufgebaute Erotik und unausgesprochene Spannung. Kostüme, Kulissen und Musik dienen genau diesem Zweck. Die Handlung ist oft diesem Fokus untergeordnet. Und das ist völlig okay, solange wir alle wissen, warum wir hier sind und uns keine Ausreden suchen, warum wir die Serie schauen.
Weil Bridgerton meiner Meinung nach nicht mehr sein will, als es ist. Dass manche das akzeptieren und offen dazu stehen, eine Serie wegen ihrer erotischen Fantasiewelt zu schauen, ist völlig in Ordnung. Und wer sich erklären muss, was er eigentlich erwartet hat – nun, das ist sein Problem. Wer Gesellschaftskritik sucht, sucht am falschen Ort und die Serie dafür zu kritisieren, ist ziemlich unpassend. Wer wirklich das braucht, sollte lieber etwas anderes schauen – zum Glück gibt es Millionen von Filmen, Dokus und Büchern mit echtem Tiefgang.
Aber wenn auch er oder sie nur Softporno will, dann setz dich einfach still zu uns und schau zu, wie Benedict sich in die bezaubernde Sophie verliebt. Daran ist nichts Schlechtes.











