Rom, Venedig, der Comer See – wenn es um Italien geht, fallen immer dieselben Namen. Dabei verbirgt sich im Nordwesten des Landes ein Ort, der all das bietet, was man sich von einem romantischen Italienurlaub erhofft: stilles Wasser, mittelalterliche Gassen, eine sagenumwobene Insel – und kaum Touristen. Die Rede ist vom Ortasee, einem der bestgehüteten Geheimnisse Italiens.
Wo liegt der Ortasee – und warum kennt ihn kaum jemand?
Der Ortasee liegt im Piemont, südlich der Alpen und nicht weit von der Schweizer Grenze entfernt. Er ist kleiner als seine berühmten Nachbarn – und genau das macht ihn so besonders. Während der Gardasee und der Comer See im Sommer von Menschenmassen überflutet werden, ist es hier noch möglich, einfach durchzuatmen.
Die Region ist seit der Antike besiedelt. Im Mittelalter entstand hier eine der faszinierendsten Legenden Norditaliens: die Geschichte der Isola San Giulio, der kleinen Insel mitten im See.
Der Ortasee hat über Jahrhunderte hinweg seine Stille bewahrt – ein Naturparadies, das von den Einheimischen tief verehrt wird und bis heute seinen ursprünglichen Charme behalten hat.
Auf dieser Insel erhebt sich die Basilika San Giulio, die bereits im 4. Jahrhundert gegründet wurde. Der Legende nach soll der heilige Giulio die Insel von Drachen und Schlangen befreit und hier das erste christliche Gotteshaus der Region errichtet haben. Das Hauptgebäude wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut – seine historische und spirituelle Bedeutung hat es dabei nie verloren.
Die Schönheit der Ortsschaft Orta San Giulio
Am Ufer des Sees liegt das gleichnamige Städtchen Orta San Giulio – ein Ort wie aus einem Märchenbuch. Kopfsteinpflastergassen, pastellfarbene Häuser, kleine Cafés mit Seeblick: Hier verlangsamt sich das Leben spürbar.
Wer mehr als nur Sehenswürdigkeiten sucht, sollte unbedingt den Sacro Monte di Orta besuchen – ein UNESCO-Weltkulturerbe mit 20 Kapellen, die sich malerisch über den Hügel oberhalb des Sees verteilen. Die Anlage gehört zu den eindrucksvollsten Beispielen christlicher Ikonographie in ganz Italien.
Kunst, Kulinarik und lokales Leben
Der Ortasee ist nicht nur ein Ort für Naturliebhaber. Entlang der Uferpromenade reihen sich kleine Kunstgalerien, familiengeführte Läden und Kunsthandwerker aneinander, die lokale Produkte und handgemachte Souvenirs anbieten.
Wer kulinarisch neugierig ist, wird in den Restaurants der Region belohnt: frische Zutaten, traditionelle piemontesische Rezepte und eine Atmosphäre, die das Essen zum Erlebnis macht. Der Piemont gilt nicht ohne Grund als eine der besten Gastronomieregionen Italiens.
Aktiv am Ortasee: mehr als nur Entspannung
Wer nicht nur entspannen, sondern auch aktiv sein möchte, findet hier reichlich Möglichkeiten. Die umliegenden Hügel und Berge laden zum Wandern und Radfahren ein, während der See selbst zum Kajakfahren, Rudern und Schwimmen verführt.
In den Herbst- und Wintermonaten locken die nahen Alpen mit Skimöglichkeiten – was den Ortasee zu einem Reiseziel macht, das das ganze Jahr über lohnenswert ist.
Wann ist die beste Reisezeit – und wie kommt man hin?
Die schönste Zeit für einen Besuch am Ortasee ist von spätem Frühling bis zum frühen Herbst. Das Wetter ist angenehm, die Landschaft zeigt sich von ihrer schönsten Seite, und das Angebot an lokalen Festen und Veranstaltungen ist besonders vielfältig.
Am einfachsten erreicht man den Ortasee über Mailand, von wo aus die Region bequem mit Zug und Bus erreichbar ist. Es empfiehlt sich, vor der Reise aktuelle Verbindungen und eventuelle Änderungen zu prüfen.
Wer Italien abseits der ausgetretenen Pfade erleben möchte, wird am Ortasee genau das finden, was viele an überlaufenen Touristenzielen vermissen: Stille, Schönheit und das Gefühl, etwas Besonderes entdeckt zu haben.











