Glücklicherweise ist die Gesellschaft heute viel offener gegenüber weiblicher Freiheit. Frauen arbeiten, reisen, treiben Sport, gründen Unternehmen und treffen eigenständige Entscheidungen. Trotzdem scheint bei Müttern ein alter Reflex wieder anzuspringen: „Feiern gegangen? Und die Kinder?“
Die gängige Meinung ist oft noch, dass eine Frau nur vor der Familiengründung Raum für Spaß hat. Ab dann wird erwartet, dass sie ihre ganze Aufmerksamkeit, Zeit und Energie den Kindern und dem Haushalt widmet.
Mutterschaft wird von vielen immer noch als Rolle verstanden, die alles überlagert und in der die Frau sich fast ganz zurücknimmt.
Wer das nicht so lebt – wer manchmal rausgehen, lachen, tanzen und erst spät nach Hause kommen möchte – wird oft infrage gestellt. Denn wenn jemand auch nur einen Abend nicht für die Kinder lebt, liebt er seine Familie sicher nicht. Und wer das nicht tut, warum sollte er dann überhaupt Kinder haben?
Während im Internet oft klare Vorwürfe fallen, begegnen Mütter in ihrem direkten Umfeld diesen meist eher unterschwellig: in Andeutungen, hochgezogenen Augenbrauen oder der Frage: „Und wer hat auf die Kinder aufgepasst, während du weg warst?“

Ehrlich gesagt, es ist Zeit, das zu ändern
Natürlich ist es nicht normal, wenn eine Mutter jeden Abend bis zum Umfallen trinkt – aber das wäre auch bei Vätern oder kinderlosen Erwachsenen keine gesunde Sache. Eltern zu sein bedeutet nicht, dass wir aufhören, Menschen zu sein. Mutterschaft (und Vaterschaft) bringt viele Opfer mit sich: weniger Schlaf, mehr Verantwortung, weniger Zeit für sich selbst und öfter mal Nein sagen. Aber ich glaube nicht, dass eine Mutter deshalb komplett auf all das verzichten muss, was ihr (neben dem Kind) Freude bereitet – sei es ein Konzert, ein Tanzabend, ein Abendessen mit Freundinnen oder ein Festival am Wochenende. Eine Mutter wird nicht automatisch „gut“, nur weil sie jede freie Minute um ihr Kind herum plant.
Im Gegenteil: Ich bin überzeugt, dass eine Mutter, die sich in der Rolle nicht ganz verliert, die auftanken und abschalten kann, die sich ab und zu bei einem Glas Wein, einem Spieleabend oder einer Party bis in die frühen Morgenstunden vergnügt, letztlich sogar eine bessere Mutter sein kann.
Weil sie ausgeglichener und aufgeladener zur Familie zurückkehrt. Ich weiß zum Beispiel ganz sicher, dass ich eine viel unterhaltsamere Mama bin und mit viel mehr Begeisterung mit Kuscheltieren spiele, wenn ich in der Woche auch mal in einer anderen Rolle sein konnte.
Deshalb ist es höchste Zeit, das idealisierte Bild der „guten Mutter“ loszulassen – die selbstaufopfernd und immer präsent ist – und stattdessen ein menschliches, realistisches Mutterbild zu fördern.
Ein Bild, das nicht von vornherein zum Scheitern verurteilt ist und nicht nur Druck macht, sondern eines, das wirklich davon handelt, unser Leben zu genießen: das Leben, in dem Mutterschaft ein sehr wichtiger, vielleicht sogar der wichtigste Teil ist – aber eben nicht das Ganze. Denn wenn die Mutter glücklich ist, sind es auch die Kinder. Und wenn Mutterschaft Opfer bedeutet, aber nicht Selbstaufgabe, dann kann sie wirklich die erfüllende Lebensaufgabe sein, auf die wir so lange gewartet haben.











