Bei uns steht seit Juni eine Kiste im Flur, in der alles landet, was niemand mehr braucht: das Trikot in Größe 122, die Salatschleuder mit dem gesprungenen Deckel, drei Puzzles mit vermutlich vollständigen Teilen. Irgendwann ist die Kiste voll, und dann gibt es zwei Wege. Der eine heißt Container. Der andere heißt: ein Samstagmorgen mit Klapptisch, Thermoskanne und fremden Menschen, die sich über deine alten Dinge freuen. Der zweite Weg macht mehr Arbeit und mehr Freude – vorausgesetzt, du planst ihn nicht am Vorabend.
Erst entscheiden: eigener Stand oder eigener Markt
Die Frage klingt nach Formalität, verändert aber alles. Ein Stand auf einem bestehenden Markt bedeutet: anmelden, Platz zugewiesen bekommen, verkaufen, heimfahren. Ein eigener Markt – im Innenhof, im Garten der Kita, auf der Wiese hinter dem Vereinsheim – bedeutet Organisation von Fläche, Menschen und Verantwortung. Für den Anfang: mach den Stand. Wer einmal an der eigenen Decke gesessen hat, weiß hinterher viel besser, was Verkäuferinnen brauchen.
Bei privaten Trödelmärkten für Kindersachen ist die Anmeldung oft schnell erledigt, manchmal per Formular, manchmal per Nachricht an die Organisatorin. Frag immer drei Dinge ab: Wann darf man aufbauen, wie groß ist der Platz, und wird ein Tisch gestellt oder bringst du alles selbst mit? Diese drei Antworten bestimmen deinen ganzen Morgen.
Die Woche davor: sortieren in drei Kisten
Nicht alles, was weg soll, gehört auf einen Flohmarkt. Ich sortiere in drei Kisten. Kiste eins: verkaufen – sauber, vollständig, funktioniert, sieht ordentlich aus. Kiste zwei: verschenken – nett, aber nicht verkäuflich, geht ins Regal für Umsonstsachen oder an die Nachbarin. Kiste drei: entsorgen oder spenden, ohne Umweg über den Stand. Fleckige Textilien, Spiele mit fehlenden Teilen und Elektrogeräte ohne Kabel verstopfen nur den Tisch und drücken die Stimmung.
Kinder dürfen mitsortieren, aber mit klaren Regeln: Wer ein Teil selbst auf den Tisch legt, bekommt das Geld dafür – und darf es sich nicht mitten am Verkaufstag zurückholen. Diese Absprache vorher zu treffen, erspart die halbe Tragödie um halb zehn.
Preise: einmal entschieden, gut sichtbar
Der größte Zeitfresser am Stand ist nicht das Verkaufen, sondern das Verhandeln über Dinge ohne Preis. Arbeite deshalb mit Zonen statt Einzelpreisen: eine Kiste für Kleinteile zum Einheitspreis, ein Tisch für Kleidung im gleichen Preisrahmen, dazu einzeln beschriftete Stücke, bei denen dir der Wert wichtig ist. Schreib die Zonenpreise auf große Pappschilder – Menschen fragen nicht gern und gehen im Zweifel weiter.
Und stell dir vorher eine Untergrenze: Was ist dein Minimum bei den Sachen, an denen dein Herz hängt, und wo bist du bereit, am Nachmittag alles im Paket abzugeben? Wer das vorher weiß, verhandelt gelassener und nimmt weniger mit nach Hause.
Der Morgen selbst: Ausrüstung, die den Unterschied macht
Meine unverzichtbare Liste: Klapptisch oder Tapeziertisch, eine alte Decke für den Boden, ein Wäscheständer oder eine Leine für Kleidung auf Bügeln, viel Kleingeld in einer Bauchtasche direkt am Körper, Stift und Pappe für Nachschilder, Tüten für Käufer, Feuchttücher, Sonnenschutz und Wasser. Dazu ein Klappstuhl, denn stehen zwischen sieben und drei ist länger, als man denkt.
Kleidung wirkt hängend oder gefaltet in Größensortierung dreimal so gut wie im Berg. Bücher stehen besser mit dem Rücken nach oben. Kinderspielzeug verkauft sich, wenn es niedrig steht, weil die eigentlichen Kunden knapp einen Meter groß sind. Und wenn möglich: geht zu zwei Personen hin. Eine bleibt am Tisch, eine holt Kaffee, geht selbst gucken, begleitet Kinder zur Toilette.
Wenn du selbst einen Markt auf die Beine stellst
Bei einem eigenen Markt brauchst du zuerst eine Fläche und eine Erlaubnis von der Person oder Einrichtung, die darüber verfügt – Hausverwaltung, Kita-Leitung, Verein. Kläre die Frage nach Genehmigungen und Regeln für eine öffentliche Veranstaltung frühzeitig beim zuständigen Amt, denn das unterscheidet sich je nach Kommune und Größe. Danach kommt das Handwerkliche: Anmeldeliste mit Namen und Kontakt, Standplan mit Nummern, klare Zeiten für Aufbau und Abbau, ein Ansprechpartner mit Handy, Müllsäcke, Toilettenzugang, ein Plan für Regen. Bewirb den Markt zwei Wochen vorher in Gruppen, an Laternen, im Elternchat – und schreib ausdrücklich hin, was verkauft wird, damit die richtigen Leute kommen.
Wie viel Wechselgeld brauche ich?
Deutlich mehr, als es sich anfühlt: viel Münzgeld und kleine Scheine, denn die ersten Kunden zahlen erfahrungsgemäß fast alle mit großen Scheinen. Hol das Wechselgeld ein paar Tage vorher, sortiere es nach Sorten in eine Bauchtasche und lege eine Reserve getrennt beiseite, damit du nicht mitten am Tag mit leerem Portemonnaie stehst.
Was mache ich mit dem, was übrig bleibt?
Entscheide das vor dem Aufbau, nicht danach, denn müde trägt man am Abend alles wieder in die Wohnung. Bewährt hat sich: die letzte Stunde als Ausverkaufsstunde mit Sammelpreis, danach eine Kiste „zum Mitnehmen" neben den Tisch – und der Rest fährt direkt zur Kleidersammlung, zum Sozialkaufhaus oder in den Verschenk-Chat der Nachbarschaft, bevor das Auto nach Hause fährt.











