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„Ich breche auf, wenn ich eigentlich schon da sein sollte." Warum du immer zu spät kommst

Szőke Angéla5 Min. Lesezeit
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„Ich breche auf, wenn ich eigentlich schon da sein sollte." Warum du immer zu spät kommst — Lebensstil
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Jeder kennt das: Man wartet, schaut aufs Handy, schreibt eine Nachricht – und die Antwort kommt: „Bin gleich da!" Aber gleich da bedeutet manchmal noch 20 Minuten. Chronisches Zuspätkommen ist für viele Menschen kein schlechter Wille, sondern ein echtes Problem mit echten Ursachen. Hier sind die ehrlichsten Erklärungen, warum manche von uns einfach nie pünktlich erscheinen.

ADHS – wenn das Gehirn ablenkt

Meine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung sorgt dafür, dass pünktliches Erscheinen für mich schlicht unmöglich ist. Ich fange an, mich fertig zu machen – und entdecke dabei die Schmutzwäsche auf dem Stuhl. Also räume ich sie weg, starte die Waschmaschine, nehme mir vor, jetzt wirklich zu gehen – und schaue in den Spiegel. Die Haare sitzen nicht. Ich kämme mich, bemerke dabei, dass die Augenbrauen gezupft werden müssen, greife zur Pinzette, sehe dabei, dass das Regal staubig ist, wische es ab, und dann gleich das ganze Bad… und so weiter, und so weiter.

Interessant: Eine Kollegin von mir hat ebenfalls ADHS – aber bei ihr läuft es genau andersherum. Sie kommt überall mindestens eine halbe Stunde zu früh. Vor einer Dienstreise, bei der wir uns frühmorgens treffen mussten, hat sie mir erzählt, dass sie in der Nacht davor gar nicht erst schlafen gegangen ist – aus Angst, zu verschlafen.

Keine Lust – und kein Antrieb

Manchmal komme ich zu spät, weil ich einfach keine Energie aufbringen kann, mich auf den Weg zu machen. Wenn ich nicht wirklich Lust habe, irgendwo hinzugehen, brauche ich buchstäblich meine gesamte Willenskraft, um überhaupt loszukommen. Das kostet Zeit – mehr, als man denkt.

Schlechte Zeitkalkulation

Ich unterschätze Zeit systematisch. Ich denke, ich bin in 15 Minuten da – dabei dauert der Weg eine halbe Stunde. Ich glaube, das Schminken geht in zehn Minuten – sitze aber vierzig Minuten vor dem Spiegel. Ich bin überzeugt, die Arbeit in einer Stunde zu erledigen – und schaue zwei Stunden später noch immer auf den Bildschirm.

Zeitblindheit – die Uhr vergessen

Ich vergesse ständig, wie spät es ist. Ich schaue aufs Handy, lege es weg – und eine Minute später habe ich keine Ahnung mehr, was die Uhr angezeigt hat. Die Zeit läuft einfach weiter, ohne dass ich es wirklich registriere.

Immer genau sieben Minuten

Mein Trainingspartner hat mich irgendwann darauf hingewiesen, dass ich immer exakt sieben Minuten zu spät komme – nie mehr, nie weniger. Mir selbst war das nie aufgefallen, ich dachte immer, ich wäre pünktlich. Er vermutete zunächst, meine Uhr gehe nach. Aber nein. Die Lösung war schließlich denkbar einfach: Er kommt seitdem ebenfalls sieben Minuten später – und wir treffen uns immer gleichzeitig.

Ich breche auf, wenn ich da sein sollte

Ich komme überall zu spät – manchmal nur zehn Minuten, manchmal eine ganze Stunde. Lange wusste ich nicht warum, bis mein Freund es herausfand: Ich verlasse das Haus genau in dem Moment, in dem ich eigentlich schon am Treffpunkt sein sollte. Verabreden wir uns um 20 Uhr vor dem Einkaufszentrum, breche ich um 20 Uhr auf. Ich verstehe selbst nicht, warum mein Gehirn so funktioniert – es ist ein Fehler im System. Mittlerweile ruft er mich rechtzeitig an und sagt mir, wann ich losgehen soll. Es funktioniert.

Eine Freundschaft, die daran zerbrach

Eine meiner besten Schulfreundinnen erklärte mir irgendwann, das sei der letzte Tropfen gewesen – sie wolle mich nicht mehr treffen. Meine ständige Verspätung hatte sie so sehr genervt, dass sie irgendwann einfach nicht mehr konnte. Wir trafen uns fast täglich an einer Bushaltestelle, die ich von meinem Fenster aus sehen konnte. Weil ich nicht alleine warten wollte, fing ich erst dann an, mich fertig zu machen, wenn ich sie dort stehen sah. Irgendwann hatte sie genug – und ich kann es ihr ehrlich gesagt nicht verdenken.

Schlafen – nur noch fünf Minuten

Ich bin morgens einfach müde und komme schwer aus dem Bett. Es braucht eine Weile, bis ich mich überwinden kann aufzustehen – das ist meine einzige Erklärung. Aber diese Minuten summieren sich.

Zeitblindheit als echtes Problem

Ich habe eine Art innere Zeitblindheit – ich spüre Zeit nicht so, wie andere Menschen es tun. Ich schaue auf die Uhr, sehe, dass ich noch 45 Minuten habe, fange etwas im Haushalt an – und wenn ich wieder hochschaue, ist anderthalb Stunden vergangen. Ich tue das nicht absichtlich, aber es hat mich schon einen Job gekostet und Freundschaften belastet. Es ist kein schlechter Charakter, es ist eine echte Schwierigkeit im Umgang mit Zeit.

Stress, der alles blockiert

Manchmal konzentriere ich mich so sehr darauf, pünktlich zu sein, dass ich mich in einen Stresszustand manövriere, in dem ich gar nicht mehr funktionieren kann. Ich werde hektisch und fahrig – oder das genaue Gegenteil tritt ein: eine bleierne Erschöpfung überwältigt mich, und ich muss mich erst kurz hinlegen, bevor ich überhaupt losgehen kann. Das kostet natürlich noch mehr Zeit.

Pünktlichkeit klingt simpel – aber für viele Menschen steckt dahinter ein echtes Muster aus Neurologie, Emotionen und Selbstwahrnehmung. Wer sich hier wiedererkennt, ist damit definitiv nicht allein.

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