Für viele klingen die Studienjahre nach Freiheit, Partys und dem Beginn eines neuen Lebensabschnitts. Doch für manche Frauen bedeutet dieselbe Zeit vor allem eines: ständige finanzielle Not. Miete, Semesterbeiträge, Lehrmaterialien, Lebensmittel – wer keine familiäre Unterstützung im Rücken hat, steht oft vor einer schlichten Frage: Wie soll das alles bezahlt werden?
Drei Frauen haben uns erzählt, wie sie irgendwann beschlossen haben, bezahlte Gesellschaftsdates anzunehmen – um ihr Studium zu finanzieren und sich über Wasser zu halten. Alle drei haben dabei unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Und alle drei blicken heute anders auf diese Zeit zurück.
„Ich hätte nie gedacht, dass ich je so weit kommen würde" – Lilla, 27 Jahre
Lilla zog für ihr Studium aus einer kleinen Stadt in die Großstadt. Im ersten Jahr versuchte sie noch, mit dem Geld ihrer Eltern und einem Stipendium auszukommen. Doch schon bald wurde klar: Es würde nicht reichen.
„Ich wollte keinen Luxus. Ich wollte einfach nur normal leben. Aber irgendwann stand ich vor der Wahl: Esse ich am Monatsende – oder bezahle ich die Nebenkosten?"
Eine Bekannte erzählte ihr von sogenannten „Gesellschaftsdates" – Abende, bei denen Begleitung, Aufmerksamkeit und gemeinsame Unternehmungen im Vordergrund stehen. Die Bezahlung war gut.
„Am Anfang war es sehr seltsam. Ich wusste nicht, wie ich damit umgehen sollte. Aber gleichzeitig war da die Realität: Damit konnte ich meine Miete zahlen und musste mein Studium nicht abbrechen."
Lilla betont, dass ihr persönliche Grenzen immer wichtig waren.
„Ich habe mich auf nichts eingelassen, wobei ich mich nicht sicher gefühlt habe. Aber selbst so war es emotional belastend. Es war nicht einfach, das sauber zu trennen – das hier ist Arbeit, das da ist mein echtes Leben."
Heute arbeitet sie in einem völlig anderen Bereich und sagt, sie hat diese Zeit hinter sich gelassen.
„Das war der Preis meiner Unabhängigkeit" – Dóra, 25 Jahre
Bei Dóra war es nicht nur finanzieller Druck, der sie zu dieser Entscheidung geführt hat – es war auch der Wunsch nach Eigenständigkeit.
„Ich wollte nicht jeden Monat meine Eltern um Geld bitten. Also habe ich entschieden, meinen eigenen Weg zu finden."
Auch sie stieß auf Angebote, bei denen gut bezahlte gesellschaftliche Präsenz gefragt war: Abendessen, Veranstaltungen, Reisebegleitung.
„Es gab keine festen Arbeitszeiten, und das war damals verlockend. Aber ich habe sehr schnell gemerkt, dass diese Situation emotional viel komplizierter ist, als ich es mir mit zwanzig Jahren vorgestellt hatte."
Das Schwerste, sagt Dóra, war das ständige Funktionieren in einer Rolle.
„Ich musste präsent sein, aufmerksam, kommunikativ – und gleichzeitig meine eigenen Gefühle vollständig außen vor lassen. Das hat mich auf Dauer zermürbt."
Nach etwa einem Jahr hörte sie auf, als sie stabilere Nebenjobs fand.
„Ich habe es für meine Freiheit getan. Aber am Ende stand genau das auf dem Spiel – wer ich wirklich bin."
„Ich schäme mich nicht – aber einfach war es nicht" – Kata, 29 Jahre
Kata begann ihr Studium etwas später und finanzierte sich von Anfang an vollständig selbst. Kein familiäres Netz, kein Puffer.
„Für mich war das kein Abenteuer, sondern Überleben. Ich hatte niemanden hinter mir – und ich brauchte schnell Geld."
Auch sie nahm Gesellschaftsdates an, empfand das aber eher als flexible Einkommensquelle denn als emotionale Herausforderung – zumindest im Vergleich zu den anderen.
„Ich idealisiere das nicht. Es gab unangenehme Situationen, und es war manchmal seelisch sehr anstrengend. Aber ich habe mein Studium abgeschlossen – und das hat mir einen Abschluss in jeder Hinsicht gegeben."
Für Kata war das Entscheidende die Kontrolle über die eigenen Entscheidungen.
„Ich habe immer selbst bestimmt, was ich annehme und was nicht. Das hat mich innerlich im Gleichgewicht gehalten."
Heute arbeitet sie im HR-Bereich. Sie möchte nicht, dass diese Phase ihr Bild nach außen bestimmt.
„Das war ein Kapitel meines Lebens – nicht meine ganze Geschichte. Ich schäme mich nicht. Aber ich hoffe, dass ich so etwas nie wieder tun muss."
Was diese Geschichten gemeinsam haben
Drei Frauen, drei unterschiedliche Ausgangssituationen – und doch verbindet sie eine gemeinsame Erfahrung: Wenn das System keine ausreichende Unterstützung bietet, suchen Menschen kreative – und manchmal belastende – Wege, um sich durchzuschlagen.
Keine der drei bereut, ihr Studium abgeschlossen zu haben. Aber alle drei wissen: Die Studienjahre sind nicht für alle die schönste Zeit des Lebens. Manchmal sind sie schlicht die härteste.











