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„Plötzlich wollten alle Geld leihen“ – die dunkle Seite des finanziellen Erfolgs

Schuster Borka4 Min. Lesezeit
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„Plötzlich wollten alle Geld leihen“ – die dunkle Seite des finanziellen Erfolgs — Lebensstil
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Viele von uns träumen davon, am Monatsende nicht mehr jeden Cent umdrehen zu müssen – sich endlich eine Reise zu gönnen oder bei einer unerwarteten Rechnung nicht sofort Bauchschmerzen zu bekommen. Worüber kaum jemand spricht: Wenn sich die finanzielle Situation verändert, wirkt sich das nicht nur auf das Konto aus, sondern auch auf unsere Beziehungen.

Mehrere unserer Leserinnen und Leser haben erlebt, dass sich mit einer stabileren Finanzlage auch ihre Freundschaften veränderten – und zwar nicht immer zum Guten.

„Als würde ich plötzlich nicht mehr dazugehören“

„Seit meiner Kindheit bewege ich mich im selben Freundeskreis“, erzählt die 34-jährige Dóri. „Wir sind alle unter ähnlichen Bedingungen aufgewachsen und haben auch in unseren Zwanzigern ähnlich gelebt. Mietwohnung, Sparen am Monatsende, günstige Festivaltickets und jede Menge gemeinsame Unternehmungen.“

Vor einigen Jahren jedoch gründete Dóri ein eigenes Unternehmen, das unerwartet erfolgreich wurde. „Ich bin keine Millionärin geworden, aber zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, nicht jede Ausgabe dreimal überdenken zu müssen. Ich habe eine Reise ins Ausland gemacht, mein fünfzehn Jahre altes Auto ersetzt und eine eigene Wohnung gekauft.“

Doch die Veränderung betraf nicht nur ihre Lebensumstände. „Meine Freunde fingen an, sich seltsam zu verhalten. Kam eine Reise zur Sprache, hieß es, für mich sei das ja leicht. Lud ich sie irgendwohin ein, sagten sie, ich wolle bestimmt nur angeben. Irgendwann fühlte ich mich unwohl, sobald mir etwas Gutes passierte.“

Am meisten schmerzte Dóri, dass sie sich als Mensch gar nicht verändert hatte. „Ich bin dieselbe Person geblieben. Ich habe niemanden von oben herab behandelt, mich nie gebrüstet. Trotzdem hatte ich das Gefühl, plötzlich nicht mehr dazuzugehören.“

„Irgendwann wollten alle Geld leihen“

Der 41-jährige Tamás hat von einer ganz anderen Seite erlebt, wie Geld Beziehungen verändern kann. „Zehn Jahre lang habe ich gekämpft. Es gab Zeiten, da war schon die Nebenkostenrechnung ein Problem. Dann bekam ich ein Jobangebot im Ausland und habe mir in wenigen Jahren eine völlig stabile Existenz aufgebaut.“

Als er zurück nach Hause zog, freute er sich, dass endlich nicht mehr er um Hilfe bitten musste. „Die erste seltsame Situation kam, als ein alter Bekannter mich um einen Kredit bat. Ich half. Dann kam ein Zweiter. Dann ein Dritter.“

Mit der Zeit hatte Tamás das Gefühl, dass manche Menschen ihn nicht mehr als Freund sahen. „Als wäre ich ein wandelnder Geldautomat gewesen. Manche waren beleidigt, wenn ich Nein sagte. Andere meldeten sich monatelang nicht und tauchten dann plötzlich mit irgendeinem finanziellen Problem auf.“

Die größte Enttäuschung war jedoch eine andere. „Nämlich die Erkenntnis, dass manche Beziehungen viel oberflächlicher waren, als ich geglaubt hatte. Solange ich kein Geld hatte, habe ich das nicht gesehen.“

„Meine beste Freundin fühlte sich verraten“

Die 37-jährige Petra und ihre beste Freundin waren fast zwanzig Jahre lang unzertrennlich. „Wir sind gemeinsam durch das Studium gegangen, durch Trennungen, durch berufliche Schwierigkeiten. Ich dachte, nichts könnte je zwischen uns kommen.“

Vor einigen Jahren erhielt Petra eine Führungsposition in einem internationalen Unternehmen – verbunden mit einer deutlichen Gehaltserhöhung. „Ich habe nicht viel über Geld gesprochen. Ich habe einfach begonnen, bequemer zu leben. Ich bin mehr gereist, ging ab und zu in bessere Restaurants und konnte mir endlich Dinge leisten, von denen ich früher nur geträumt hatte.“

Ihre Freundin wurde jedoch immer distanzierter. „Zuerst waren es nur kleine Bemerkungen. Dann sagte sie mir mitten in einem Streit, ich hätte mich verändert und interessiere mich nicht mehr für die Menschen, mit denen ich einmal angefangen hatte.“

Für Petra tat das besonders weh, weil sie es nicht als wahr empfand. „Ich glaube, nicht das Geld hat uns verändert, sondern die Tatsache, dass wir in unterschiedliche Lebenssituationen geraten sind. Sie hat das als Verrat erlebt, ich als Verlust.“

Am Ende zerbrach ihre Freundschaft. „Sie fehlt mir bis heute. Aber ich habe auch gelernt, dass nicht jede Beziehung mit den Veränderungen unseres Lebens mitwachsen kann.“

Warum verändert Geld Freundschaften?

Wie die Erfahrungen der Leser zeigen, entsteht Spannung oft nicht durch das Verhalten der erfolgreichen Person, sondern durch die neue Ungleichheit in den Lebenssituationen. Manche empfinden das als Distanz oder sogar als Verrat.

Bedeutet mehr Geld automatisch weniger Freunde?

Nicht unbedingt. Oft macht eine veränderte Finanzlage nur sichtbar, welche Beziehungen tragfähig waren und welche eher oberflächlich. Manche Freundschaften bestehen weiter, andere zerbrechen.

Wie sollte man mit Freunden umgehen, die ständig Geld leihen wollen?

Aus Tamás’ Geschichte wird deutlich, dass ein klares Nein manchmal unvermeidlich ist – auch wenn es Menschen verärgert. Wer sich wie ein „wandelnder Geldautomat“ behandelt fühlt, sollte ehrlich hinterfragen, ob es sich um echte Freundschaften handelt.

Kann eine Freundschaft finanzielle Unterschiede überstehen?

Ja, aber nicht jede. Petras Erfahrung zeigt, dass manche Beziehungen mit unterschiedlichen Lebenswegen mitwachsen können und andere nicht – das liegt oft weniger am Geld als an der Bereitschaft beider Seiten, die Veränderung anzunehmen.

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