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Der neue Luxus heißt Unerreichbarkeit – warum Zeit heute der wahre Reichtum ist

Szabó Erzsébet6 Min. Lesezeit
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Der neue Luxus heißt Unerreichbarkeit – warum Zeit heute der wahre Reichtum ist — Lebensstil
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Erinnerst du dich noch an die Zeit, in der Erfolg etwas ganz Handfestes war? Eine glänzende Armbanduhr, ein Premium-Auto oder eine exklusive Kreditkarte – das signalisierte, dass es jemand wirklich weit gebracht hatte.

Natürlich messen viele Erfolg auch heute noch an solch lauten Statussymbolen. Aber wer genauer hinsieht, merkt: Die wirklich Wohlhabenden sind längst weiter. Sie tragen keine sofort erkennbaren Logo-Marken. Sie kommunizieren ihren Status viel feiner, fast unsichtbar – oder leben so unauffällig, dass man ihnen ihren Milliardenstatus überhaupt nicht ansieht.

In einer Welt, in der Dinge für fast jeden auf Kredit oder als Fälschung erreichbar sind, hat die echte Elite eine neue Ebene erreicht: Das teuerste, durch nichts zu ersetzende Statussymbol ist heute die Unerreichbarkeit und die volle Kontrolle über die eigene Zeit.

Wer es sich leisten kann, nicht ständig für andere verfügbar zu sein – das ist der neue Reichtum.

Die Illusion von Wichtigkeit – auf der Straße und auf dem Display

Ich erinnere mich noch lebhaft an den Moment, als ich zu Weihnachten mein erstes echtes Tastenhandy bekam. Ich war überglücklich und hatte das Gefühl, endlich zum Kreis der ernsthaften, erwachsenen, wichtigen Menschen zu gehören. In Wahrheit rief mich natürlich kein Mensch an – meine Freundinnen hatten damals kaum Handys, und wenn doch, kostete jede Minute ein Vermögen. Bis jene „erste drei Sekunden gratis"-Ära anbrach, in der wir uns mit blitzschnellen Mikro-Gesprächen unaufhörlich anklingelten.

So lag das Handy meistens nur für den Notfall in meiner Tasche – was mein pubertäres Ich furchtbar ärgerte. Bloß nicht, dass die Außenwelt denkt, ich sei entbehrlich! Also hob ich es auf der Straße immer wieder ans Ohr und tat theatralisch so, als würde ich gerade etwas extrem Dringendes regeln.

Damals hielt ich das für den Gipfel der Wichtigkeit. Doch seither hat sich die Welt gewaltig verändert – und nicht nur, was das Tempo der Digitalisierung angeht. Lange Zeit haben wir uns eingeredet, dass Zeit zu haben verdächtig sei: als bräuchte uns niemand, als würden wir etwas Entscheidendes verpassen.

„Leider habe ich keine Zeit" wurde zu einer elegant verpackten Angeberei, mit der wir der Welt zurufen: Schau nur, wie unersetzlich ich bin!

In diese Falle bin ich selbst mit voller Wucht getappt. Lange trug ich meine chronische Überlastung stolz vor mir her wie einen unsichtbaren, glänzenden Orden: um elf Uhr abends noch E-Mails durchscrollen, in jedem erdenklichen Meeting sitzen und auch die Wochenenden mit Aufgaben vollstopfen.

Es dauerte eine Weile (na gut, ein paar Jahre), bis ich begriff: Diese ständige Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit ist kein Zeichen von Effizienz, sondern von Ausgeliefertsein. Denn wenn jeder, jederzeit, mit einem einzigen Piepton in meinen Tag hineinplatzen kann, dann habe ich die Kontrolle über meine eigene Zeit freiwillig an andere abgegeben.

Wenn der Klingelton kein Geschenk mehr ist, sondern eine Last

Der technische Fortschritt hat eine Schattenseite mitgebracht, auf der nicht nur die Überlastung, sondern auch der Verlust unseres Sicherheitsgefühls schwer auf den Schultern lastet.

Das wahre Geschenk ist heute, wenn das Telefon endlich still bleibt und uns nicht permanent irgendeine Benachrichtigung an sich reißt.

Ganz zu schweigen davon, dass wir oft nicht einmal wissen, wer am anderen Ende der Leitung ist und mit welcher Absicht er anruft. Ich zum Beispiel lehne Anrufe ohne Rufnummernanzeige sofort ab, nachdem Telefonbetrüger eine Zeit lang einen regelrechten Feldzug gegen mich geführt haben. Es war völlig egal, ob ich sie höflich abwimmelte, den Anrufer bestimmt zum Teufel schickte oder am Ende die naive Ahnungslose spielte und mich absichtlich verplapperte – in der Hoffnung, sie merken, dass bei mir nichts zu holen ist, und streichen mich von ihrer Liste. Wochenlang belästigten sie mich mehrmals täglich. Ich war schon kurz davor, mir eine neue Nummer zu besorgen, als die Welle endlich abebbte. Die Erfahrung hat allerdings tiefe Spuren hinterlassen.

Selbst wenn eine Nummer angezeigt wird, die nicht in meinen Kontakten gespeichert ist, gehe ich heute nicht sofort ran. Zuerst google ich, zu wem sie gehören könnte, und entscheide erst dann, ob ich zurückrufe.

Diese Vorsicht und die bewusste Distanz haben mich schließlich dazu gebracht, ganz aus dem Wettlauf der ständigen Bereitschaft auszusteigen. Mir wurde klar: Luxus ist heute nicht mehr das, was ich im Laden kaufen kann, sondern die Fähigkeit, mir Stille, konzentrierte Aufmerksamkeit und innere Ruhe zu gönnen – in einer Welt, die meine Reaktion aggressiv einfordert.

Die Grenze zwischen Selbstschutz und Respektlosigkeit

Gleichzeitig sehe ich aber auch die andere Seite der Medaille und weiß, dass man mit dieser neu gewonnenen Freiheit leicht übers Ziel hinausschießt. Auch ich habe eine Bekannte, die auf herkömmlichem Weg praktisch nicht zu erreichen ist: Wenn ich anrufe, weist ihr Telefon den Anruf automatisch ab, und sie ruft dann zurück, wann immer es in ihren Zeitplan passt. Und natürlich habe ich auch eine Freundin, die ihr Handy fast aus Prinzip nie bei sich trägt.

Dazu hat selbstverständlich jeder das Recht. Trotzdem kann es unendlich frustrierend sein, wenn ich zur verabredeten Zeit am Treffpunkt stehe, sie nirgends zu sehen ist – und ich nicht einmal fragen kann, wo sie gerade steckt.

Starre Unerreichbarkeit ist nicht immer ein Zeichen von hohem Status – in vielen Fällen ist sie schlicht ein Zeichen von Respektlosigkeit.

Genau deshalb sollten wir mit dieser Waffe – und das meine ich natürlich auch in Bezug auf mich selbst – vorsichtig umgehen. Das Ziel ist nicht, sich mit einer Mauer zu umgeben und die Menschen zu ignorieren, die uns wichtig sind, sondern bewusst zu wählen, wann und was – oder eben wem – wir Vorrang geben.

Warum ist Zeit heute der neue Reichtum?

Weil materielle Dinge für fast jeden erreichbar geworden sind, während die Kontrolle über die eigene Zeit selten und wertvoll bleibt. Wer entscheiden kann, wann er verfügbar ist, besitzt heute den echten Luxus.

Ist ständige Erreichbarkeit ein Zeichen von Erfolg?

Eher das Gegenteil. Wer rund um die Uhr erreichbar ist, hat die Kontrolle über seinen Tag oft freiwillig an andere abgegeben. Das signalisiert weniger Effizienz als vielmehr Ausgeliefertsein.

Wo endet gesunder Selbstschutz und wo beginnt Respektlosigkeit?

Selbstschutz bedeutet, bewusst zu wählen, wem und wann man Vorrang gibt. Zur Respektlosigkeit wird es, wenn man dadurch die Menschen ignoriert, die einem wichtig sind, oder Verabredungen platzen lässt, ohne erreichbar zu sein.

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