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„Wann gehen Sie eigentlich in Mutterschutz?" – Frauen erzählen, was sie im Job wirklich erleben

Szőke Angéla6 Min. Lesezeit
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„Wann gehen Sie eigentlich in Mutterschutz?" – Frauen erzählen, was sie im Job wirklich erleben — Lebensstil
In diesem Artikel

Ärztin, Entwicklerin, Führungskraft – egal, wie qualifiziert eine Frau ist, im Berufsalltag begegnet ihr immer wieder derselbe Reflex: Sie wird übersehen, unterschätzt oder auf ihr Aussehen reduziert.

Die folgenden Geschichten stammen von Frauen, die genau das erlebt haben. Manche sind absurd, manche zum Weinen. Alle sind wahr – und wahrscheinlich kommt Ihnen mindestens eine erschreckend bekannt vor.

Augenkontakt

Ich stellte meinem Vorgesetzten den neuen Praktikanten vor, einen jungen Kerl. Das Gesicht meines Chefs (ein 62-jähriger Mann) hellte sich sichtlich auf – endlich durfte er statt mit mir mit einem Mann sprechen. Von da an richtete er jedes Wort nur noch an ihn, als wäre ich gar nicht da.

Ich räusperte mich und erklärte ihm: Wenn er will, dass die Arbeit erledigt wird, wird er wohl mit mir reden müssen.

Die Kellnerin

Ich arbeitete bei einer Tech-Firma. Als ich einen Meetingraum betrat, blickte einer der männlichen Kollegen kurz auf und teilte mir mit, er hätte dann gern einen Kaffee.

Ich setzte mich neben ihn und klärte ihn lächelnd darüber auf, dass ich diejenige bin, die gleich die Präsentation hält.

Ausgefragt

Fragen, die man mir ohne jedes Zögern in Vorstellungsgesprächen gestellt hat: Ist das da ein Ehering? Haben Sie einen Partner, wohnen Sie zusammen? Planen Sie noch Kinder? Ist Ihr Immunsystem stabil oder werden Sie oft krank?

Und mein absoluter Favorit: „Könnten Sie vielleicht ein paar Kilo abnehmen, damit Sie in der Uniform gut aussehen?"

Zeit

Mein Vorgesetzter sagte, ich würde nur halb so viele Beschwerden bearbeiten wie mein Kollege David. Ich erklärte ihm, das läge daran, dass er mir nicht erlaubt, E-Mails unter einem männlichen Pseudonym zu beantworten. Er glaubte mir zunächst nicht, gab mir am Ende aber grünes Licht.

Nachdem ich Davids Signatur verwendet hatte, bearbeitete ich im Folgemonat anderthalbmal so viele Beschwerden wie er. Mein Chef wunderte sich, woran das läge, und ich sagte ihm die Wahrheit: Frauen werden von Kunden nicht respektiert und nicht für kompetent gehalten.

Unter meinem echten, weiblichen Namen brauche ich doppelt so lange, um ein Problem zu lösen – weil man ständig an mir zweifelt. Als „Mann" begegnet mir dieses Misstrauen nie.

Wer wissen möchte, worauf es beim Start ins Berufsleben wirklich ankommt, findet hier ein paar entscheidende Fragen, die man sich stellen sollte.

Streit

Ich bin Entwicklerin, und die Männer diskutieren so lange mit mir über die Funktionsweise meines eigenen Systems, dass ich regelmäßig ihren Chef einschalten muss – Gregor, einen wirklich netten Vorgesetzten –, damit er ein Machtwort spricht.

Dann ruft Gregor die betreffende Person an: „Machen Sie einfach das, was die Entwicklerin sagt, und diskutieren Sie nicht." Und siehe da: plötzlich funktioniert alles.

Werkzeug

Ich sage etwas in einem Meeting – alle ignorieren es. Ein Mann wiederholt exakt denselben Satz, und wow, alle sind begeistert von der Idee. Und das passiert ständig.

Einmal fragte ich einen lieben (schwulen) Kollegen, warum es erst verstanden wird, wenn ein Mann es sagt. Seine Antwort: „Weil man ihm zuhört…"

Die Kollegen von der Baustelle

Wenn ich den Arbeitern persönlich etwas mitteilen möchte, schnappe ich mir einen ahnungslosen männlichen Kollegen – Hauptsache ein Mann –, kaue ihm vor, was er sagen soll, und wir treten gemeinsam vor die Truppe.

Ich habe mich damit abgefunden, dass man mir einfach nicht gehorcht.

Das 100-Watt-Lächeln

Ich bin freundlich, aber professionell. In meinen Leistungsbeurteilungen steht regelmäßig, ich „könnte direkter sein und mehr lächeln".

Von meinen ungehobelten, grantigen männlichen Kollegen verlangt interessanterweise niemand dasselbe.

„Ach, wie süß"

„Sagen Sie doch bitte dem Herrn Doktor Bescheid, meine Liebe!" – sagen die älteren Patienten zu mir, obwohl ich ihnen schon fünfmal erklärt habe, dass ich die Oberärztin der Station bin und mein männlicher Kollege der Medizinstudent.

Wow

Ich war die Assistentin eines „altmodischen", sprich sexistischen Dinosauriers, der mir ohne mit der Wimper zu zucken mitteilte, ich solle nur die hübschen und vollbusigen Bewerberinnen zu den persönlichen Gesprächen für die Rezeptionsstelle einladen – denn „attraktive Frauen sind gut fürs Geschäft."

Der Kuchen

Mein Chef weiß, dass ich gut backen kann, also bat er mich, fünf verschiedene Kuchen für den Geburtstag eines Vorgesetzten zu backen. „Schreiben Sie einfach auf, was es gekostet hat, wir legen dann zusammen."

Ich steckte mein Herzblut in diese Kuchen, verwendete die besten Zutaten, und jedes einzelne Stück wurde ein Traum. Doch obwohl ich die Belege brachte, wollte das Geld irgendwie nie auftauchen.

Meine Küche, den Einkauf und die viele Arbeit habe ich gratis gegeben, aber die Zutaten für mehrere Hundert Euro wollte ich nicht auch noch aus eigener Tasche zahlen. In einem Meeting brachte ich das schüchtern zur Sprache. Man legte auf der Stelle zusammen und schob mir zynisch den zerknüllten Geldhaufen hin: „Bitte sehr, Anni, nicht dass Ihnen das Küchengeld fehlt!" – dabei grinste man herablassend.

Ich nahm das Geld nicht. Es zusammenzukratzen wäre noch demütigender gewesen. Stattdessen ging ich auf die Toilette, um zu weinen.

Wie bitte?

Genau als ich anfing, gab es eine Kündigungswelle. Niemand konnte mich einarbeiten, und ich musste doppelt so viel arbeiten wie in einer normalen Schicht – aber ich habe alles geregelt.

Acht Monate später bat man mich, einen neuen Kollegen einzuarbeiten. Ich war begeistert, endlich Unterstützung zu bekommen. Dann erfuhr ich: Er sollte mein Vorgesetzter werden. „Weil er Erfahrung als Filialleiter hat."

Ich kündigte sofort. Eine Woche später kündigte auch er – er war der Aufgabe nicht gewachsen. Für meine Stelle stellte man am Ende drei Männer ein.

Wann bitte?!

Ich wusste, dass mein Chef seine Nichte in der Firma unterbringen wollte. Aber dass er dafür ausgerechnet meinen Platz vorgesehen hatte, hätte ich mir im Traum nicht gedacht.

Ich erfuhr es, als er eines Tages an meinen Schreibtisch trat und fragte: „Dianchen, wann gehen Sie denn in Mutterschutz?" Ich starrte ihn nur an. Dann entschied ich, dass dieser Klotz es nicht wert war, dass ich mich über ihn aufrege oder ihm erkläre, wie unfassbar taktlos diese Frage ist. Vor allem gegenüber einer Frau wie mir, die keine Kinder bekommen kann.

Ich sah ihm in die Augen und antwortete: „So schnell nicht, ich bin nämlich unfruchtbar." Sein Gesicht lief tiefrot an, er stammelte eine Entschuldigung und verschwand. Am nächsten Tag brachte er mir eine Blume und ein Stück Kuchen.

Ist Diskriminierung am Arbeitsplatz wirklich noch so verbreitet?

Ja. Die Geschichten in diesem Artikel zeigen, dass Frauen im Berufsalltag regelmäßig übersehen, unterschätzt oder auf ihr Aussehen reduziert werden – oft von Menschen, die sich dessen kaum bewusst sind.

Warum werden dieselben Ideen von Männern besser aufgenommen?

Wie eine der Frauen im Artikel erlebt hat, wird ihr Vorschlag im Meeting ignoriert, aber gefeiert, sobald ein Mann ihn wiederholt. Der Grund, den ihr ein Kollege nannte: Man hört ihm einfach eher zu.

Welche unzulässigen Fragen tauchen in Vorstellungsgesprächen auf?

Im Artikel berichten Frauen von Fragen zu Ehering, Partnerschaft, Kinderwunsch, Gesundheit und sogar zum Gewicht – Themen, die mit der beruflichen Eignung nichts zu tun haben.

Wie reagieren die betroffenen Frauen auf solche Situationen?

Sehr unterschiedlich: Manche stellen sofort klar, wer die Verantwortung trägt, andere greifen zu einem männlichen Pseudonym, und wieder andere ziehen die Konsequenz und kündigen.

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