Hörschäden
Auf einem Konzert gab ich einem betrunkenen Mädchen meine Ersatz-Ohrstöpsel. Sie steckte mir daraufhin 20 EUR in die Tasche, mit denen ich mir ein Getränk kaufte. Sie schützte ihre Ohren, ich blieb vor dem Austrocknen verschont – alle hatten etwas davon.
Schutz
Bei einer Prüfung saß der Schulrowdy Szajf neben mir, der nichts vom Stoff wusste und mich bat, ihm zu helfen. Schnell tauschte ich unsere Papiere, füllte seinen Test so aus, dass er nicht zu schlau wirkte, aber eine Drei bekam, und tauschte zurück. Ich hatte das Ganze schon vergessen, als mich nach der Schule die Abschlussklasse erwartete, die mir immer mein Taschengeld abnahm. Gerade als sie mich schubsten, hörte ich eine tiefe Stimme hinter mir: „Lasst ihn in Ruhe.“ Es war Szajf. Er sagte, wer mir künftig zu nahe kommt, müsse mit ihm rechnen – und ging. Nie wieder wurde ich belästigt.
Die Warteschlange
Ich war gerade an der Kasse an der Reihe, als mich ein Mann bat, vorzulassen, weil er es eilig hatte. Sein Einkaufswagen war voll, aber ich winkte ihm durch. Als er fertig war, bedankte er sich und drückte mir einen Haufen 200-Euro-Scheine in die Hand – er hoffte, das decke den Wert meines Einkaufs – und war schon weg.

Die Belohnung
Ich fand eine Geldbörse voller Geld, suchte die Adresse des Besitzers und brachte sie ihm zurück. Er war Unternehmer und bot mir sofort einen Job an. Zehn Jahre lang arbeitete ich für ihn, bis ich in Rente ging.
Süß wie Honig
Zum Geburtstag meiner Mutter besuchte ich sie und schämte mich sehr, weil ich kein Geschenk kaufen konnte. (Ich war gerade in eine andere Stadt gezogen und hatte nach der Kaution fürs neue Zimmer keinen Cent mehr übrig.) Am Straßenrand stand eine Frau mit ihrem Auto und ich fragte, ob ich helfen könne. Sie hatte sich total verirrt, also zeigte ich ihr den Weg und begleitete sie ein Stück, von wo aus sie nur noch geradeaus fahren musste. Zum Dank schenkte sie mir ein Glas Honig, das ich glücklich annahm – so hatte ich doch noch ein Geschenk für meine Mutter.
Der Boxer
In unserer Straße lebte eine verwitwete Dame, die niemanden hatte. Als sie einen Schlaganfall erlitt und ins Krankenhaus kam, fütterte und spazierte ich zwei Monate lang mit ihrem Boxerhund. Sie fragte, wie viel ich ihr schulde, aber ich nahm kein Geld. Acht Jahre später starb sie und zu meiner großen Überraschung vermachte sie mir ihr Haus.
Das Mädchen
Am Flughafen bemerkte ich ein weinendes Mädchen. Sie erzählte, sie komme aus Georgien, ihr Flug wurde gestrichen, und sie müsse am nächsten Tag mittags in Deutschland eine Präsentation halten. Ich hatte keine Eile und organisierte, dass wir unsere Tickets tauschen konnten. Sie bedankte sich, fügte mich auf Facebook hinzu und schrieb am nächsten Tag, ich hätte ihr „das Leben gerettet“. Sie lud mich in ihr Heimatland ein, wo ich einen wundervollen Monat verbrachte – so schön, dass ich ein paar Jahre später einen ihrer Cousins heiratete.

Der Anhalter
Als ich meinen Führerschein bekam, mahnte mich meine Mutter eindringlich, niemals Anhalter mitzunehmen, weil das „sicherer Tod“ sei. Trotzdem nahm ich eines Abends bei strömendem Regen auf dem Land einen Mann mit. Er stand mitten im Nirgendwo, durchnässt und frierend, und ich konnte ihn nicht einfach stehen lassen. Er sagte, sein Auto sei kaputt, sein Telefon leer, er wohne eine halbe Stunde entfernt und würde mir 300 EUR geben, wenn ich ihn mitnähme. Ich brachte ihn heim, nahm aber natürlich kein Geld. Kaum war er dankbar ins Haus gerannt, fuhr ich weg. Eine Woche später meldete sich sein Anwalt bei mir. Wie sich herausstellte, war der Mann so dankbar, dass er meine Autonummer notierte und mich finden ließ. Ich bekam von ihm ein nagelneues Auto geschenkt.
Der Schlüssel
Im Wohnheim fluchte ein Mädchen verzweifelt, weil sie ihren Zimmerschlüssel verloren hatte und die Tür nicht abschließen konnte, aber zur Prüfung musste. Ich bot an, vor der Tür zu warten, bis sie zurückkommt – und so machten wir es. Zum Dank lud sie mich auf ein Bier ein, und heute haben wir zwei Kinder.
Der Sitzplatz
Wegen eines Sturms wurde ein Flug gestrichen, und das Personal musste alle Passagiere auf neue Flüge umbuchen. Alle waren wütend, beschimpften und bedrohten sie, aber ich blieb freundlich, denn sie konnten nichts dafür. Meine Heimreise verbrachte ich – zum ersten und letzten Mal – in der ersten Klasse.











