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Warum ich meinen Körper heute mehr liebe als mit zwanzig – nach einer OP, die alles veränderte

Szabó Erzsébet5 Min. Lesezeit
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Warum ich meinen Körper heute mehr liebe als mit zwanzig – nach einer OP, die alles veränderte — Lebensstil
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Kaum steigen die Temperaturen, meldet sich pünktlich dieses altbekannte Gefühl: die Sommer-Unsicherheit. Für viele von uns wird die Badesaison zur inneren Zerreißprobe.

Bestimmt kennst du diesen befreienden Spruch: Wenn du einen Körper und einen Bikini hast, bist du bereit für den Strand. Aber seien wir ehrlich: Es dauert lange, bis wir diesen Satz nicht nur als schönes, logisches Argument akzeptieren, sondern ihn auch wirklich fühlen. Bei mir brauchte es eine harte Lektion vom Leben – danach sah ich mich im Spiegel mit völlig anderen Augen.

Als selbst die einfachste Bewegung zum Luxus wurde

Im letzten Herbst hatte ich eine größere Operation, vor der – und noch lange danach – selbst die einfachsten, natürlichsten Bewegungen zum unbezahlbaren Luxus wurden. Plötzlich erlebte ich am eigenen Leib, wie es ist, wenn der Körper einfach nicht mehr funktioniert und sich weigert, dem zu folgen, was der Kopf ihm vorgibt. Ich lag im Krankenhausbett und musste feststellen, dass ich mich nicht einmal ohne Hilfe von einer Seite auf die andere drehen konnte. Vom Aufstehen oder ein paar Schritten ganz zu schweigen.

Diese Hilflosigkeit war eine gewaltige, schockierende Ohrfeige des Schicksals. Denn bis zu diesem Tag lebte auch ich in dem festen Glauben, mein Körper sei eine Art ästhetisches Projekt. Etwas, das ständig verbessert und optimiert werden muss und mit dem ich nie ganz zufrieden war. Während der monatelangen Bettruhe wurde mir klar, wie sehr ich mich geirrt hatte – und wie unglaublich ungerecht, ja fast grausam wir zu uns selbst sind.

Wir halten es für selbstverständlich, dass wir gehen, atmen, umarmen oder schwimmen, springen und Treppen steigen – und schaffen es trotzdem, ausgerechnet die wunderbare Hülle zu hassen, die uns all das überhaupt erst ermöglicht.

Die Falle meines zwanzigjährigen Ichs

Ich erinnere mich genau, wie sehr ich mich am Strand quälen konnte – völlig grundlos. Als Teenager und junge Erwachsene war ich überall straffer, hatte kaum Cellulite und fand trotzdem tausend Makel an mir. Immer war da etwas, das nicht perfekt genug war, und mit diesem Perfektionismus habe ich mir viele unbeschwerte Momente selbst zerstört.

Heute, näher an den vierzig als an den dreißig, nach einer schweren OP – nach der ich mich schon freute, wenn ich überhaupt zur Physiotherapie gehen konnte – ja, meine Cellulite ist sichtbarer geworden. Aber weißt du was? Ich liebe und respektiere diesen Körper heute unendlich viel mehr als seine zwanzigjährige Version. Denn dieser Körper hat Leben gegeben, konnte – mit Hilfe – wieder heilen, trägt mich an wunderbare Orte und schenkt mir fantastische Erlebnisse. Eines ist also sicher: Auch dieses Jahr begleitet er mich ins kühle Nass.

Eine Wahrheit, die ich am Wasser über die Jahre begriffen habe

Wir neigen zu dem Glauben, dass sich alle Blicke sofort auf uns richten, sobald wir die Sicherheit unseres Handtuchs verlassen – als würden kritische Augen jeden unserer Makel abtasten.

Die Wahrheit ist: Am Strand ist jeder viel mehr mit dem eigenen Körper und den eigenen Unsicherheiten beschäftigt als mit deinem oder meinem.

Jeder trägt etwas an sich, das er am liebsten vor der Welt verstecken würde. Und das Verrückte daran: Oft verbergen wir ängstlich genau das, wofür unser Umfeld uns vielleicht insgeheim bewundert. Das Mädchen mit dem beneidenswert vollen Dekolleté, das du so schön findest, geht womöglich ständig gebeugt, weil es sich deswegen unwohl fühlt. Und die Frau, deren wunderbar weibliche Hüften du anerkennend musterst, versteckt sich vielleicht ängstlich hinter ihrem Handtuch, weil ihr Bauch nicht flach genug ist. Wir alle spielen dasselbe schwierige Match in unserem Kopf – nur in unterschiedlichen Varianten. Und völlig umsonst.

Wenn du diesen Sommer also den Bikini anziehst und sich dieses altbekannte, kritische Stimmchen in dir regt, halt bitte kurz inne und denk daran: Deine Beine tragen dich bis ins kühle Wasser, deine Haut spürt die streichelnde Wärme der Sonne, und du lebst, bewegst dich frei, atmest. Cellulite, Schwangerschaftsstreifen, ein paar Kilo mehr oder OP-Narben – das alles sind nur wertvolle Teile unserer ganz eigenen Geschichte, Landkarten unserer gelebten Erfahrungen. Liebe deinen Körper für das, was er kann, und genieße jeden Moment des Sommers. Wir sehen uns im Wasser!

Wie kann ich die Angst vor der Badesaison überwinden?

Es hilft, den Fokus zu verschieben: weg vom Aussehen, hin zu dem, was dein Körper alles ermöglicht. Wenn die kritische innere Stimme laut wird, halte kurz inne und erinnere dich daran, dass du lebst, dich frei bewegst und den Sommer spüren kannst.

Schauen mich am Strand wirklich alle an?

Nein. Am Strand ist jeder viel stärker mit dem eigenen Körper und den eigenen Unsicherheiten beschäftigt als mit deinem. Die kritischen Blicke, die wir befürchten, existieren meist nur in unserem eigenen Kopf.

Warum kann man den eigenen Körper mit dem Alter mehr schätzen?

Weil man erlebt, wozu er fähig ist. Nach einer schweren Erfahrung wie einer Operation wird deutlich, dass der Körper uns durchs Leben trägt, heilen kann und uns wunderbare Momente schenkt – das wiegt schwerer als jeder vermeintliche Makel.

Sind Cellulite, Narben und Dehnungsstreifen ein Grund zur Scham?

Nein. Sie sind wertvolle Teile deiner ganz persönlichen Geschichte und Landkarten deiner gelebten Erfahrungen. Sie erzählen von einem Körper, der etwas durchgemacht und überstanden hat.

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