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Früher habe ich jeden gemustert – heute wäre mir sogar egal, wenn mir jemand im Pyjama begegnet

Szabó Erzsébet5 Min. Lesezeit
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Früher habe ich jeden gemustert – heute wäre mir sogar egal, wenn mir jemand im Pyjama begegnet — Mode
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Erinnerst du dich noch daran, wie du mit deiner besten Freundin auf einer Parkbank saßt und die Outfits der Vorbeigehenden von 1 bis 10 bewertet hast? Oder an diesen kurzen, wissenden Blick im Theater, weil sich jemand tatsächlich in Jeans hereingetraut hatte?

Ich schon. Bis zum Studium lief in meinem Kopf pausenlos ein Kommentarstream. Selbst wenn ich nach außen nichts sagte, ging es innerlich munter weiter: „Diese Frisur – ist das jetzt ernst gemeint?", „Man sieht doch, dass die Person null Selbstkritik hat!"

Als das echte Leben die Modepolizei aushebelte

Seit meine Schulfreundin und ich unsere Nachmittage so verbracht haben, sind einige Jahre vergangen – und das Schicksal hat dafür gesorgt, dass ich Besseres zu tun bekam, als andere zu vermessen. Die echten Herausforderungen des Erwachsenenlebens kamen an, dazu die alltägliche Logistik und ein endloser Strom an Aufgaben. Meine mentale Kapazität für solche Belanglosigkeiten war schlicht aufgebraucht.

Bevor ich diesen Zustand aber zu sehr idealisiere, muss ich zugeben: Hinter meiner erwachsenen Gelassenheit steckt oft keine erhabene Weisheit, sondern reine Gleichgültigkeit. Wenn ich gerade überlege, was ich schon wieder kochen soll, ob ich meiner Tochter die Reisetablette gegen Übelkeit für die Busfahrt eingepackt habe oder ob ich diese wichtige E-Mail beantwortet habe, dann habe ich wahrlich größere Sorgen, als über das Outfit anderer nachzugrübeln.

Neulich war ich mit meinen Freundinnen ein paar Tage im Ausland, und mir fiel auf, dass die Leute es noch lockerer nahmen als bei uns zu Hause. Natürlich stachen uns Mädels sofort ein, zwei extremere Lösungen ins Auge – etwa die außergewöhnliche Kombination aus schwarzen Westernstiefeln und einem hauchdünnen, pastellgelben Sommerkleid. Aber ziemlich schnell wurde „Wir urteilen nicht" zum Motto unserer Reise.

Darüber haben wir ständig geschmunzelt, denn immer wenn wir es aussprachen, wussten wir genau, dass wir gerade an etwas „Sehenswertem" vorbeiliefen. Und trotzdem blieb die Haltung: Menschen sind tausendfach verschieden, und es ist nicht unsere Aufgabe, im Kleiderschrank der Welt Ordnung zu schaffen.

Gleichgültigkeit, Respekt oder einfach Abstumpfung?

Klar, ab und zu huscht mir immer noch ein seltsamer Gedanke durch den Kopf – so wie neulich, als ich jemanden in einem sexy Negligé spazieren sah.

Der Unterschied zu früher ist nur: Ich bleibe nicht mehr in der Kritik hängen und ziehe daraus keine tiefgreifenden Schlüsse über den Wert oder das Leben eines anderen Menschen.

Und ja, seien wir ehrlich: In dieser Veränderung steckt auch eine gehörige Portion sehr gesunder, befreiender Gleichgültigkeit. Ich urteile nicht mehr im Stillen, nicht weil ich über allen sozialen Reizen schwebe, sondern weil es mich wirklich nicht interessiert. Die Hose einer wildfremden Person (oder das Fehlen dieser Hose) ist schlicht nicht mein Problem.

Dazu kommt natürlich der Respekt vor der Freiheit des anderen. Denn wenn jemand zum Überleben oder für die eigene mentale Gesundheit an diesem Tag im Pyjama runter zum Bäcker springen muss – wer bin ich, dass ich darüber urteile?

Zumal ich selbst auf meiner persönlichen „Mut-Skala" immer noch an dem Punkt stehe, an dem ich mich in einem engeren Oberteil ohne BH nur dann zum Bäcker traue, wenn ich danach garantiert nirgendwo mehr hinmuss … Ich habe also durchaus noch Luft nach oben.

Der Schlüssel zu unserem eigenen inneren Frieden

Das Schönste daran ist die Erkenntnis, dass das Urteilen über andere in Wahrheit nur die Projektion unserer eigenen Strenge ist. Früher habe ich deshalb so genau auf die Fehler anderer geachtet, weil ich insgeheim panische Angst hatte, selbst permanent beobachtet und beurteilt zu werden. Ich konnte minutenlang vor dem Spiegel stehen – nur um den Müll rauszubringen.

Als mir dann klar wurde, dass an den Mülltonnen kein Mensch auf mich achtet (und falls doch, es mich nicht im Geringsten berührt), hat das nicht nur meinen inneren Kritiker abmontiert, sondern meinem Ego eine unglaubliche Erleichterung verschafft. Heute gehe ich bei 40 Grad Hitze ganz sicher im erstbesten Kleidungsstück aus dem Haus, das mir in die Hände fällt. Das Loslassen äußerer Erwartungen hat nicht nur meine Garderobe verändert, sondern nach und nach jeden Bereich meines Lebens befreit.

Also: Wenn du mir morgen auf der Straße in einem bequemen Pyjama begegnest, keine Sorge. Entweder nehme ich es gar nicht wahr, weil ich gerade in meinen eigenen Gedanken versunken bin – oder ich denke höchstens: Wie schön für dich!

Warum urteilen wir überhaupt über den Kleidungsstil anderer?

Oft ist das Urteilen über andere nur die Projektion unserer eigenen Strenge. Wer Angst hat, selbst beobachtet und bewertet zu werden, achtet besonders genau auf die vermeintlichen Fehler anderer.

Ist Gleichgültigkeit gegenüber dem Stil anderer etwas Gutes?

Im Artikel wird deutlich, dass diese Gelassenheit befreiend wirken kann. Es geht nicht darum, über allem zu schweben, sondern darum, dass das Outfit eines Fremden schlicht nicht unser Problem ist.

Wie hängen Loslassen und innerer Frieden zusammen?

Wer erkennt, dass niemand ständig auf einen achtet, kann äußere Erwartungen loslassen. Das entlastet nicht nur die Garderobe, sondern beginnt nach und nach, das ganze Leben freier und leichter zu machen.

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