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„Ich kann mein Kind nicht ertragen" – der Gedanke, den viele Mütter fühlen, aber nie aussprechen

Váradi Petra4 Min. Lesezeit
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„Ich kann mein Kind nicht ertragen" – der Gedanke, den viele Mütter fühlen, aber nie aussprechen — Familie
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Ich saß am Küchentisch, der Löffel schwebte vor dem Mund meiner kleinen Tochter, und sie schrie, weil nicht die richtige Tasse vor ihr stand. Ich sah dieses eineinhalbjährige, verschwitzte, tobende Wesen an und dachte: Ich kann dieses Kind nicht ertragen. Nicht, dass ich müde war. Nicht, dass die Situation schwer war. Sondern buchstäblich: Sie selbst konnte ich nicht ertragen.

An diesem Abend, nachdem ich sie ins Bett gebracht hatte, schloss ich mich im Badezimmer ein und ließ den Wasserhahn laufen, damit ich sie nicht weinen hörte. Ich sah mich im Spiegel an und dachte: Was ist das für eine Mutter, die so etwas fühlt? Denn man hat uns beigebracht, dass Liebe automatisch kommt. Dass uns eine warme, bedingungslose Welle überrollt, sobald wir das Kind erblicken, und dass wir von da an bereitwillig jedes Opfer bringen. Bei mir war es nicht so. Als man sie mir zum ersten Mal auf die Brust legte, war da eher Angst als Verzückung. Ich dachte, das käme später. Monatelang habe ich darauf gewartet.

Mein Mann verstand es natürlich nicht, als ich es einmal aussprach – halb weinend, halb wütend, beim Abwasch in der Küche stehend. Er sagte, ich sei bestimmt nur müde, das könne nicht wahr sein, wie ich so etwas über mein eigenes Kind sagen könne. Und in genau diesem Moment lernte ich, dass ich das nie wieder jemandem sagen würde.

Nicht mein Kind liebte ich nicht. Ich liebte die Frau nicht, zu der ich an seiner Seite wurde.

Bei den Elternabenden im Kindergarten lächelte ich, auf dem Spielplatz lobte ich, wie geschickt sie am Klettergerüst hochkletterte – und zu Hause schloss ich manchmal die Tür hinter mir und stand minutenlang einfach im dunklen Zimmer, weil ich sie nicht ansehen konnte. Manchmal kochte ich für sie, schnitt Karotten klein, während in meinem Kopf die Frage kreiste, wie mein Leben verlaufen wäre, hätte ich mich damals anders entschieden. Dieser Gedanke erfüllte mich mit furchtbaren Schuldgefühlen, aber ich konnte ihn nicht abschalten – so wenig, wie man eine Glühbirne einfach wieder auslöschen kann, wenn sie einmal brennt.

Es gab eine Woche, vielleicht die schlimmste von allen, in der meine Kleine die Grippe bekam und ich sie drei Tage lang fast ohne Schlaf pflegte. Ihre Nase lief, ihr Schlafanzug war durchgeschwitzt, und als sie in der vierten Nacht wieder aufwachte und „Mama, Mama" rief, riss in mir etwas. Ich schrie sie nicht an, ich tat ihr nichts – ich setzte mich nur auf die Bettkante und weinte. Und sie, dieses kleine, fiebrige Kind, kroch zu mir und schmiegte sich an meinen Hals.

In diesem Moment fühlte ich keine Liebe, sondern etwas anderes: eine Verantwortung, die größer war als ich selbst und die man nicht ablegen konnte – nicht einmal dann, wenn nichts in mir war, das ich hätte geben können.

Seitdem sind einige Jahre vergangen

Ich behaupte nicht, dass sich alles gelöst hat, denn das ist keine Geschichte, in der auf einmal alles an seinen Platz fällt. Es gibt Tage, an denen ich sie ansehe und denke: unglaublich, dass dieses Wesen von mir stammt, dass es fast wehtut, sie anzusehen, so sehr liebe ich sie. Und es gibt Tage, an denen dieses alte, kalte Gefühl zurückkehrt – dass wir Fremde sind, die dieselbe Wohnung teilen. Das Einzige, was ich gelernt habe, ist, dass sich diese beiden Dinge nicht ausschließen, auch wenn niemand vor der Geburt mit mir darüber gesprochen hat.

Manchmal stehe ich noch immer im Badezimmer, lasse den Wasserhahn laufen und höre meinem eigenen Atem zu. Aber ich schäme mich nicht mehr so sehr dafür, dass ich innehalten muss, bevor ich wieder zu ihr zurückgehe.

Ist es normal, sein eigenes Kind zeitweise nicht zu mögen?

Wie diese Geschichte zeigt, erleben viele Mütter Momente der Überforderung, in denen sie ihr Kind schwer ertragen können. Das schließt tiefe Liebe nicht aus – beides kann nebeneinander bestehen.

Warum sprechen so wenige Mütter offen über diese Gefühle?

Weil wir gelernt haben, dass Mutterliebe automatisch und bedingungslos kommt. Wer anders empfindet, fürchtet, verurteilt zu werden – so wie die Autorin, die es nur einmal aussprach und danach schwieg.

Verschwinden diese schweren Gefühle irgendwann von selbst?

Nicht unbedingt. Die Autorin beschreibt, dass sich nicht alles löst, sondern dass warme und kalte Tage nebeneinander existieren – und dass gerade das Akzeptieren dieser Ambivalenz entlastet.

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