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„Als wir uns trennten, war ich erleichtert" – eine alleinerziehende Mutter erzählt

Váradi Petra5 Min. Lesezeit
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„Als wir uns trennten, war ich erleichtert" – eine alleinerziehende Mutter erzählt — Familie
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Ich stand in der Küche, in den Händen eine noch warme Tasse Tee, und hörte, wie hinter ihm die Wohnungstür ins Schloss fiel. Ich weinte nicht. Und genau das war das Seltsamste an allem: Nach vierzehn Jahren Ehe hatte ich erwartet, dass ich zusammenbreche. Stattdessen legte sich eine merkwürdige Leichtigkeit auf meine Brust – als hätte ich endlich einen Rucksack abgesetzt, den ich viel zu lange getragen hatte.

Wenn nur noch die Gewohnheit zusammenhält

Meine Tochter war damals sechs, mein Sohn zwei. Im letzten anderthalb Jahren ging mir fast jeden Abend derselbe Gedanke durch den Kopf: Wann kommt der Moment, in dem ich diese Lüge nicht mehr aushalte – dass alles gut ist, dass wir zurechtkommen, dass wir nur müde sind?

Er arbeitete, ich arbeitete, die Kinder wuchsen, und zwischen uns blieb am Ende nur noch die Logistik: Wer bringt sie in den Kindergarten, wer holt sie ab, wer bezahlt die Rechnung. Ich erinnere mich an ein Abendessen, bei dem mein Kleiner begeistert von irgendeinem Dinosaurier-Zeichentrickfilm erzählte – und wir beide schweigend auf unsere Teller starrten. Keiner von uns hörte wirklich zu, was das Kind da sagte.

Als wir schließlich aussprachen, dass es vorbei war, dachte ich, meine Welt würde untergehen. Doch einen Monat später, als die Kinder zum ersten Mal allein bei ihrem Vater übernachteten, saß ich mit einem Glas Wein im Wohnzimmer und merkte: Seit zwei Stunden schnürt sich mir nichts mehr die Kehle zu.

Er fehlte mir nicht. Die Kinder fehlten mir natürlich – sie fehlten mir immer, wenn sie nicht bei mir waren. Aber diese Anspannung fehlte mir nicht, die bis dahin in jedem Zimmer hing wie ein unsichtbarer Vorhang.

Die Erleichterung, die ich mir kaum eingestehen konnte

Meine Freundinnen fragten natürlich vorsichtig, wie es mir gehe – so, als besuchten sie eine Kranke. Und ich antwortete immer, es gehe mir gut. Was auch stimmte. Nur eben nicht so, wie sie dachten.

Es gab einen Abend, vielleicht drei Monate nach der Scheidung, an dem meine Tochter mich fragte, ob ich traurig sei, weil Papa nicht mehr bei uns wohnt. Und statt der üblichen beruhigenden Sätze antwortete ich ihr ehrlich: Manchmal ja, aber oft ist es so einfach leichter. Sie nickte nur, ging zurück zu ihren Buntstiften, als wäre diese Antwort für sie das Selbstverständlichste der Welt – während mir die Hände zitterten, weil ich es endlich laut ausgesprochen hatte.

Es war eine seltsame Last, diese Erleichterung mit mir herumzutragen. Ich wusste ja, welche Erwartung an einer geschiedenen Mutter hängt: dass sie traurig sein soll, dass sie kämpfen soll, dass sie um der Kinder willen dem Zerfall der alten Familie nachtrauern soll.

Ich dagegen ertappte mich oft dabei, wie ich sonntagabends gut gelaunt die Küche aufräumte, nachdem ich die Kinder von ihrem Wochenende zurückgeholt hatte – und wie sehr ich es genoss, dass ich mich vor niemandem mehr rechtfertigen musste, warum ich kein richtiges Abendessen gekocht oder warum wir drei Zeichentrickfilme hintereinander geschaut hatten.

Warum fühlte ich mich schlecht, weil es mir gut ging?

Es gab eine Zeit, in der ich sogar ein schlechtes Gewissen wegen dieser Leichtigkeit bekam. Ich saß bei der Psychologin – denn irgendwann landete ich auch dort – und sagte ihr, ich sei ein schrecklicher Mensch, weil ich nicht genug leide.

Sie fragte nur: Wer hat Ihnen gesagt, dass zu einer Scheidung Leid gehört? Ich konnte nicht sofort antworten. Ich saß einfach da, blickte auf den Ficus in der Ecke des Raumes und versuchte zu begreifen, dass vielleicht gar nicht das normal war, was ich bis dahin dafür gehalten hatte.

Ein paar Jahre später sehe ich es anders

Heute, ein paar Jahre später, fragt mein Sohn manchmal, ob Papa wieder einzieht. Und ich sage ihm immer dasselbe: Nein, aber uns dreien geht es gut so, wie wir sind.

Er akzeptiert das vorerst, auch wenn ich ahne, dass er eines Tages mehr fragen wird, tiefer graben wird. Und dann muss vielleicht auch ich jene Leichtigkeit wieder hervorholen, die ich damals allein in der Küche gespürt habe – und sie ihm so erklären, dass er nicht das Gefühl bekommt, an dem Tag, an dem hinter ihm die Tür ins Schloss fiel, sei uns etwas Schlimmes widerfahren.

Ist es normal, sich nach einer Scheidung erleichtert zu fühlen?

Ja. Wie diese Geschichte zeigt, empfinden manche Menschen nach dem Ende einer Ehe keine reine Trauer, sondern vor allem Erleichterung – vor allem, wenn zuletzt nur noch Anspannung und Gewohnheit das Paar zusammengehalten haben.

Warum entsteht ein schlechtes Gewissen, wenn es einem gut geht?

Weil es an eine geschiedene Mutter oft die Erwartung gibt, traurig zu sein und zu kämpfen. Passt das eigene Gefühl nicht in dieses Bild, kann daraus Schuld entstehen – obwohl mit dem eigenen Empfinden nichts falsch ist.

Wie erklärt man den Kindern, dass die Trennung kein Unglück war?

Ehrlich und altersgerecht, so wie die Mutter in der Geschichte: mit dem Gedanken, dass es allen zusammen gut geht, so wie sie sind – ohne den Kindern das Gefühl zu geben, etwas Schlimmes sei geschehen.

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