Der leuchtend grüne Matcha ist heute viel mehr als nur ein Trendgetränk: Für viele von uns ist er der morgendliche Anker, ein bewusster, langsamer Moment vor dem Start in den Tag. Aber was, wenn du dir ein ebenso gemütliches Erlebnis wünschst – nur in sanfteren, wärmeren Tönen? Wenn dich statt leuchtendem Grün eher karamellbraune Nuancen und ein sanfterer Geschmack reizen?
Die Antwort heißt Hojicha, ein gerösteter grüner Tee aus Japan, der sich still und doch bestimmt seinen Weg in die Welt der Cafés bahnt. Viele nennen ihn „den neuen Matcha“ – tatsächlich erleben wir aber die zeitgemäße Renaissance einer fast hundertjährigen Tradition.
Was ist eigentlich Hojicha?
Hojicha (ausgesprochen: Hodschisa) ist ein traditioneller japanischer grüner Tee, der laut dem deutschen Elle-Magazin erstmals in den 1920er Jahren in Kyoto hergestellt wurde. Sein Geheimnis liegt nicht in der Rohware, sondern in der Zubereitung.
Während Matcha aus schattiertem Teeblatt fein zu Pulver gemahlen wird, werden bei Hojicha die grünen Teeblätter – und manchmal auch die Stängel – bei hoher Temperatur geröstet. Dieser Röstprozess verändert den Charakter des Tees komplett: Das leuchtende Grün weicht einem warmen, rötlich-braunen Ton, und der Geschmack erhält eine ganz neue Dimension.
Hojicha ist also keine „neue Erfindung“, sondern wird in Europa gerade erst richtig bekannt.
Sanfter, nussiger und karamelliger Genuss
Wenn dir der charakterstarke, leicht herbe und grasige Geschmack von Matcha bisher nicht zugesagt hat, könnte Hojicha dich angenehm überraschen.
Durch das Rösten:
- verringert sich die Bitterkeit,
- entfalten sich nussige, karamellige und manchmal schokoladige Noten,
- entwickeln sich leichte Rauchnuancen und malzige Süße.
Das Gesamtbild ist sehr sanft, rund und warm. Für viele erinnert es eher an geröstete Kastanien oder Haselnüsse als an klassischen grünen Tee. Kein Wunder, dass Hojicha gerne in pulverisierter Form für Desserts, Kuchen, Cremes und Eis verwendet wird.
Sanftere Energiequelle
Einer der größten Vorteile von Hojicha ist sein deutlich niedrigerer Koffeingehalt im Vergleich zu den meisten grünen Tees – besonders im Vergleich zu Matcha.
Das liegt am Röstprozess, bei dem ein Teil des Koffeins abgebaut wird. Deshalb:
- belastet Hojicha das Nervensystem weniger,
- verursacht keinen plötzlichen Energieschub,
- ist auch für empfindlichere Menschen leichter verträglich,
- und kann sogar am Nachmittag oder Abend genossen werden.
Wenn du deinen täglichen Koffeinkonsum reduzieren möchtest, aber nicht auf das Teeerlebnis verzichten willst, ist Hojicha eine tolle Alternative.
Gesundheit und innere Balance
Wie jeder echte grüne Tee enthält Hojicha wertvolle Pflanzenstoffe.
- Reich an Antioxidantien: Er enthält Katechine und andere Polyphenole, die die Zellen vor oxidativem Stress schützen können.
- Quelle von L-Theanin: Diese Aminosäure ist bekannt für ihre beruhigende und fokussierende Wirkung. Zusammen mit Koffein sorgt sie für ein ausgewogenes Energielevel.
- Magenfreundlichere Wahl: Das Rösten mildert nicht nur den Geschmack, sondern reduziert auch bittere Verbindungen, was viele als schonender für das Verdauungssystem empfinden.
Pulver oder Blatttee?
Hojicha ist in mehreren Formen erhältlich:
- Als loser Tee, der traditionell aufgebrüht wird.
- Als Pulver, das ähnlich wie Matcha aufgeschäumt werden kann.
Besonders beliebt ist das pulverisierte Hojicha als Latte. Mit pflanzlicher oder Kuhmilch entsteht ein cremiges, leicht karamelliges Getränk, das optisch eher an Kakao als an grünen Tee erinnert.
Wie bereitest du ihn zu?
Bei pulverisiertem Hojicha:
- Gib 1–2 Teelöffel Pulver in eine Tasse.
- Gieße Wasser mit maximal 80 °C dazu (zu heißes Wasser verschlechtert den Geschmack).
- Rühre mit einem Bambusbesen oder einem kleinen Handaufschäumer klumpenfrei um.
- Füge nach Geschmack aufgeschäumte, erwärmte Milch hinzu.
Bei losem Tee:
- Mit etwa 80 °C heißem Wasser aufgießen,
- 1,5–2 Minuten ziehen lassen,
- und dann abseihen.
Im Sommer ist er auch als Eistee ein Genuss: Gekühlt mit Eis und pflanzlicher Milch ist er eine erfrischende, leichte Alternative zum Kaffee.
Woran erkennst du gute Qualität?
Wenn du wirklich aromatischen Hojicha wählen möchtest, achte auf Folgendes:
- Gleichmäßige, warme braune Farbe (bei Pulver).
- Feines, seidiges Mahlgut, das nicht körnig ist.
- Ausgewogenes Röstaroma – vollmundig, aber nicht verbrannt oder bitter.
- Japanische Herkunft, idealerweise aus traditionellen Teeanbaugebieten.
Guter Hojicha ist nicht scharf oder sauer, sondern harmonisch mit einem sanften Abgang.
Matcha oder Hojicha – was passt besser zu dir?
Die Frage ist vielleicht nicht, welcher „besser“ ist, sondern was du gerade brauchst.
- Fokus am Morgen und intensiver Energieschub? Dann ist Matcha die ideale Wahl.
- Sanftere Rituale am Nachmittag oder Abend? Hojicha ist die mildere Alternative.
- Viele entscheiden sich nicht für das eine oder andere, sondern wählen je nach Stimmung und Tageszeit.
Der Beginn eines neuen Rituals
Hojicha ist mehr als nur ein Trend. Es ist ein Getränk mit wärmerem Charakter, das helfen kann, Ruhe am Tagesende zu finden oder eine bewusste Pause im hektischen Alltag zu schaffen.
Vielleicht ersetzt er den Matcha nicht, aber er könnte sich neben ihm einen Platz im Regal sichern. Und manchmal brauchen wir genau das: nicht das Bewährte zu ersetzen, sondern unsere Möglichkeiten zu erweitern.











