In meiner Familie schiebt jeder bittere Speisen mit einer Grimasse weg, und ich mag sie nur manchmal – und dann oft ohne ersichtlichen Grund. Kürzlich stieß ich auf eine Studie (What is the link between personality and food behavior?), die spannende Zusammenhänge zwischen Essensvorlieben und Persönlichkeitsmerkmalen aufzeigt. Sofort dachte ich an den bitteren Geschmack! Es wird spannend, beim nächsten Mal bewusst zu beobachten, warum ich genau dann Lust darauf habe…
Wollen nur starke Persönlichkeiten Bitteres?
Die Studie mit fast 1000 amerikanischen Erwachsenen brachte überraschende Erkenntnisse: Menschen, die bittere Geschmäcker mögen, zeigen eher antisoziale Eigenschaften – wie Psychopathie, Aggression und mildere Formen von Sadismus. Klingt verrückt?
Vielleicht, aber Forscher sehen darin Logik: Bitterkeit steht biologisch oft für Giftiges. Wer sich trotzdem davon angezogen fühlt, verarbeitet Unangenehmes anders – und kann es sogar genießen.
Das heißt natürlich nicht, dass jeder, der Kaffee schwarz trinkt oder Tonic als erfrischend empfindet, dunkle Seiten hat! Die Ergebnisse zeigen eher Tendenzen als feste Schubladen. Ich zum Beispiel mag den intensiven Geschmack von Rucola nur an manchen Tagen, an anderen kann ich ihn nicht sehen – solche Schwankungen können mit Stimmung, Hormonen oder unbewussten psychischen Faktoren zu tun haben.

Süßer Geschmack = süßer Charakter?
Das Gegenstück zur Bitterkeit ist die Süße. Studien zeigen: Wer öfter zu Süßem greift, wirkt auf andere freundlicher, hilfsbereiter und liebevoller. Und das ist keine bloße Klischeevorstellung – die Vorliebe für Süßes hängt tatsächlich mit besseren sozialen Fähigkeiten zusammen. Kein Wunder, verbinden wir Süßes doch seit Kindheitstagen mit Belohnungen, Festen und vor allem Liebe.
Kein Zufall, dass wir Familienmitglieder liebevoll „Schatz“ oder „Zuckerstück“ nennen – unser Gehirn verknüpft süßen Geschmack direkt mit emotionaler Nähe.
Und was verraten scharfe Speisen?
Liebhaber scharfer Gerichte – wie der scharfen Paprika in der ungarischen Küche oder Wasabi zum Sushi – sind laut Studie oft Grenzgänger. Männer mit höherem Testosteronspiegel im Speichel nehmen mehr Schärfe zu sich.
Doch es geht nicht nur um Hormone. Die Suche nach neuen Erlebnissen, der Wunsch nach Nervenkitzel und das Verlassen der Komfortzone passen oft zu Menschen, die scharfes Essen bevorzugen.

Und wie sieht es mit denjenigen aus, die kaum etwas essen?
Oder nur „sichere“, vertraute und oft geschmacklose Speisen wählen? Auch dafür haben Forscher Antworten: Sehr wählerische Menschen neigen eher zu Ängsten und Nervosität, besonders in ungewohnten Situationen. Dahinter stecken oft emotionale Instabilität oder ein Kontrollverlust, aber auch körperliche Gründe wie empfindlichere Geschmacksknospen.
Hinter jeder Essensvorliebe steckt Kindheit, Erinnerung, Stimmung oder ein Teil deiner Persönlichkeit. Vielleicht bist du dadurch entschlossener, experimentierfreudiger oder verarbeitest Reize einfach anders – oder du hast dich bewusst für mehr Sicherheit entschieden. Und vielleicht greifst du beim nächsten Mal zur Grapefruit nicht nur wegen der erfrischenden Säure, sondern weil du tief im Inneren gerade genau das brauchst, was ihr Geschmack in dir weckt. Beobachte dich mal!











