Manchmal wird mir das ganz unerwartet bewusst. Bei einem Abendessen, in einem freundschaftlichen Gespräch oder auf einer längeren Autofahrt, wenn die Gespräche lockerer werden und irgendwann das Thema Partnerschaften aufkommt.
Dann überrascht es mich oft, wie Menschen über ihre Ehepartner sprechen. Nicht, weil ich das Phänomen nicht verstehen würde. Wer mit jemandem zusammenlebt, weiß genau, dass romantische Vorstellungen schnell verblassen, wenn zwei Menschen versuchen, ihr Leben unter einem Dach zu organisieren.
Der Alltag ist voll kleiner Reibereien: Wer spült, wer bringt den Müll raus, wer hat schon wieder die Tasse auf dem Tisch stehen lassen? Im Freundeskreis lässt man manchmal einfach Dampf ab, indem man ein bisschen über den anderen meckert. Das ist total menschlich.
Aber es gibt einen Unterschied zwischen liebevollem Necken und dem, wenn jemand einfach anfängt, den Partner schlechtzumachen. Und das höre ich überraschend oft.
Da fallen Sätze wie: Der Ehemann oder die Ehefrau kann nichts, hilft bei nichts und ist völlig inkompetent.
Manchmal höre ich sogar, dass der Partner nicht mehr attraktiv sei oder dass sie eigentlich keinen Plan haben, wie sie überhaupt so lange zusammenleben. Sowohl von Männern als auch von Frauen. Und dann fühle ich mich immer sehr unwohl.
Zum einen, weil diese Sätze selten so klingen, als würde jemand wirklich nach einer Lösung für ein Problem suchen. Vielmehr wirken sie wie eine lange Beschwerdeliste über jemanden, der nicht da ist, um sich zu wehren. Aber es gibt noch einen anderen Grund, warum es merkwürdig ist, das zu hören.
Meine Beziehung zu meinem Ex ist besser als bei vielen Menschen mit ihrem Ehepartner
Ich lebe nicht mit dem Vater meiner Tochter zusammen. Es gibt Gründe, warum unser Leben so verlaufen ist. Das Ende einer Beziehung ist nie zufällig, und auch unsere Geschichte war geprägt von Konflikten, Schwierigkeiten und unterschiedlichen Wegen.

Wenn ich aber von ihm spreche, habe ich immer zwei Dinge im Kopf. Erstens, dass ich von einem Menschen spreche, den ich einmal geliebt habe. Und zweitens, dass es um den Vater meiner Tochter geht. Diese beiden Fakten allein reichen aus, um nicht herablassend oder spöttisch über ihn zu sprechen.
Auch wenn es Dinge gab, in denen wir nicht einer Meinung waren oder die letztlich das Ende unserer Beziehung bedeuteten. Und ehrlich gesagt fällt es mir oft schwer, das mit dem zu vereinbaren, was ich von anderen höre.
Wenn jemand sagt, sein Mann sei völlig unfähig oder seine Frau würde bei nichts mitmachen, frage ich mich immer: Wenn sie wirklich so über einander denken, was bleibt dann eigentlich von der Beziehung übrig?
Natürlich weiß ich, dass es leichter ist, jemanden von außen zu mögen. Man muss nicht zusammenleben, nicht das Schnarchen ertragen und nicht jeden Tag die gleichen kleinen Konflikte durchstehen. Wahrscheinlich gäbe es auch bei uns mehr Reibereien, wenn wir heute noch unter einem Dach leben würden.
Aber trotzdem gibt es eine Grenze, ab der das Meckern keine einfache Spannungsabfuhr mehr ist. Sondern Respektlosigkeit. Und ich sehe nicht, dass daraus irgendetwas Gutes entstehen könnte. Nur weil jemand vor seinen Freunden erzählt, wie inkompetent der Partner ist, wird der Konflikt nicht gelöst.
Auch wird die Beziehung nicht besser, wenn jemand regelmäßig den anderen lächerlich macht – gerade in Situationen, in denen der Partner nicht dabei ist. Im Gegenteil. Solche Sätze prägen auch, wie die sprechende Person über ihre eigene Beziehung denkt.
Wenn jemand oft genug sagt, der Partner sei unfähig, nervig oder egal, wird er ihn irgendwann wirklich so sehen. Und dann fällt mir immer noch eine andere Frage ein.
Wie können wir Respekt vom anderen erwarten, wenn wir ihn selbst nicht geben?
Ich behaupte nicht, dass jede Beziehung idyllisch sein muss. Konflikte sind normal, und manchmal will man einfach mal seinen Ärger loswerden. Aber vielleicht lohnt es sich, manchmal innezuhalten, bevor wir über unseren Ehepartner sprechen.
Und sich eine einfache Frage zu stellen: Wenn er dieses Gespräch hören würde, wäre er stolz darauf, wie ich über ihn rede? Und möchte ich, dass er so über mich mit anderen spricht? Wenn die Antwort nein ist, sollte man sich auch fragen: Wie soll eine Beziehung funktionieren, in der kein Respekt mehr füreinander da ist?











