Es zeigt sich: Für Männer ist eine romantische Beziehung viel wichtiger als für Frauen.
Was sagt die Wissenschaft?
Romantische Komödien und der Volksglaube meinen oft, Frauen seien die Beziehungssüchtigen – doch Studien zeigen etwas anderes. Forschende der Humboldt-Universität Berlin, der University of Minnesota und der Vrije Universiteit Amsterdam fanden in einer Umfrage mit über 50 heterosexuellen Paaren heraus, dass Männer mehr von einer Partnerschaft erwarten als Frauen und deshalb motivierter sind, einen Partner zu finden.
Männer profitieren mental und körperlich stärker von einer Beziehung und sind weniger geneigt, eine Trennung einzuleiten, die sie emotional stärker belastet.
Fakten
Elaine Hoan, Psychologin an der University of Toronto, bestätigt: Single-Männer weltweit, unabhängig von Kultur, haben größere Schwierigkeiten mit dem Alleinsein als Frauen.
Da Jungen von klein auf beigebracht wird, keine Traurigkeit, keinen Schmerz oder Verletzlichkeit zu zeigen – denn das gilt als Schwäche – verbergen sie auch als Erwachsene ihre Gefühle. Diese öffnen sie meist nur ihrem Partner, bleiben aber sonst mit ihren Sorgen allein. In den Kommentaren zum Artikel zeigen viele Frauen großes Verständnis.
Allein und verloren
Neulich sprach ich mit meiner Mutter und Schwägerin darüber, wie mein Mann ohne uns ein seelisches Wrack ist. Mein Vater teilt alle Sorgen mit meiner Mutter, mein Bruder mit seiner Freundin und mein Mann nur mit mir. Obwohl sie Freunde haben, sprechen sie nicht über Probleme bei der Arbeit oder den Schmerz, wenn ihr Hund stirbt. Vor Freunden schämen sie sich irgendwie, öffnen sich nur ihrem Partner. Als gäbe es etwas Peinliches daran, Gefühle zu zeigen…
Fehlende emotionale Mülltonne
Meiner Meinung nach liegt das Hauptproblem darin, dass die meisten Männer keine richtigen Freunde haben, höchstens Kumpel. Wenn wir etwas auf dem Herzen haben, erzählen wir es unserer Mutter, Schwester oder vielen Freundinnen. So sprechen wir uns die Sorgen aus und verarbeiten sie halbwegs.
Deshalb braucht es – um es mal direkt zu sagen – emotionale Mülltonnen. Männer haben aber außer ihrem Partner niemanden, mit dem sie ihre Probleme teilen können. Das erklärt auch die deutlich höhere Suizidrate bei Männern.

Zärtlichkeit
Von wem bekommen Männer Zärtlichkeit? Wir umarmen und küssen unsere Mütter, Schwestern, Freundinnen und Haustiere. Männer geben meist nur die Hand – sie bekommen liebevolle Berührungen fast ausschließlich von uns, ihren Partnerinnen. Vielleicht noch von der Mutter, die sie kaum sehen…
Freundeskreis
Ich fragte meine Freundinnen, wie viele Freunde ihre Männer haben und wie oft sie sich treffen. Während wir ständig im Gruppenchat quatschen, stundenlang telefonieren und uns regelmäßig sehen, treffen sich Männer kaum mit ihren Freunden. Sie haben wenige Freunde und sehen diese selten. Und wenn sie sich treffen, reden sie selten über sich, sondern über Angeln, Autos oder neue Videospiele.
Mein Mann und mein Bruder verstehen sich gut, treffen sich aber nur, wenn ich ein Familienfest organisiere. Sonst suchen sie nicht aktiv die Gesellschaft des anderen. Wenn etwas repariert werden muss, kommen Vater, Bruder oder mein Vater, Onkel und Bruder. Danach trinken sie ein paar Bier zusammen und genießen die Zeit, aber organisieren keine eigenen Treffen, wie ich es mit meiner Schwägerin, Schwiegermutter und Freundinnen mache. Unverständlich.
Extra Arbeit
Neben Haushalt und Kindern ist es auch Aufgabe der Frauen, die Therapeutinnen ihrer Männer zu sein und – wie für die Kinder – „Freundestreffen“ zu organisieren. Mein Mann hat Uni-Freunde, aber ohne unsere gemeinsamen Grillabende, Partys und Reisen würden sie sich wohl höchstens einmal im Jahr zum Trinken treffen. Männer vereinsamen ohne Frauen wirklich sehr.











