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Recht und Verantwortung zugleich: Darum und so spreche ich mit meiner Tochter über die diesjährige Wahl

Szabó Erzsébet5 Min. Lesezeit
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Recht und Verantwortung zugleich: Darum und so spreche ich mit meiner Tochter über die diesjährige Wahl — Familie
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Bei den diesjährigen Wahlen haben sich Gespräche zwischen meiner Tochter und mir entwickelt, die früher nicht zu unserem Alltag gehörten. Als Mutter wird mir immer klarer, dass es nicht die Frage ist, ob wir über Politik sprechen, sondern welches Vorbild wir hinterlassen.

Schweigen ist keine neutrale Haltung

Lange dachte ich auch, dass Politik eine zusätzliche Last sei, für die man einfach keine Kapazitäten hat. Wir arbeiten, erziehen Kinder, unterstützen oft ältere Eltern, jonglieren den Alltag und versuchen – im besten Fall – auch mal Zeit für uns selbst zu finden. In diesem Zustand ist es leicht zu sagen, Politik sei zu kompliziert, um sie wirklich zu verstehen, und zu spaltend, um sich mit gutem Gewissen für eine Partei oder einen Bürgermeisterkandidaten zu entscheiden.

Doch langsam wurde mir klar, dass Fernbleiben und Schweigen kein leerer Raum sind. Es ist auch eine Haltung – nämlich die der Vorbehalte – und oft das unausgesprochene Eingeständnis, sich der Verantwortung zu entziehen.

Ich erkannte, dass diese Einstellung nicht besonders erwachsen ist. Wenn wir nicht über unsere gemeinsamen Angelegenheiten sprechen, senden wir die Botschaft „Es ist uns egal“ und akzeptieren, dass Entscheidungen über uns woanders und von anderen getroffen werden.

Während viele Erwachsene und Eltern diese Haltung ganz selbstverständlich finden, sind die heutigen jungen Generationen – zumindest nach meiner Erfahrung – ganz anders. Kürzlich hörte ich gleich zweimal junge Menschen, die ganz natürlich und differenziert über Politik sprechen. In ihrem Alter habe ich mich mit allem beschäftigt – nur nicht mit Wahlen. Ich bin zwar wählen gegangen und habe die Ereignisse grob verfolgt, aber innerlich hatte ich das Gefühl, dass meine Meinung auf individueller Ebene sowieso keine Rolle spielt.

Heute will ich bei der politischen Bildung nicht mehr fehlen

Als Eltern tragen wir eine große Verantwortung dafür, wie unsere Kinder zu gemeinsamen Entscheidungen stehen werden. Nur weil wir nicht mit ihnen darüber sprechen, haben sie trotzdem eine Meinung – oft zusammengesetzt aus ungeprüften Quellen, Halbsätzen und Eindrücken von Gleichaltrigen. Das ist nicht unbedingt eine Katastrophe, aber die Situation ist komplexer. Zudem sendet Schweigen auch eine Botschaft: Es vermittelt, dass Politik etwas Geheimes ist, mit dem man sich besser nicht beschäftigt. Genau das möchte ich meiner Tochter nicht weitergeben.

Wählen ist gleichzeitig Recht und Verantwortung.

Man muss kein Fan davon sein und nicht jede politische Entwicklung minutengenau verfolgen, aber es ist wichtig zu verstehen, dass Entscheidungen unser Leben beeinflussen, die Zukunft unserer Kinder und die Lasten, die wir täglich tragen. Darüber zu sprechen ist keine politische Agitation, sondern die Grundlage dafür, ein Recht zu leben, für das unsere Vorgänger oft einen hohen Preis bezahlt haben. Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass Politik hierzulande und weltweit meist von Männern bestimmt wird. Wenn wir unser hart erkämpftes Wahlrecht nicht nutzen, wie sollen wir dann echte Vertretung erwarten?

Mutter und Tochter im Gespräch

Die ersten Erfahrungen: Gemeinsam an der Wahlurne

Meine Tochter hat mich bisher jedes Mal zum Wählen begleitet. Anfangs sprachen wir ganz einfach darüber, worüber Erwachsene bei Wahlen entscheiden und dass jeder mit seiner Stimme sagen kann, was ihm wichtig ist. Ich habe es nicht überfrachtet, wollte nicht mehr erklären, als ihr Alter zuließ, aber es war mir wichtig, dass es ein selbstverständlicher Teil unseres Lebens ist, gemeinsam hinzugehen, anzustehen, das Kreuz zu machen und den Umschlag einzuwerfen.

In diesem Alter zählt viel mehr das Erlebnis als der Inhalt. Dass Wählen kein geheimnisvolles, unerreichbares Ereignis ist, sondern eine ruhige, alltägliche Entscheidung, die auch uns betrifft.

Wenn man keine halben Antworten mehr geben kann

Dann kam die Zeit, in der ich immer mehr Fragen bekam – besonders jetzt, wo Politik uns praktisch von überall erreicht. Es ist ganz normal, dass Kinder neugieriger werden, je älter sie werden. In der Schule hören sie hier und da etwas, begegnen Plakaten, und politische Werbung macht auch vor Märchen nicht halt. Als Eltern müssen wir uns früher oder später damit auseinandersetzen. Dabei ist es besonders wichtig, dass wir selbst Klarheit haben, denn Kinder spüren sofort Unsicherheit oder Widersprüche. Das hat mich dazu gebracht, mich besser über aktuelle Themen zu informieren.

Experten empfehlen, mit älteren Kindern darüber zu sprechen, wie sich Wahlen auf ihr direktes Umfeld auswirken. Warum es wichtig ist, wen man wählt, und welche Folgen das für das Schulsystem, lokale Parks, unsere Umwelt, den Verkehr oder das Gesundheitssystem haben kann. Es lohnt sich, die Wahlprogramme der Parteien anzuschauen und zu überlegen, wie sich die Veränderungen in der eigenen kleinen Welt auswirken würden. Wenn Kinder den Zusammenhang zwischen ihrem Alltag und den Entscheidungen erkennen, verstehen sie wirklich, dass ihre Meinung zählt.

Jetzt ist Zeit für kritisches Denken und Diskussionskultur

Die Schulzeit ist eine ganz andere Bühne. Hier umgeben Jugendliche soziale Medien, Algorithmen und starke, oft extreme Meinungen. Deshalb ist eine der wichtigsten Aufgaben für Eltern, das kritische Denken zu fördern. Es geht nicht darum, ihnen vorzuschreiben, was sie denken sollen – das ist schon im Teenageralter fast unmöglich –, sondern darum, sie zu lehren, Informationen zu hinterfragen, Fakten von Meinungen zu unterscheiden und eine eigene Haltung zu entwickeln.

Bei jungen Erwachsenen ist es auch völlig in Ordnung, ihnen zu zeigen, wie wir selbst über bestimmte Themen denken, aber wir müssen immer betonen, dass sie nicht mit uns übereinstimmen müssen.

Sie dürfen streiten, fragen, zweifeln und ihre eigene Sichtweise entwickeln. Denn letztlich geht es bei Politik genau darum!

Respektvoller Umgang mit Meinungsverschiedenheiten ist mindestens genauso wichtig wie der politische Inhalt selbst, denn er bildet die Grundlage dafür, dass sie später verantwortungsbewusste, aktive Erwachsene werden.

Die stärkste Botschaft ist jedoch das, was wir tun, nicht das, was wir sagen. Egal, was wir behaupten, Kinder beobachten vor allem, wie wir uns verhalten. Wenn wir wählen gehen, uns informieren und nicht mit Hass über Andersdenkende sprechen, geben sie das weiter. Wenn nicht, dann das Gegenteil.

Deshalb spreche ich auch jetzt viel mit meiner Tochter über die diesjährige Wahl und alles, was wir für die Gemeinschaft tun. Damit sie weiß: Ihre Stimme zählt, ihre Fragen sind berechtigt, und wir haben sehr wohl Anteil an unseren gemeinsamen Angelegenheiten.

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