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Saisonale Appetitveränderung: Warum haben wir im Winter mehr Hunger?

Fehér Dia4 Min. Lesezeit
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Saisonale Appetitveränderung: Warum haben wir im Winter mehr Hunger? — Gesundheit

Mit jedem Winter spüre ich eine deutliche Veränderung in meinem Appetit: Er wächst einfach. Ich esse nicht nur mehr, sondern sehne mich auch nach anderen Speisen. Statt der leichten Frühlings- und Sommersalate bevorzugen wir nun gehaltvollere, kohlenhydratreiche Gerichte: Aufläufe, herzhafte Suppen – alles, was wärmt und satt macht.

Experten verraten, was hinter der auffälligen Veränderung unserer Essgewohnheiten im Winter steckt – und ob wir uns deswegen gesundheitlich Sorgen machen sollten.

Warum haben wir im Winter so oft mehr Hunger?

„Es ist klar erkennbar, dass bei kaltem Wetter der Appetit steigt und die Menschen eher zu schwereren, sättigenden Speisen greifen“, sagt Thanh Thanh Nguyen, Ernährungsberaterin bei Mendinground Nutrition, im Gespräch mit SELF.

Dazu zählen cremige Gerichte oder Speisen mit stärkehaltigem Gemüse, wie Käsenudeln oder Kartoffelpüree. Teilweise ist diese Denkweise kulturell verankert – nicht umsonst sprechen wir von der „Suppen-Saison“. Kurz gesagt:

„Im Winter mehr Hunger zu haben, ist völlig normal“, ergänzt Kathleen Moore, Ernährungsberaterin am Ohio State University Wexner Medical Center.

Moore erklärt, dass weniger Sonnenlicht und niedrigere Temperaturen eine Schlüsselrolle spielen, da sie sowohl den Appetit als auch die Stimmung beeinflussen – mal subtil, mal sehr deutlich. Janice Dada, Ernährungsberaterin und Beraterin für intuitives Essen, betont, dass saisonale Veränderungen individuell unterschiedlich sein können und nicht jeden gleich treffen, aber aufgrund der physiologischen Wintereffekte sehr verbreitet sind.

Frau isst einen Berliner mit Sonnenbrille

Wärmeproduktion (Thermogenese)

Um die ideale Körpertemperatur von etwa 37 °C aufrechtzuerhalten, muss dein Körper bei Kälte deutlich mehr leisten.

„Unser Stoffwechsel beschleunigt sich, und wir nutzen eine spezielle Fettart, das sogenannte braune Fett, als Brennstoff, um den Körper warm zu halten“, erklärt Dada.

Eine Studie aus dem Jahr 2014, veröffentlicht im Diabetes Journal, zeigt, dass gesunde Menschen mit vorhandenem braunen Fettgewebe ihren Ruheumsatz bei Kälteeinwirkung um bis zu 14 % steigern können, meist liegt die Schätzung zwischen 5 und 11 %. Das Besondere am braunen Fett ist, dass es Energie direkt in Wärme umwandeln kann.

Außerdem beginnt dein Körper zu zittern – unwillkürliche Muskelkontraktionen erzeugen Wärme, ähnlich wie bei Bewegung, wie eine Studie in Cell Metabolism zeigt. Egal wie genau der Mechanismus ist: Kälte lässt dich mehr Kalorien verbrennen, was den Appetit natürlich ankurbelt.

Frau isst Pommes auf der Straße

Die wärmeproduzierende Wirkung der Verdauung

Nguyen erklärt, dass die Verdauung selbst den Stoffwechsel ankurbelt und Wärme erzeugt. Die Fermentation, also der Prozess, bei dem Mikroorganismen im Darm komplexe Kohlenhydrate (wie Ballaststoffe) abbauen, kann pro Stunde bis zu 60 Kalorien Wärme produzieren.

„Eine Theorie besagt, dass wir deshalb bei Kälte öfter essen wollen, weil das Essen selbst ein wärmeproduzierender Prozess ist, der hilft, den Körper warm zu halten“, ergänzt Nguyen.

(Kein Wunder, dass Kältetherapie oft als „Wunderwaffe zum Fettverbrennen“ bezeichnet wird.)

Sinkender Serotoninspiegel

Im Winter bekommen wir weniger Sonnenlicht, was den Serotoninspiegel beeinflusst. Serotonin – oft als „Glückshormon“ bezeichnet – wird teilweise durch Sonnenlicht gebildet, daher kann sein Spiegel an kürzeren Tagen sinken. Das spielt auch bei der saisonalen Depression (SAD) eine Rolle. Eine Studie von 2014 fand heraus, dass Betroffene im Winter 5 % mehr eines Proteins (SERT) hatten, das die Wirkung von Serotonin hemmt.

Serotonin reguliert nicht nur die Stimmung, sondern wirkt auch als natürlicher Appetitzügler. Ein Mangel kann zu Überessen führen. Fühlt man sich seelisch schlecht, wird Essen schnell zur emotionalen Stütze.

Mädchen isst Burger in einem Restaurant

Warum sehnen wir uns gerade nach Kohlenhydraten?

Kohlenhydratreiche Lebensmittel lösen gleich mehrere Bedürfnisse: Sie liefern schnelle Energie und helfen, den erhöhten Stoffwechselbedarf zu decken. Das Gehirn bevorzugt bei Hunger besonders solche Speisen, die schnell sättigen. Außerdem erzeugt die Verdauung von Kohlenhydraten und Proteinen mehr Wärme als die von Fetten, und Kohlenhydrate helfen auch, den Serotoninspiegel zu erhöhen, was die Stimmung hebt.

Weitere Faktoren

Praktische, soziale und emotionale Gründe verstärken die saisonale Appetitveränderung: Im Winter sind andere Gemüsesorten verfügbar, Stress steigt, Festlichkeiten häufen sich, und die leichte Dehydration durch kalte, trockene Luft wird oft als Hunger fehlinterpretiert. Zudem bevorzugen wir instinktiv warme Speisen gegenüber kalten Salaten.

Wann sollte man sich Sorgen machen?

„Ein paar Kilo mehr im Winter sind normalerweise kein Grund zur Panik“, betont Dada. „Das ist eher der natürliche, saisonale Rhythmus des Körpers.“

Wenn du jedoch das Gefühl hast, dass das Essen außer Kontrolle gerät oder du deine Gefühle nur mit Essen bewältigst, ist es ratsam, professionelle Hilfe zu suchen. Übermäßiges Essen oder ständige Schuldgefühle können Warnzeichen sein.

Die wichtigste Botschaft: Winterlicher Hunger, das Verlangen nach kohlenhydratreichen Speisen und eine leichte Gewichtszunahme sind völlig normal. Hör auf die Signale deines Körpers, ernähre dich ausgewogen, trinke genug, tanke so viel Sonnenlicht wie möglich und bleib in Bewegung – vor allem aber sei liebevoll zu dir selbst.

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