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So fühlte es sich an, mit meinem 30 Jahre älteren Ich zu sprechen

Elisabeth Müller4 Min. Lesezeit
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So fühlte es sich an, mit meinem 30 Jahre älteren Ich zu sprechen — Lebensstil

In den letzten Jahren habe ich mich immer mehr für Spiritualität geöffnet – im Rahmen des gesunden Menschenverstands, aber mit ehrlicher Neugier. Oft stelle ich mir die ewigen Fragen: Warum bin ich hier? Welche Blockaden erschweren meinen Weg? und vor allem: Wie kann ich daraus lernen? Seit ich meine Einstellung geändert habe, habe ich oft das Gefühl, dass sich die Dinge um mich herum immer mehr fügen – und es scheint, als hätte auch das Glück sich mir angeschlossen.

Heute sehe ich in negativen Ereignissen keine Hindernisse mehr, sondern Chancen: ein Zeichen, dass ich an mir selbst noch arbeiten darf. Sicher hast auch du schon erlebt, dass eine Schwierigkeit dir am Ende viel mehr gegeben hat, als sie genommen hat. Damit will ich nicht sagen, dass wir uns über schlechte Dinge freuen sollen, aber diese Erkenntnis hilft mir im Alltag enorm. Und auf meinen Reisen zeigt sie sich immer wieder: Als könnte ich dank Herausforderungen kleine Stücke von mir selbst an verschiedenen Orten der Welt sammeln.

Eine Begegnung, die mehr als Zufall war

Neulich passierte auf einem kurzen Flug etwas, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte. Wir hatten keine Plätze nebeneinander reserviert, denn es ging nur um ein paar Stunden, und normalerweise genieße ich es, mich dann in mich selbst zu vertiefen: lesen, Musik hören oder einfach meinen Gedanken nachhängen. Doch diesmal sprach ich die Frau neben mir an. Ich weiß nicht warum, denn so etwas habe ich noch nie gemacht, aber ich hatte das Gefühl, dass der Blick auf den Balaton von hier aus so schön ist, dass sie ihn sehen muss.

Nahaufnahme einer jungen Frau, die beim Sonnenuntergang aus dem Flugzeugfenster träumt.

Schon nach dem ersten Satz hatte ich das Gefühl, wir kennen uns seit Ewigkeiten. Das war kein gewöhnliches, höfliches Gespräch zwischen Fremden. Wir sprachen sofort über Themen, die man sonst erst nach mehreren Treffen vorsichtig anspricht. Reise- und Leseerfahrungen wechselten schnell zu Numerologie, Astrologie und sogar Politik. Und doch fühlte sich das Gespräch so natürlich an, als wäre es selbstverständlich, darüber zu sprechen.

Zwischen den Büchern, die wir gelesen hatten, gab es viele Überschneidungen, und wir zogen dieselben Schlüsse. Wir waren uns einig bei Generationenfragen und der Situation im Bildungssystem. Während des Gesprächs musste ich oft lächeln – zum Beispiel, als ich sah, dass sie an ihrer linken Hand drei Edelsteinarmbänder trug – genau wie ich. Oder als sie erzählte, dass sie nach ihrer Scheidung nichts mitgenommen hat außer ihren Büchern. Einige stehen immer noch in großen Kisten, aber sie will sie nicht loswerden. Ich hatte erst diese Woche zu Hause gesagt, ich brauche ein neues Bücherregal, weil meine Bücher nicht mehr passen, aber ich würde mich nie von ihnen trennen.

Ein gemeinsamer Punkt auf der Wunschliste

Jordanien steht schon lange auf meiner Wunschliste. Irgendwie hatte ich immer das Gefühl, dass eine Reise dorthin mehr sein wird als nur ein Trip – dass sie eine tiefere Erkenntnis bereithält. Lange habe ich gezögert, doch vor Kurzem haben wir das Ticket gekauft und die Unterkünfte gebucht. Mein Herz schlägt jedes Mal schneller, wenn ich daran denke, wie es sein wird.

Und dann kam die nächste Bestätigung. Die Frau neben mir, die die Welt bereist hat (hoffentlich kann ich das in 30 Jahren auch von mir sagen), meinte: Jordanien ist der einzige Ort, an den sie jederzeit zurückkehren würde. Sie ist nicht religiös, aber auf dem Berg Nebo ist ihr etwas Besonderes, Tiefes und Unfassbares widerfahren. Da wusste ich, dass ich, wenn ich nächstes Jahr dort stehe, an sie denken werde.

Plötzlich merkte ich, dass ich nicht mit einer Fremden sprach, sondern mit meinem 30 Jahre älteren Ich. Einer erfahreneren, weiseren, aber immer noch leidenschaftlichen und bewussten Frau, die wie aus der Zukunft zurückgekehrt zu sein schien, um mir etwas zu zeigen. Beim Aussteigen stellte sich nebenbei heraus: Wir haben sogar denselben Vornamen.

Es ist schwer in Worte zu fassen, wie sich diese Begegnung anfühlte und wie besonders es war, so eine Reise zu beginnen, bei der wir vor allem der Herkunft und Vergangenheit der Menschheit nachgingen. Zum Abschied waren wir uns einig: Es gibt keine Zufälle.

Das Schicksal hat mir mit diesem Gespräch eine Erinnerung geschenkt – aber ich habe leider vergessen zu fragen, was es für sie bedeutet hat und warum diese gemeinsamen Stunden nötig waren.

Jedenfalls hat mich das Ganze erneut bestärkt: Jede Begegnung, jede Erkenntnis hat ihren Grund. Vielleicht liebe ich deshalb das Reisen so sehr. Auf jeder Reise, an jedem neuen Ort steckt die Chance, dem näher zu kommen, wer wir wirklich sind – auch wenn es meist nicht so ist, wie wir es erwarten.

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