Meinungsartikel: Barbara Weber
Ich würde mich selbst als positiven, lebhaften Menschen beschreiben – und trotzdem erwische ich mich manchmal in einer Gedankenspirale, aus der ich einfach nicht herauskomme. Das Gefühl, dass sich alles im Kreis dreht. Dass ich nur funktioniere, aber nicht wirklich lebe.
Früher dachte ich, ich bräuchte dafür große Lösungen: eine Reise, einen freien Tag, eine echte Veränderung. Inzwischen habe ich aber gemerkt: Oft sind es erstaunlich kleine Dinge, die meine Stimmung wenden können. Kleinigkeiten, die von außen vielleicht unbedeutend wirken – die mir innerlich aber sagen: Du bist nicht im Überlebensmodus. Du lebst.
Und manchmal reicht genau das.
Ein ungewöhnliches Abenteuer mit meiner Tochter
Eines der wirksamsten Mittel, das ich kenne: den gewohnten Tagesablauf einfach ein bisschen durcheinanderbringen – zusammen mit meiner Tochter. Kein großes Event nötig, ganz im Gegenteil. Oft ist das Spontane das Schönste daran.
Mal gehen wir nach der Schule nicht direkt nach Hause, sondern schauen uns einen Film an. Ein anderes Mal besuchen wir endlich das Museum, über das wir schon seit Monaten reden. Oder wir nehmen einfach einen Umweg nach Hause und suchen uns einen Spielplatz, den wir noch nie gesehen haben.
Der eigentliche Kern dieser Momente ist nicht das Programm selbst – sondern das Gefühl, das dabei entsteht. Dieses stille Einverständnis: Wir haben heute die Routine gebrochen. Wir gehen nicht nur von einem Pflichtpunkt zum nächsten, sondern tun etwas einfach deshalb, weil es uns gut tut.
Ich liebe diese Stimmung. Und interessanterweise werden aus genau diesen kleinen Umwegen oft unsere liebsten gemeinsamen Erinnerungen.
Das Kleidungsstück, das ich nie zu tragen gewagt habe
Ich bin sicher, dass nicht nur in meinem Kleiderschrank Teile hängen, die noch nie das Tageslicht gesehen haben. Zu auffällig, zu bunt, zu gewagt – oder ich habe mir eingeredet, ich hebe sie für einen besonderen Anlass auf.
Nur: Dieser besondere Anlass kommt oft nicht von allein.
Wenn ich einen kleinen Stimmungsschub brauche, greife ich manchmal bewusst zu genau diesen Teilen. Nicht, um im Abendkleid zum Gemüsehändler zu gehen – eher als kleines Spiel mit mir selbst. Ein knalliger Lippenstift, ein neonfarbener Pullover, besondere Ohrringe oder ein Rock, den ich für den Alltag immer zu mutig fand. Das reicht, um mir das Gefühl zu geben: Heute ist kein gewöhnlicher Tag.
Nicht weil sich plötzlich alles verändert hat – sondern weil mich dieser kleine visuelle Wechsel aus dem Gefühl herausholt, dass jeder Tag identisch ist. Manchmal braucht man nur eine Kleinigkeit, um mit einer anderen Energie aus der Tür zu gehen.
Ein kleiner Luxus, den ich mir nicht „verdienen" muss
Ich neige – wie viele – dazu, schöne Dinge an Bedingungen zu knüpfen. Ich ruhe mich aus, wenn die Arbeit erledigt ist. Ich gönne mir etwas, wenn ich produktiv war. Ich schalte ab, wenn ich wirklich am Limit bin.
Das versuche ich gerade abzulegen.
Manchmal gönne ich mir etwas Kleines einfach deshalb, weil ich es brauche. Einen guten Kaffee unterwegs, ein Stück Kuchen an einem ganz normalen Dienstag, frische Blumen auf dem Tisch, ein längeres Bad am Abend. Dinge, für die ich früher gesagt hätte: Das ist unnötig.
Aber das stimmt nicht.
Lebensfreude entsteht selten durch große Veränderungen. Sie entsteht viel öfter dadurch, dass wir uns Freude erlauben – ohne sie uns vorher verdienen zu müssen.











