Wenn ich ein großes Ziel erreiche, ist da oft weniger Euphorie als erwartet. Der Stress davor war real – die Erleichterung danach irgendwie flach. Irgendwann habe ich mich gefragt: Was, wenn ich Glück an der völlig falschen Stelle suche?
Ich war so damit beschäftigt, Aufgaben abzuhaken und zu „funktionieren", dass ich völlig verlernt hatte, die Momente wahrzunehmen, die mich wirklich aufladen. Inzwischen versuche ich das ganz bewusst wieder zu üben. Nicht mit großen Veränderungen – sondern mit kleiner, aufmerksamer Präsenz.
Und ausgerechnet diese Kleinigkeiten geben mir mittlerweile am meisten.
Gutes Essen, das ich nicht im Vorbeigehen runterschlinge
Lange war Essen für mich vor allem Logistik. Schnell etwas zwischen zwei Terminen hineinwerfen, mit einer Hand zu Abend essen während ich nebenbei Nachrichten beantworte, oder abends automatisch snacken, weil ich zu erschöpft bin, um noch bewusst irgendetwas zu tun.
Dabei kann ein gutes Essen unglaublich viel Freude machen – wenn man wirklich dabei ist.
Es muss kein Restaurantbesuch sein. Manchmal reicht ein frisches Croissant und ein guter Kaffee am Morgen, um den Tag anders zu beginnen. Ein Pastagericht, das ich mir mit echter Freude koche. Die erste Erdbeere im Frühsommer. Oder einfach: hinsetzen und essen, ohne gleichzeitig noch drei andere Dinge zu erledigen.
Früher hätte ich das als unnötigen Luxus abgetan. Heute spüre ich, dass mich diese kleinen sinnlichen Momente zurück in mein eigenes Leben holen. Sie erinnern mich daran, dass ich nicht nur hier bin, um zu funktionieren.
Die echten Momente mit meiner Tochter
Als Elternteil rutscht man schnell in einen Modus, in dem „gemeinsame Zeit" hauptsächlich aus Organisation besteht. Aufbruch, Anziehen, Abendessen, Schlafritual, Logistik. Man ist körperlich zusammen – aber gedanklich oft ganz woanders.
Was ich jetzt bewusst suche, sind diese kleinen, aber echten Verbindungsmomente mit meiner Tochter.
Die Momente, in denen wir uns wirklich wahrnehmen.
Ein Abendgespräch auf dem Bettrand. Ein gemeinsames Lachen über etwas völlig Absurdes. Wenn sie beim Spazierengehen plötzlich anfängt, mir etwas zu erzählen, das ihr wichtig ist – und ich nicht auf mein Handy schaue, sondern wirklich zuhöre.
Von außen mögen das unbedeutende Augenblicke wirken. Für mich sind es oft die wärmsten Erinnerungen des Tages.
Bewegung an der frischen Luft
Früher war Sport für mich eng mit Leistung verknüpft. Wie viele Kalorien habe ich verbrannt? War das Training effizient genug? Habe ich Fortschritte gemacht? Heute suche ich Bewegung vor allem deshalb, weil ich spüre, wie gut sie meinem Nervensystem tut.
Draußen zu sein hilft enorm dabei, wieder zu sich selbst zu finden. Ein Spaziergang, ein lockerer Lauf, Radfahren – oder einfach nur den Wind zu riechen und für eine Weile nicht zwischen vier Wänden zu sitzen.
Besonders stark merke ich das, wenn ich zu viel Zeit vor Bildschirmen verbracht habe. Als würde mein Körper irgendwann schlicht etwas Menschlicheres einfordern: Sonnenlicht, Bewegung, Luft.
Und das Interessante: Danach bin ich selten körperlich erschöpft – aber mental deutlich leichter.
Abende, an denen ich nicht „produktiv" sein muss
Lange habe ich jede freie Stunde als ungenutztes Potenzial betrachtet. Ich sollte lesen, lernen, wachsen, produktiv sein. Selbst aus der Erholung hatte ich ein Projekt gemacht.
Inzwischen erlaube ich mir Abende, an denen ich einfach nur existiere.
Eine Serie schauen. Früh ins Bett gehen. Einen Podcast hören. Kein Optimieren, kein Leisten, kein Versuch, aus jeder Stunde das Maximum herauszuholen.
Es hat mein Leben überraschend bereichert, nicht mehr aus jedem Moment mehr machen zu wollen, als er ist. Manchmal ist genug einfach genug – und das fühlt sich besser an als jeder Erfolg.











