Selbstbewusst war ich nie wirklich. Dabei steckt hinter mir eine ernsthafte Bühnenvergangenheit – und trotzdem war das Vertrauen in mich selbst irgendwie immer mein blinder Fleck. Manchmal packe ich Herausforderungen mit einer Energie an, die mich selbst überrascht. Und dann gibt es Tage, an denen schon der Gang zum Supermarkt wie eine Mutprobe wirkt. Ein seltsamer Widerspruch – aber mit der Zeit und viel Arbeit an mir selbst verstehe ich ihn immer besser. Und weil mein Leben mich ständig zwingt, über meine Grenzen hinauszugehen, tue ich es. Immer wieder.
Wenn das Leben sagt: falscher Weg
Anfang Dezember bin ich einfach aufgebrochen – ohne Plan, ohne Vorbereitung. Die Hindernisse, die sich vor mir auftürmten, wirkten so groß und so viele, als würde das Leben mir laut zurufen: Du bist auf dem falschen Weg. Und trotzdem spürte ich tief in mir, dass ich irgendwann ankommen würde. Dass ich es schaffe – wie immer. Es blieb mir also gar nichts anderes übrig, als mir selbst zu vertrauen und weiterzugehen.
Zurück auf Null – und das war nötig
Aber zuerst musste ich meinen Ausgangspunkt finden. Einen Moment ganz für mich, ohne Einflüsse von außen. Ich wollte allein mit meinen Gedanken sein und endlich wieder meine eigene Stimme hören. Die Sehnsucht nach Natur war überwältigend: Sonne, Vogelgezwitscher, eine leichte Brise. Natürlich – ausgerechnet mitten im tiefsten Winter, als Schneeverwehungen uns tagelang im Ort festhielten.
Gran Canaria ruft
Der Gedanke, einfach irgendwo Warmes hinzufliegen, ließ mich nicht mehr los. Früher haben mein Mann und ich immer individuell gereist – doch als ich anfing, Unterkünfte zu recherchieren, fühlte ich mich sofort wieder überfordert. Zum Glück kannte ich jemanden, der in einem Reisebüro arbeitet. Ich nannte meine Wünsche, sie buchte das passende Hotel – und innerhalb weniger Minuten war alles erledigt. Gran Canaria wartete auf mich. Jetzt musste ich nur noch hinkommen.
Allein am Gate – und innerlich am Zittern
Ich war noch nie alleine geflogen. Der Ablauf war mir theoretisch bekannt – aber als ich allein vor dem Terminal stand, sah die Welt ganz anders aus. Billigflieger, Reisebüros, Bordkarten, Handgepäckkontrollen – alles fremd. Und dann die Panik: Ich fand den Reiseleiter nicht in der riesigen Menschenmenge, wusste nicht, wie ich meine Bordkarte bekomme, fragte mich, ob mein Handgepäck akzeptiert wird oder ob es in den Rahmen passt. Mein Kopf produzierte Katastrophenszenarien im Sekundentakt. Innerlich zitterte ich, stand ständig kurz vor den Tränen. Ich war ohnehin nicht in der besten Verfassung – das machte alles schwerer.
Das Fremdkörper-Gefühl im Urlaub
Die Zweifel hörten auch im Hotel nicht auf. Allein frühstücken gehen – klingt simpel, oder? Ich manage komplexe Projekte, trage Verantwortung für Teams, organisiere Events. Und trotzdem: In dieser alltäglichen Situation war ich wie eingefroren. Dazu kam das Gefühl, ein Fremdkörper zu sein. An einem Ort, wohin Menschen mit Partnern oder Familien kommen, fällt eine Frau allein auf. Das war keine Einbildung – mehrere Leute fragten mich direkt danach. Und weil ich kaum Zeit hatte, mich auf die Reise vorzubereiten, musste ich fast die ganze Zeit arbeiten. Auch das fiel auf. Ich bemerkte die mitleidigen Blicke, die halben Lächeln. Der Gedanke, dass es vielleicht immer so sein würde – allein reisen, Fragen beantworten, seltsame Blicke kassieren – war wirklich schwer auszuhalten.
Am dritten Tag passierte etwas
Dann, ungefähr am dritten Tag, begann ich anzukommen. Wirklich anzukommen. Mein Arbeitsplatz war ein Café direkt am Ozean, und jeden Tag konnte ich stundenlang am Strand entlanglaufen. Das Personal umsorgte mich, als müssten sie mich vor irgendetwas beschützen. Ohne dass ich fragen musste, brachten sie mir meinen Lieblingskaffee, mein Lieblingsgetränk – und mittags erinnerten sie mich daran, dass ich essen sollte. Und dann war da noch Raoul, der Rettungsschwimmer, der alle halbe Stunde dafür sorgte, dass ich keine Sekunde vergaß, wie schön er mich fand. Ich taute so sehr auf, dass ich mir spontan eine Tagesausflug-Tour über die Insel buchte – obwohl ich eigentlich geplant hatte, das Hotelgelände kaum zu verlassen.
„Fake it till you make it."
In den acht Tagen auf Gran Canaria habe ich viel über mich gelernt. Die Insel hat mir bestätigt: Manchmal muss man sich bewusst eine andere Brille aufsetzen und die Welt durch sie betrachten – fake it till you make it. Und ich muss nicht zusammenbrechen, wenn mir beim ersten Versuch der Mut fehlt. Denn bisher hat sich immer wieder gezeigt: Wenn du einen Schritt machst, öffnet sich die Welt.
So sehr ich mir gewünscht hatte, dass die Kanaren mir ein klares Zeichen geben – eine Bestätigung, dass ich auf dem richtigen Weg bin –, muss ich ehrlich sagen: Das ist nicht passiert. Aber die Reise hat mir enormen Schwung gegeben. Das Gefühl, auch an einem anderen Ende der Welt, allein, nicht verloren zu sein – und Menschen zu finden, auf die man zählen kann, war unbezahlbar. Vielleicht ist Selbstvertrauen kein fester Zustand, sondern etwas, das man lernen kann. Eines ist sicher: Ich habe keine andere Wahl – denn meine Komfortzone habe ich in den letzten Monaten galaxienweit hinter mir gelassen.











