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Ich hätte nie gedacht, dass mich ein einziger Tag im Kajak mehr auflädt als eine ganze Wellness-Woche

Szabó Erzsébet5 Min. Lesezeit
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Ich hätte nie gedacht, dass mich ein einziger Tag im Kajak mehr auflädt als eine ganze Wellness-Woche — Lebensstil
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Viele schwören auf reines Nichtstun im Urlaub. Ich nicht. Lange Wellness-Tage haben mich nie wirklich aufgeladen – ich war schon immer der Typ für aktive, bewegte Reisen. Und trotzdem hätte ich nie gedacht, dass mich ausgerechnet ein einziger Tag auf dem Wasser tiefer entspannen würde als jede Massage.

Nach einem vollen, hektischen Frühsommer wollte ich eigentlich etwas Ruhiges, Gewohntes unternehmen. Doch das Schicksal – und eine Gruppe von Bekannten – hatte andere Pläne. So kam es, dass ich einer spontanen Eingebung folgte und Ja zu einer geführten Tageskajaktour sagte.

Wenn die Komfortzone rebelliert

Meine anfängliche Begeisterung wurde schnell von Zweifeln überschattet. Schon beim Packen dachte ich mehr als einmal, dass ich mir vielleicht zu viel zugemutet hatte. Ich hatte Angst vor den Mückenschwärmen, vor der drückenden Sommerhitze und vor allem vor dem Paddeln selbst – denn ich war erst vor Kurzem operiert worden und dosiere körperliche Anstrengung seitdem sehr vorsichtig.

Am Ende gab es kein Zurück mehr. An einem stimmungsvollen privaten Steg setzten wir die Kanus ins Wasser. Und als die ersten Wellen sanft gegen den Bootsrumpf schwappten, begannen meine Ängste langsam zu verfliegen.

Ein echter Glücksfall: Weil unser Team nur aus drei statt der eigentlich passenden vier Personen bestand, setzte sich unser Tourguide als Steuermann zu uns. Das gab mir nicht nur ein enormes Gefühl von Sicherheit beim Slalom zwischen den umgestürzten Bäumen – es bedeutete auch, dass wir alle lokalen Geheimnisse und spannenden Geschichten aus erster Hand hören durften.

Kein Wunder also, dass auch das Paddeln überraschend leicht und harmonisch von der Hand ging. Auf den offeneren Abschnitten flogen wir förmlich dahin und erreichten stellenweise sogar zehn Stundenkilometer – ein unglaublich befreiendes, fließendes Gefühl.

Wo das Handynetz endet und die Natur übernimmt

Die wildromantische Welt dieser Flusslandschaft zog mich vom ersten Moment an in ihren Bann. Kaum waren wir in das dichte, üppig grüne Labyrinth aus Ästen und Wasserarmen eingetaucht, verstummten der Lärm der Stadt und das ständige Rauschen in meinem Kopf auf einen Schlag.

Hier gab es keine ständige Suche nach Empfang, keine blinkenden Benachrichtigungen, und mir kam nicht einmal in den Sinn, meine E-Mails zu checken. Meine Sinne waren vollständig vom beruhigenden Plätschern des Wassers und den Wundern der Natur eingenommen. Egal, wohin ich blickte – überall gab es etwas Schönes, Faszinierendes zu entdecken.

Wer wissen möchte, warum das im Alltag oft so schwerfällt, findet Antworten in unserem Beitrag darüber, warum echtes Abschalten im Urlaub oft so schwer ist.

Auch das Wetter zeigte sich von seiner gnädigsten Seite: Statt erdrückender Hitze bekamen wir angenehme 23 bis 25 Grad. Und als es unterwegs einmal zu regnen begann, zogen wir uns einfach ans Ufer unter einen riesigen Maulbeerbaum zurück – von dessen Ästen wir sogar süße Früchte naschen konnten.

Mittagessen vor einer Biberburg

Diese Gegend birgt märchenhafte Wunder, wie ich sie auf meinen früheren Wassertouren nirgends gesehen habe – und ich war schon an einigen schönen Orten paddeln. Dazu brauchte es natürlich das Wissen unseres Guides, der uns auf versteckte, verborgene Wege führte.

Hautnah durften wir die unberührte Tierwelt bewundern: Wir sahen eine Biberburg, brütende Graureiher, ganze Familien von Schwänen und Wildenten – während zwischen den Wasserpflanzen die unterschiedlichsten Fische und Frösche umherhuschten.

Zur Mittagszeit erlebten wir dann ein geradezu magisches Ritual: Alle sieben Kanus navigierten nebeneinander, wir hakten uns auf dem Wasser fest ineinander ein und verspeisten so, als ein einziges großes, wiegendes Floß, unsere Butterbrote an einem windgeschützten, stillen Abschnitt.

Als Höhepunkt des Tages legten wir schließlich an einem versteckten, seichten Sand-Kies-Strand an, wo wir im Schatten der Bäume die Füße ins erfrischende Wasser baumeln ließen – und die Mutigeren sprangen sogar hinein.

Am Ende des Tages steckte mir die körperliche Erschöpfung von Kopf bis Fuß in den Knochen. Doch mental erlebte ich eine klare, reine Erfrischung, nach der ich mich schon sehr lange gesehnt hatte. Mir ist klar, dass das nicht für jeden die perfekte Erholung ist – ich vermute, auch in unserer Gruppe war jemand dabei, der zum ersten und letzten Mal bei so einem Programm mitgemacht hat. Und ja, manchmal braucht man einfach den Komfort eines Hotels.

Für mich aber haben diese vier bis fünf Stunden aktives Paddeln den Kopf vollständig freigemacht: Ich hatte plötzlich für alles Zeit – nur nicht dafür, über Aufgaben oder Sorgen zu grübeln. Mehr kann man von einem freien Tag wohl kaum erwarten.

Kann eine Kajaktour wirklich besser entspannen als ein Wellnessurlaub?

Für Menschen, die aktive Erholung dem reinen Nichtstun vorziehen, durchaus. Die Kombination aus Bewegung, Naturerlebnis und dem völligen Abschalten vom Handy kann eine tiefe mentale Erfrischung bewirken – auch wenn es nicht für jeden das Richtige ist.

Muss man sportlich sein, um an einer geführten Kajaktour teilzunehmen?

Nicht unbedingt. Auf den offeneren Abschnitten geht das Paddeln überraschend leicht, und ein erfahrener Tourguide als Steuermann gibt viel Sicherheit – gerade an kniffligen Stellen zwischen umgestürzten Bäumen.

Was macht eine geführte Tour besonders wertvoll?

Der Guide kennt versteckte Wege und lokale Geschichten, die man allein nie entdecken würde. Dadurch erlebt man die unberührte Tier- und Pflanzenwelt hautnah und fühlt sich zugleich sicher.

Wie lange dauert so eine Tageskajaktour?

In diesem Fall waren es rund vier bis fünf Stunden aktives Paddeln, unterbrochen von einer gemeinsamen Mittagspause auf dem Wasser und einem Stopp an einem versteckten Strand.

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