Wenn man sich in der Welt umschaut, ist es keineswegs selbstverständlich, dass Frauen überall wirklich gleiche Rechte haben. Und ich glaube auch nicht, dass wir uns entspannt zurücklehnen können, als hätten wir die Gleichstellung schon erreicht.
Einerseits ist es wohl einleuchtend, dass Frauen zwar gesetzlich die Möglichkeit haben, ihren freien Willen durchzusetzen, es aber für weniger gebildete, finanziell abhängige oder Minderheitenfrauen deutlich schwerer ist. Andererseits lebt, wer glaubt, dass Frauen mit gleichen Rechten auf dem Papier plötzlich auch in gesellschaftlichen Gesprächen als gleichwertige Partnerinnen gesehen werden, in einer Traumwelt, die zwar angenehm, aber fernab der Realität ist.
Gewalt gegen Frauen ist auch heute ein brennendes Problem – nicht nur in Entwicklungsländern, sondern auch in der Europäischen Union. Und es gibt jetzt handfeste Beweise, dass die Lage hierzulande so schlimm ist, wie viele vermuteten.
In Ungarn erleiden Frauen nämlich am häufigsten psychische, körperliche (inklusive Drohungen) und sexuelle Gewalt durch intime Partner – das zeigt die frisch veröffentlichte Studie von Eurostat, der EU-Agentur für Grundrechte (FRA) und dem Europäischen Institut für Gleichstellungsfragen (EIGE), die zwischen 2020 und 2024 durchgeführt wurde.
Dass viele, sehr viele beim Lesen dieser Zeilen instinktiv reagieren werden mit „Das stimmt bestimmt nicht“, „Propaganda“ oder „Na klar, jetzt wird jede Gewalt gezählt“, zeigt sehr deutlich, warum wir hier stehen, wo wir stehen.

Was können wir gegen häusliche Gewalt tun?
Damit häusliche Gewalt zurückgeht, brauchen wir zuerst – auch wenn ich kein Experte bin – vor allem eins: die Anerkennung, dass ein Problem besteht. Und die Bereitschaft, unsere eigene Verantwortung anzunehmen.
Es mag sein, dass diese Frauen von ihrem Partner misshandelt werden, aber ich halte es für unmöglich, dass ein Land diese traurige Statistik anführt, in dem Gewalt oder Misshandlung von Frauen gesellschaftlich völlig tabu wären. Wir müssen akzeptieren, dass neben dem Täter auch die Gesellschaft mitverantwortlich ist, die wegschaut, schweigt und Ausreden sucht. Wer schweigt, macht sich mitschuldig.
In einem Land, in dem vor einigen Jahren im Parlament noch gesagt wurde, Frauen würden erst Respekt verdienen, wenn sie Kinder geboren hätten, in dem die Polizei Misshandelten signalisiert, sie seien selbst schuld, in dem Opfer von Missbrauch immer noch gefragt werden, was sie anhatten oder warum sie erst jetzt sprechen – da haben wir kaum Hoffnung, häusliche Gewalt zurückzudrängen.
Der erste Schritt zur Veränderung ist die Anerkennung, dass Veränderung nötig ist. Dass wir den Opfern zuhören, bevor wir Ursachen und Umstände analysieren, und gesellschaftliche Gewalt von vornherein ablehnen – ohne Ausnahmen, ohne Relativierungen.
Der nächste Schritt ist, ehrlich mit uns selbst zu sein und uns zu fragen: Warum habe ich geschwiegen, obwohl ich hätte sprechen können? Was habe ich getan, um eine Gesellschaft zu erhalten, in der Gewalt Alltag ist? Und wenn wir das geschafft haben, können wir endlich fragen: Was kann ich tun, damit sich etwas ändert?
Wenn du Hilfe brauchst, kannst du dich an folgende Stellen wenden:
- NANE-Hotline für misshandelte Frauen: 06 80 505 101
- Nationaler Krisen-Informationsdienst: 06 80 20 55 20, [email protected]
- PATENT Verein Rechtshilfe: 06 70 220 2505 mittwochs 16–18 Uhr, donnerstags 10–12 Uhr, [email protected]
- Ungarische Telefonseelsorge (LESZ): 116-123, +36 80 810-600, rund um die Uhr, aus allen Netzen kostenlos erreichbar.











