Coverfoto: Szupermodern Studio
„Ungarische Hochzeit“ startete am 22. Januar, dem Tag der ungarischen Kultur, in den Kinos. Ein Film, der nicht nur eine Liebesgeschichte erzählt oder leichte Unterhaltung verspricht, sondern auch tief in ungarische Traditionen, Gemeinschaftsrituale und unausgesprochene Traumata eintaucht.
Grundgeschichte – Von Budapest nach Siebenbürgen
Basierend auf dem Drehbuch von Miksa Békési, bringt uns der von Fórum Hungary vertriebene Film zurück ins Jahr 1980. Wir begleiten zwei junge Männer aus Budapest, András und Péter, die in ein Dorf in Kalotaszeg, Siebenbürgen, reisen, scheinbar nur, um an der Hochzeit von András’ Cousine teilzunehmen. Doch der kurze Ausflug entwickelt sich schnell zu einem lebensverändernden Abenteuer, das die Protagonisten vor immer ernstere Entscheidungen stellt.
Der Film ist mit etwa anderthalb Stunden nicht lang, aber keine einzige Minute fühlt sich überflüssig an.
Wichtig: Im Folgenden enthält der Artikel Spoiler.
Ohne große Erwartungen, aber offen ging ich ins Kino
Um ehrlich zu sein, bin ich ohne große Erwartungen ins Kino gegangen. Ich erwartete einen ungarischen Film, der entspannt und aus dem grauen Alltag entführt. Besonders positiv war, dass ich die Hauptdarstellerin Franciska Törőcsik und Tamás Kovács schon aus anderen Produktionen kannte und sie mich nie enttäuscht hatten.
Zur Vorführung am Freitag gab es bereits einige Kritiken, darunter auch einige sehr negative Stimmen. Ich entschied mich jedoch, nicht vorschnell zu urteilen. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich so gehandelt habe.
Kati und Péter – eine Beziehung, die funktioniert
Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Péter und Kati. Kati möchte aus Siebenbürgen nach Budapest ziehen. In ihrer Zeit und Umgebung gibt es dafür nur eine realistische Möglichkeit: Wenn sie heiratet. Dabei hilft ihr ihr Cousin András, der mit ein wenig Überredungskunst seinen Freund, den Volkstänzer und Musiker Péter, dazu bringt, die Rolle des „Bräutigams“ zu übernehmen.
Zwischen den beiden Hauptfiguren stimmt von Anfang an die Chemie. Obwohl sie anfangs eine Zweckgemeinschaft planen, wirkt das nicht erzwungen oder künstlich – es funktioniert einfach. Ihre Liebe entwickelt sich größtenteils während der Hochzeit von Katis Schwester Erzsi und den Vorbereitungen dazu.
Besonders positiv ist, dass der Film auf unnötige Unsicherheiten verzichtet: Kati und Péter wenden sich nicht gegeneinander, und es gibt keine künstlichen Konflikte. Ihre Beziehung bleibt durchgehend glaubwürdig.
Wenn hinter der ländlichen Idylle Dunkelheit lauert
Der Film bleibt jedoch nicht bei der romantischen Ebene stehen. Es gibt eine sehr ernste Schicht, die besonders deutlich wird, als sich zeigt, warum Kati eigentlich aus dem Dorf fliehen will.
Hier folgt die wichtigste Wendung des Films!
Katis früherer Verehrer, Gyuri, hat sie sexuell missbraucht. Er versucht, das herunterzuspielen, indem er sagt, er sei betrunken gewesen und werde sie sowieso heiraten. Die Gemeinschaft steht auf seiner Seite, während Kati schweigt: Sie traut sich nicht, es ihren Eltern zu erzählen, und fürchtet das Urteil der Dorfbewohner.
Diese Handlung zeigt schmerzlich vertraute Muster und besonders stark ist der Widerspruch, wie die Gemeinschaft Gyuri in einem guten Licht darstellt, obwohl er eigentlich ausgeschlossen werden müsste – statt zuzulassen, dass er seine Opferin zur Ehe zwingt.
Tradition, Musik, Atmosphäre
Die Trachten sind wunderschön und mit großer Sorgfalt gefertigt, die Musikauswahl unterstützt die Stimmung hervorragend. Früher interessierte ich mich nicht besonders für Volkskultur – abgesehen von meiner Liebe zu ungarischen Volksmärchen –, doch der Film hat mir diese Welt nähergebracht.
Ich selbst habe in Grenznähe schon an Festen teilgenommen, bei denen reichlich Pálinka getrunken wurde und es fragwürdige Verhaltensweisen gab. Der Film zeigt solche Umgebungen offen, hätte aber mutiger sagen können: Nur weil das häufig vorkommt, heißt das nicht, dass es in Ordnung ist. Und es bedeutet auch nicht, dass jeder Alkohol zum Abschalten braucht oder dass man trinken muss, wenn es einem aufgedrängt wird.
Schauspielerische Leistungen
Franciska Törőcsik ist meiner Meinung nach eine großartige Schauspielerin, und das hat sie auch hier bewiesen. Katis Figur ist zugleich stark und verletzlich und bleibt durchgehend glaubwürdig. Tamás Kovács als Péter bildet einen guten Gegenpol, und die Nebenrollen – darunter Barnabás Rohonyi, Zsombor Kövesi und Zsolt Anger – überzeugen durch solide Darstellungen.
Glückliches Ende – und das ist in Ordnung so
Der Film endet schließlich glücklich. Ich kann gut verstehen, wenn manche das zu idealisiert finden, aber in diesem Fall passt es für mich. Die Geschichte will nicht mehr sein, als sie ist: ein Film, der unterhalten möchte, dabei aber auch zum Nachdenken anregt und Raum zum Durchatmen lässt.
Für wen empfehle ich ihn?
Auf jeden Fall für alle, die als Ungarn ein bisschen abschalten wollen, aber auch kein Problem damit haben, wenn ernstere Themen angesprochen werden. Auch für diejenigen, die sich eigentlich nicht für Volkstanz interessieren – dieser Film könnte sie dafür begeistern.
Viele in meinem Umfeld haben von vornherein Vorbehalte gegenüber ungarischen Filmen, aber „Ungarische Hochzeit“ ist meiner Meinung nach ein gelungenes, sympathisches Werk, das ich gern nochmal sehen würde. Und vielleicht sind es gerade solche Filme, die helfen können, Vorurteile abzubauen.











