Was wäre, wenn du dein Selbstvertrauen wieder stärken könntest, indem du bestimmte Gewohnheiten ablegst? Der koreanische Psychiater Dr. Yoon Hong Gyun hat in seinem Buch The Self-Esteem Class: Simple Lessons for a Lifetime of Contentment drei solcher Gewohnheiten identifiziert – und vor allem erklärt, wie du sie dauerhaft loslassen kannst. Hier sind die Gewohnheiten, die dein Selbstvertrauen schwächen können.
Vorweggenommene Niederlage
Unter Stress oder Angst neigen viele dazu, Situationen zu überreagieren und sie schlimmer wahrzunehmen, als sie wirklich sind. „Wer zum Katastrophisieren neigt, vergrößert das Problem und verzweifelt frühzeitig, gibt auf“, erklärt Dr. Yoon Hong Gyun. „Viele glauben, sie seien gescheitert, weil sie hoffnungslos sind – tatsächlich wirken sie hoffnungslos, weil sie aufgegeben haben.“
Um besser mit solchen Reaktionen umzugehen, empfiehlt der Experte, sich den tiefsten Ängsten zu stellen – etwa vor Tod, Einsamkeit oder finanziellen Zusammenbrüchen. Da das nicht leicht ist, schlagen manche Therapeuten vor, immer wieder dieselbe Frage zu stellen: „Was denkst du, wird als Nächstes passieren?“ Oft zeigt sich, dass nicht die Angst selbst das Problem ist, sondern die Furcht vor einer Katastrophe.
„Wenn du genau benennen kannst, wovor du Angst hast, erkennst du, dass die Situation kontrollierbar ist. Wenn du diffuse Angst in konkrete, realistische Sorgen verwandelst, kannst du Lösungen finden oder die Angst loslassen“, ergänzt Dr. Hong Gyun. Anders gesagt: Wenn du deine Ängste erkennst und annimmst, kannst du handeln, um sie zu verhindern oder zu überwinden.

Lethargie
Dr. Hong Gyun beschreibt Lethargie als Faulheit, Antriebslosigkeit, Willensschwäche oder fehlende Ausdauer. Wie man es auch nennt – es ist eine der häufigsten Quellen für Selbstkritik. „Der Hauptgrund für Lethargie liegt oft im Umgang mit Belohnungen“, erklärt er. „Es gibt zwei Arten von Belohnungen: positive und negative. Positive Belohnungen sind angenehme Ereignisse, die zum Handeln motivieren, wie Beförderungen, Gehaltserhöhungen, Lob oder Aufmerksamkeit. Negative Belohnungen sind Misserfolg, Ablehnung, Gleichgültigkeit und enttäuschende Reaktionen aus dem Umfeld. Egal wie viele positive Belohnungen du bekommst, wenn negative stärker emotional wirken, verlierst du deine Motivation.“
Das kann mit körperlicher Erschöpfung oder Angst zusammenhängen. Dr. Hong Gyun zitiert den französischen Psychiater Christophe André: „Passivität ist typisch für Menschen mit geringem Selbstwertgefühl. Sie denken: Wenn dies oder das anders wäre, würde ich handeln. Negative Gedanken und Lethargie verstärken sich gegenseitig und es entsteht ein Teufelskreis: ‚Zum Glück habe ich nichts unternommen, es wäre sowieso nicht gelungen.‘“
Viele glauben, sie könnten erst neu anfangen, wenn sie alle negativen Gedanken loswerden. Der Experte sieht das anders: „Das Problem ist, dass wir zu viel nachdenken. Das ermüdet das Gehirn und erzeugt noch mehr negative Gedanken.“ Stattdessen rät er zu kleinen Schritten: „Mach erste kleine Schritte auf dein Ziel zu, bevor du entscheidest, dass es sowieso nicht klappt. Wenn du deine Motivation zurückgewinnen willst, warte nicht auf plötzliche Inspiration – beweg dich einfach.“

Aufschub und Vermeidung
Um schlechte Gewohnheiten zu durchbrechen, musst du Veränderung akzeptieren. „Wenn du dein Selbstwertgefühl zurückgewinnen willst“, sagt Dr. Hong Gyun, „lenke deine Energie auf die Gestaltung deiner Zukunft, nicht auf das Analysieren der Vergangenheit. Befreie dich von der Gewohnheit, Veränderungen aufzuschieben oder zu vermeiden, und setze dir neue Ziele.“
Hör auf dein Herz
„Du bist der Motor und das Ziel der Veränderung. Wir verbringen zu viel Zeit damit, uns mit anderen zu vergleichen, zu streiten oder Schuldgefühle zu haben. Fang damit an, dich um deine eigene Seele zu kümmern. Erkenne, was dir am meisten weh tut, und überlege, wie du heilen kannst.“
Handle!
„Jeder Anfang ist aufregend, doch mit der Zeit lässt die Energie nach. Dann kommt der Moment, an dem der Weg zur Rückgewinnung deines Selbstwertgefühls weniger spannend erscheint. Wenn du diesen Punkt erreichst, bleib dran. Gemeinsam an der mentalen Gesundheit zu arbeiten ist immer effektiver, besonders mit professioneller Unterstützung. Wenn es dir schwerfällt, dich anderen zu öffnen, nutze ein Tagebuch, Blog oder Notizbuch. Schreib auf, was du getan hast und wie – so gehen deine täglichen Anstrengungen nicht verloren.“











