Ein Teenie zu erziehen fühlt sich manchmal wirklich an wie eine Achterbahnfahrt: Mal ist alles ruhig und friedlich, im nächsten Moment kommen unvorhersehbare Kurven, Tiefs und überraschende Wendungen.
Während wir mit einem Schrei durch diese Zeit rasen, beschäftigt uns immer die Frage: Wie können wir unseren Teenagern helfen, sich in diesem turbulenten, von Veränderungen geprägten Abschnitt nicht zu verlieren, sondern sich nach und nach selbst zu entdecken?
Ich glaube fest daran, dass es nicht die Aufgabe der Eltern ist, alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen – das ist weder möglich noch fördert es die Persönlichkeitsentwicklung. Vielmehr sollten wir einen sicheren Rückhalt schaffen, in dem unsere Kinder sich ausprobieren, Fehler machen und lernen können, wieder aufzustehen. Das Wichtigste ist, dass das Kind spürt, es gibt immer einen Ort, zu dem es zurückkehren kann, egal welche Entscheidungen es getroffen hat. Diese stabile Basis gibt ihm den Mut, seinen eigenen Weg zu suchen.
Offene Gespräche sind wichtig – „Wie war’s in der Schule?“ reicht nicht aus
Aus Erfahrung weiß ich, dass man auf die Frage „Wie war heute die Schule?“ kaum eine echte Antwort bekommt. Deshalb stelle ich lieber offene Fragen wie: „Welche Aufgabe im Test war heute am schwierigsten?“ oder „Gab es einen Konflikt mit deinen Freunden? Wie habt ihr ihn gelöst?“
Ich habe festgestellt, dass daraus viel tiefgründigere Gespräche entstehen, bei denen ich besser verstehe, wie meine Tochter denkt, während sie lernt, sich auszudrücken. Manchmal ist es nicht leicht, als Mutter ehrliche Antworten zu hören, aber genau das stärkt unser Vertrauen und hilft ihr, über sich selbst, ihre Gefühle und Erlebnisse zu sprechen. Offene Fragen fördern nicht nur die Kommunikation, sondern auch das Bewusstsein, dass Gefühle und Gedanken ihren Platz und Wert im Alltag haben. Das ist die Grundlage dafür, dass sie später selbstbewusst zu sich und ihrer Meinung stehen!

Empathisch begleiten bei äußeren Veränderungen
Mir ist aufgefallen, dass Teenager oft mit sich selbst konkurrieren – und noch öfter mit anderen, während sie sich fast sportlich selbst kritisieren. Meine Tochter vergleicht ihr Aussehen inzwischen auch mit anderen, manchmal sogar mit mir. Dann sage ich ihr immer: Das ist kein Wettkampf, und bei uns gibt es keine Konkurrenz. Schönheit ist sowieso relativ, oft können wir gar nicht erklären, warum uns jemand anzieht.
Bei solchen selbstkritischen Gedanken ist das Feedback der Eltern entscheidend. Es hilft nicht, einfach zu sagen: „Du bist die Schönste“, sondern wichtig ist, dass das Kind lernt, dass sein Wert nicht vom Aussehen abhängt, sondern von dem, was es selbst ist. Unser Äußeres verändert sich ständig, darauf können wir kein dauerhaftes Selbstbewusstsein aufbauen!
Balance zwischen Herausforderungen und Stärken
Meine Tochter ist ein echter Führungstyp und möchte deshalb immer das letzte Wort haben. Deshalb lege ich besonderen Wert darauf, mit ihr Kompromisse zu üben und Grenzen zu akzeptieren. Ich zeige ihr, dass sie nicht schwächer wird, wenn sie anderen Raum gibt – oft kommt sie dadurch sogar weiter und erreicht größere Ziele.
Gleichzeitig achte ich darauf, dass sie regelmäßig positives Feedback zu ihren Stärken bekommt. In diesem Alter ist es nämlich genauso wichtig, neben den Grenzen auch die eigenen Stärken zu betonen. So lernt das Kind, dass es Fehler machen und mal schwach sein darf, weil es wertvolle Fähigkeiten hat – und immer haben wird.
Zum Team gehören: Selbstkenntnis in Bewegung
Wie jedes Jahr war es auch diesmal wichtig, dass meine Tochter sich für einen Sport- oder Bewegungs-AG anmeldet. Als sie wieder mit dem Tanzen anfing, freute ich mich: Sie lernt, sich auf andere einzustellen und kann sich gleichzeitig selbst ausdrücken. Bei den Proben muss sie auf die anderen achten, geduldig auf die langsameren warten und dabei ihre eigene Persönlichkeit zeigen.
Gemeinsame Bewegung und Teamarbeit sind eine der besten Möglichkeiten zur Selbstkenntnis. Kinder erleben hier, dass sie Teil eines großen Ganzen sind und lernen, wie wichtig ihr eigener Beitrag für die Gemeinschaft ist – ein Schlüsselmoment für die Identitätsentwicklung.
Verlässliches Vertrauen im Hintergrund
Schon seit klein auf lasse ich meine Tochter selbst Dinge ausprobieren – was nicht selten die ganze Verwandtschaft in Aufregung versetzt hat. Die Situation hat sich zwar nicht geändert, aber ihre Verantwortung ist jetzt viel größer als mit zwei oder drei Jahren. Oft bereitet sie ihr Abendessen selbst zu, sorgt immer öfter dafür, morgens pünktlich loszukommen und schreibt natürlich alle Hausaufgaben auf.
Trotzdem sehe ich, dass ich oft mehr Vertrauen in sie und ihre Fähigkeiten habe als sie selbst. Deshalb versuche ich, mich immer öfter zurückzunehmen und ihr Raum zum Üben zu geben. Ich bin überzeugt, dass das Vertrauen, das wir unseren Kindern schenken, mit der Zeit zu einer inneren Kraftquelle wird. Sie lernen, dass sie Situationen auch alleine meistern können und Fehler machen dürfen, weil immer jemand da ist, der sie unterstützt.
Der Weg zur Selbstkenntnis ist nie kurz und schon gar nicht bequem – und es gibt keinen Punkt, an dem wir uns zurücklehnen und sagen können: „Ich kenne mich jetzt.“ Wie wir Erwachsenen verändern und lernen uns ständig weiter, so haben auch unsere Kinder immer etwas Neues an sich zu entdecken.
Als Eltern ist das größte Geschenk, das wir machen können, nicht, alle Kurven zu glätten, sondern aus dem Hintergrund Kraft und Mut zu schenken, damit sie immer wieder neu starten. Denn die wichtigste Erkenntnis wird am Ende sein: Sie schaffen das!











