Bien Logo

Der Duft von Tanne und Stress – So bereite ich mich auf die Feiertage vor

Deborah Keller4 Min. Lesezeit
Teilen:
Der Duft von Tanne und Stress – So bereite ich mich auf die Feiertage vor — Freizeit
In diesem Artikel

Wenn das Jahresende naht, verwandelt sich meine Stadt langsam in ein festliches Lichtermeer. Der harzige Duft der Tannenzweige liegt in der Luft, und das würzige Aroma von Glühwein mischt sich mit dem warmen Schein der Adventslichter. Doch beim Spaziergang durch die geschmückten Straßen begleitet mich ein anderer, weniger festlicher Duft: der von Stress.

Überall sehe ich Menschen, die hetzen – in einer Hand Einkaufstaschen, in der anderen das Handy, auf dem Weg zur Arbeit oder auf der Suche nach dem perfekten Geschenk. In ihren Augen spiegelt sich die lange Liste unerledigter Aufgaben, und ich kenne diesen Blick nur zu gut. Jahrelang habe ich den Dezember genau so erlebt.

Als der Dezember noch vom Leistungsgedanken geprägt war

Lange dachte ich, Weihnachten sei nur dann „echt“, wenn alles perfekt ist: wenn unzählige Plätzchen auf dem Tisch stehen, die Baumschmuck perfekt zum Tischläufer passt und jedes Geschenk mit viel Aufwand ausgesucht wurde. Ich wollte leisten. Und zwar richtig.

Doch die Jagd nach Perfektion übernahm unbemerkt die Kontrolle, und als ich es merkte, war nur noch Erschöpfung übrig – statt Vorfreude auf die Feiertage.

Junge besorgte Frau kümmert sich zu Hause um die Finanzen. Sitzt am Tisch mit dem Kopf in den Händen, Weihnachtsdekorationen im Raum.

Weihnachten muss nicht perfekt sein – wir müssen es sein

Der Wendepunkt kam, als ich einfach keine Kraft mehr für „eine letzte Anstrengung“ hatte. Ich hetzte durch die Jahresendtermine, organisierte, was zu organisieren war, aber Zeit zum Ausruhen oder Genießen der Vorbereitung blieb nicht – und ich wurde sogar krank.

Da wurde mir klar: Ich will kein Weihnachten mehr, bei dem ich mich selbst aufopfere. Ich sehne mich nach einem, in dem ich wirklich präsent bin – mit Körper und Seele.

Ich habe gelernt: Balance ist Gold wert

Seitdem lasse ich den Perfektionsmythos bewusst los. Ich koche nicht mehr drei Fischgerichte und fünf Beilagen und es stört mich nicht, wenn die Schleifen an den Geschenken nicht perfekt gebunden sind.

Weihnachten ist für mich heute vor allem eine Stimmung: Ruhe, Zusammengehörigkeit, Wärme. Eine Zeit, in der ich mich wieder wie ein Kind an den Lichtern erfreuen kann, in der es gut tut, einfach mal langsamer zu werden, tief durchzuatmen und zu genießen, dass die Menschen bei mir sind, die wirklich zählen.

Entschleunigung ist heute ein moderner Luxus

Heute geht es im Dezember für mich nicht mehr darum, wie viel ich von meiner Liste abhaken kann, sondern wie präsent ich wirklich sein kann. Entschleunigung ist das kleine persönliche Geschenk, das ich mir jedes Jahr mache.

Wenn mich der frische Duft der Tanne beim Spaziergang trifft, bleibe ich einfach kurz stehen. Manchmal nur, um das sanfte Leuchten der Lichter in den Schaufenstern zu beobachten, manchmal, um lächelnd zuzusehen, wie ein kleiner Hund auf dem Platz neugierig schnuppert. Diese kleinen, herzerwärmenden Momente bedeuten mir heute viel mehr als jeder perfekt gebackene Weihnachtsstrudel.

Fröhliche junge Frau spaziert nachts durch die Stadt während der Weihnachtszeit

Weihnachten beginnt in uns

Innere Ruhe entsteht nicht automatisch – besonders nicht im Jahresendstress. Aber wenn ich mich auf mich selbst konzentriere und mir erlaube, nicht alles auf einmal schaffen zu müssen, entsteht eine ganz neue festliche Stimmung in mir.

Es ist nicht der äußere Glanz, sondern die innere Stille, in der Freude, Dankbarkeit und die Erlaubnis zur Erholung Platz finden.

So bereite ich mich heute auf die Feiertage vor

Im Dezember sammele ich nicht nur Aufgaben, sondern Erlebnisse. Ich schenke mir Zeit zum Abschalten neben der Arbeit und schäme mich nicht, wenn ich einen Nachmittag nur mit Tee und Weihnachtsmusik verbringe.

Ich versuche, mich nicht zu übernehmen und lasse nicht zu, dass die Hektik die Kontrolle übernimmt.

Meine Priorität ist einfach: Ich will mich in meiner Haut wohlfühlen. Wenn ich ausgeglichen bin, spüren das auch meine Liebsten – und genau das macht das Fest erst wirklich besonders.

Der Duft der Tanne begleitet mich dieses Jahr anders

Heute lasse ich nicht mehr zu, dass sich der Tannenduft bei mir mit dem „Duft" von Stress vermischt. Wenn er doch auftaucht, atme ich tief durch und erinnere mich daran, warum Entschleunigung so wichtig wurde: um Weihnachten zurückzugewinnen, das ich als Kind so geliebt habe. Um Zeit und Energie zu haben, das zu erleben, was wirklich zählt.

Weihnachten geht nicht um Perfektion – sondern um uns. Darum, dass es uns gut geht und die Liebe, die uns umgibt, uns nicht erschöpft, sondern stärkt.

Passende Artikel

Schafe, Rätsel und britischer Humor: Warum „The Sheep Detectives" mehr ist als ein netter Kinospaß — Freizeit

Schafe, Rätsel und britischer Humor: Warum „The Sheep Detectives" mehr ist als ein netter Kinospaß

Sprechende Schafe ermitteln einen Mordfall – klingt absurd, wird aber überraschend tiefgründig. Warum „The Sheep Detectives" ein Film ist, der wirklich bleibt.

Deborah Keller
20 Jahre gewartet – und es hat sich gelohnt: Der Teufel trägt Prada 2 ist mehr als eine Fortsetzung — Mode

20 Jahre gewartet – und es hat sich gelohnt: Der Teufel trägt Prada 2 ist mehr als eine Fortsetzung

Der Teufel trägt Prada 2 liefert nicht nur Nostalgie, sondern stellt unbequeme Fragen über Medien, Qualität und den Wert guter Inhalte. Eine Fortsetzung, die ihren Vorgänger würdig weiterdenkt.

Deborah Keller
Abendliches Serienmarathon vs. bewusste Erholung – so habe ich meine Grenze gefunden — Freizeit

Abendliches Serienmarathon vs. bewusste Erholung – so habe ich meine Grenze gefunden

Serien schauen am Abend ist für viele von uns die liebste Entspannung. Wichtig ist jedoch, dass es nicht zu Lasten unserer Gesundheit geht. In diesem Artikel teile ich, wie ich die Balance zwischen Unterhaltung und Erholung gefunden habe.

Deborah Keller
Ich habe jahrelang auf die neue Staffel Euphoria gewartet. Es hat sich nicht gelohnt. — Freizeit

Ich habe jahrelang auf die neue Staffel Euphoria gewartet. Es hat sich nicht gelohnt.

Die dritte Staffel Euphoria hat viele Fans tief enttäuscht. Keine Handlung, keine Charakterentwicklung – nur Provokation um der Provokation willen. Ein Meinungsartikel.

Barbara Weber
Vorübergehende Flucht vor Entscheidungen: Warum das „zufällige“ Seriengucken so beruhigend ist — Lebensstil

Vorübergehende Flucht vor Entscheidungen: Warum das „zufällige“ Seriengucken so beruhigend ist

Am Ende des Tages ist Seriengucken oft der Ausweg vor Entscheidungsmüdigkeit. Es geht nicht um Faulheit, sondern darum, dass unser Gehirn einfach von den vielen Entscheidungen des Tages erschöpft ist.

Margarete Wolf
Peinliche Modetrends der 90er, die wir trotzdem vermissen — Mode

Peinliche Modetrends der 90er, die wir trotzdem vermissen

Gekrepptes Haar, Silikonträger, Plateauschuhe – die 90er hatten modisch einiges zu bieten. Wir blicken nostalgisch auf die ikonischsten Stilsünden zurück.

Angela Fischer