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Eis kauen, Erde essen, Stärke knabbern: Was steckt hinter dem Pica-Syndrom?

Farkas Izabella3 Min. Lesezeit
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Eis kauen, Erde essen, Stärke knabbern: Was steckt hinter dem Pica-Syndrom? — Gesundheit
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Manchmal gelüstet es uns nach merkwürdigen Dingen – ein ungewöhnliches Geschmackserlebnis, eine seltsame Kombination. Doch was, wenn der Drang, Eis zu kauen, Erde zu essen oder Stärke zu schlucken, sich nicht unterdrücken lässt? Hinter solchen Gelüsten kann eine ernsthafte Essstörung stecken, die viele noch nie gehört haben: das Pica-Syndrom.

Was ist das Pica-Syndrom?

Das Pica-Syndrom ist eine Essstörung, bei der Betroffene anhaltend nach Substanzen verlangen, die keinen Nährwert besitzen und eigentlich nicht zum Essen gedacht sind. Der Name leitet sich vom lateinischen Wort pica ab – dem Wort für Elster – und verweist auf die bekannte Allesfresserei dieses Vogels.

Menschen mit Pica-Syndrom verspüren starke Gelüste auf Dinge wie Eis, Erde, Kreide, Stärke oder Papier – Substanzen, die keinerlei Nährwert haben und dem Körper sogar schaden können.

Das klingt auf den ersten Blick skurril, ist aber medizinisch anerkannt und kann jeden treffen – Kinder, Erwachsene, Schwangere und Menschen mit bestimmten Entwicklungsstörungen.

Woher kommt dieses ungewöhnliche Verlangen?

Die genauen Ursachen des Pica-Syndroms sind noch nicht vollständig erforscht. Eine der häufigsten Erklärungen ist ein Mineralstoffmangel im Körper – besonders Eisen- oder Zinkmangel wird oft als Auslöser genannt. Der Körper scheint auf seine eigene, irrtümliche Art nach fehlenden Nährstoffen zu suchen.

Besonders häufig tritt die Störung bei Schwangeren auf, da deren Nährstoffbedarf stark erhöht ist. Auch Kleinkinder sowie Menschen mit Autismus oder anderen Entwicklungsbesonderheiten sind überproportional betroffen. Psychologische Faktoren und Stress können das Auftreten ebenfalls begünstigen.

Welche Risiken birgt das Pica-Syndrom?

Was harmlos oder sogar witzig klingen mag, kann gefährliche Folgen haben. Infektionen, Vergiftungen und Darmverschlüsse gehören zu den ernsthaftesten Komplikationen. Wer regelmäßig nährstofflose Substanzen zu sich nimmt, riskiert außerdem schwere Mangelerscheinungen – bis hin zu ausgeprägter Blutarmut und chronischer Erschöpfung.

Besonders bei Kindern sollte man wachsam sein: Wiederholtes Essen von Erde, Farbe oder anderen Nicht-Lebensmitteln ist kein harmloses Verhalten, das sich von selbst gibt.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Wer bei sich selbst oder bei einem Familienmitglied bemerkt, dass solche Gelüste regelmäßig auftreten und sich nicht kontrollieren lassen, sollte frühzeitig ärztliche Hilfe suchen. Ohne medizinische und ernährungstherapeutische Begleitung ist es schwer, das Verhalten dauerhaft zu verändern. Je früher die Störung erkannt wird, desto besser stehen die Chancen auf Besserung.

Wie wird das Pica-Syndrom behandelt?

Die Behandlung erfordert in der Regel einen ganzheitlichen Ansatz. Zunächst werden mögliche Nährstoffmängel gezielt ausgeglichen – etwa durch Eisenpräparate oder eine angepasste Ernährung. Parallel dazu kann psychologische Unterstützung helfen, die Ursachen des Verlangens zu verstehen und zu bearbeiten.

Kognitive Verhaltenstherapie hat sich dabei als besonders wirksam erwiesen. Sie hilft Betroffenen, die Gedanken und Impulse hinter dem ungewöhnlichen Essverhalten zu erkennen und schrittweise zu verändern.

Ein Thema, das mehr Aufmerksamkeit verdient

Das Pica-Syndrom wird in der Gesellschaft oft missverstanden oder nicht ernst genommen. Manche halten es für eine Marotte oder ein Aufmerksamkeitsverhalten – dabei handelt es sich um eine anerkannte psychische und körperliche Erkrankung. Offenheit, Entstigmatisierung und echtes Verständnis sind der erste Schritt, damit Betroffene sich trauen, Hilfe zu suchen.

So ungewöhnlich das Pica-Syndrom auf den ersten Blick wirkt – es verdient denselben respektvollen Umgang wie jede andere Erkrankung auch. Wer die Zeichen kennt, kann früh handeln.

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