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Warum immer du der Sündenbock in der Familie bist – die Geburtsreihenfolge verrät es

Váradi Petra4 Min. Lesezeit
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Warum immer du der Sündenbock in der Familie bist – die Geburtsreihenfolge verrät es — Familie
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Bei jedem Familienessen wiederholt sich dieselbe Szene. Jemand lässt ein Glas fallen, und noch bevor ein Wort gesprochen wird, richten sich alle Blicke automatisch auf dich. Du warst es nicht – und trotzdem ist es deine Mutter, die als Erste seufzt: „Schon wieder du?"

Kommt dir das bekannt vor?

Wenn ja, ist es wahrscheinlich kein Zufall, dass ausgerechnet du die unsichtbare Sündenbock-Rolle in der Familie übernommen hast. Und das hat überraschend viel damit zu tun, als wievieltes Kind du zur Welt gekommen bist.

Psychologen untersuchen seit Langem, wie die Reihenfolge unter Geschwistern die Persönlichkeit und die Rollen innerhalb der Familie formt. Es ist kein Zufall, dass an einem bestimmten Kind Verantwortung, Kritik und das Gefühl von „du machst immer alles kaputt" leichter kleben bleiben – während ein anderes Geschwister für dieselben Fehler nahezu unantastbar bleibt.

Das Erstgeborene, das sich immer wie ein Erwachsener verhalten muss

Das älteste Kind lernt oft früh, dass es ein Vorbild sein soll. Eltern legen unbewusst strengere Maßstäbe an, denn durch das erste Kind erleben sie zum ersten Mal all die Schwierigkeiten des Elternseins.

Wenn zu Hause etwas schiefgeht, wird häufig zuerst das Erstgeborene zur Rechenschaft gezogen – schließlich „ist es doch das Größere, es hätte besser aufpassen müssen". Diese unsichtbare Last bleibt oft ein Leben lang bestehen. Auch als Erwachsener ist es dann derjenige, der für alles Verantwortung übernimmt, selbst wenn der Fehler gar nicht bei ihm lag.

Das mittlere Kind, das im Niemandsland feststeckt

Die Situation des mittleren Geschwisters ist besonders spannend. Weder das Älteste, das als Vorbild dient, noch das Jüngste, das beschützt werden muss – so entsteht schnell das Gefühl, dass niemand wirklich hinsieht.

Aus dieser Unsichtbarkeit kann ein merkwürdiges Muster entstehen: Wenn das mittlere Kind endlich Aufmerksamkeit bekommt, dann oft in negativer Form. Es wird häufig zum Sündenbock der Familie, weil es in den Familiengeschichten am wenigsten zu Wort kommt – und weil man am seltensten nach seiner Version fragt.

Wenn dich das an dich selbst erinnert, lohnt sich ein Blick darauf, wie viel an den Klischees über die Geburtsreihenfolge wirklich dran ist.

Das Jüngste, das alle beschützen

Ganz anders sieht es in vielen Familien beim jüngsten Geschwister aus. Es wird oft noch als Erwachsener „das Kleine" genannt – und dieses Etikett verleiht ihm einen besonderen Schutz.

Wenn ein Fehler passiert, glaubt man ihm leichter, dass es keine Absicht war. Schließlich bleibt es in den Augen der Familie das Kleinste, das Schutzbedürftigste – auch wenn es längst erwachsen ist.

Warum ausgerechnet ein Geschwister zum Sündenbock wird

Forscher, die sich mit Familiensystemen beschäftigen, sagen: Jede Familie strebt nach einer Art Gleichgewicht – und für dieses Gleichgewicht braucht es oft klare Rollen. Es muss jemanden geben, der das brave Kind ist, jemanden, der verantwortungsvoll ist, und leider oft auch jemanden, auf den man die Spannungen abladen kann.

Diese Rollenverteilung ist selten eine bewusste Entscheidung der Eltern. Sie ist eher ein eingespieltes Muster, das in der Kindheit entsteht und im Erwachsenenalter weiterlebt – selbst dann, wenn längst jeder sein eigenes Leben in einem anderen Haushalt führt.

Wenn du je das Gefühl hattest, dass deine Geschwister für dasselbe Verhalten nie so viel Kritik einstecken mussten wie du, dann schau dir an, wo du in der Familienreihenfolge gestanden hast.

Nicht, um deinen Eltern zu vergeben oder ihnen noch mehr zu grollen – sondern weil es manchmal reicht, es einmal auszusprechen: Diese Rolle handelt gar nicht wirklich von dir. Sie handelt davon, wie die Familie als Ganzes versucht hat, mit ihren eigenen Spannungen umzugehen.

Die Familienessen werden danach natürlich genauso weitergehen, und ab und zu wird auch weiterhin ein Glas vom Tisch fallen. Nur wirst du beim nächsten Mal, wenn sich alle Blicke auf dich richten, innerlich schon wissen: Das hat nichts damit zu tun, wer dem Glas am nächsten saß.

Beeinflusst die Geburtsreihenfolge wirklich unsere Persönlichkeit?

Laut Psychologen prägt die Position unter den Geschwistern die Rollen innerhalb der Familie stärker, als viele annehmen. Erstgeborene, mittlere und jüngste Kinder erleben unterschiedliche Erwartungen und Maßstäbe.

Warum wird oft das mittlere Kind zum Sündenbock?

Das mittlere Kind ist weder das Vorbild noch das schutzbedürftige Nesthäkchen. Aus dieser Unsichtbarkeit heraus kommt Aufmerksamkeit oft in negativer Form – und seine Version der Geschichte wird am seltensten gehört.

Ist die Sündenbock-Rolle eine bewusste Entscheidung der Eltern?

Nein. Es handelt sich meist um ein unbewusstes, eingespieltes Muster, das in der Kindheit entsteht und im Erwachsenenalter weiterlebt, um ein Gleichgewicht in der Familie aufrechtzuerhalten.

Was kann ich tun, wenn ich immer der Sündenbock war?

Es hilft schon, sich bewusst zu machen, dass diese Rolle nicht wirklich von dir handelt, sondern davon, wie die ganze Familie mit ihren Spannungen umgegangen ist.

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