Wahrscheinlich kennt jede Frau mindestens einen Mann, bei dem sie sich dachte: Man sollte ihn mit einem Absperrband umgeben, um alle in seiner Umgebung zu warnen: Die Luft um ihn herum ist förmlich vergiftet. Die gute Nachricht ist jedoch, dass trotz solcher Erfahrungen laut einer Studie die Hoffnung auf Männer nicht verloren ist – im Gegenteil, es gibt gute Chancen, auf solche zu treffen, die keine Angst vor ihren eigenen Gefühlen haben!
Toxische Männlichkeit
In den letzten Jahren wurde der Begriff „toxische Männlichkeit“ zu einem der meistgenutzten – und oft missverstandenen – Ausdrücke in der öffentlichen Diskussion. Häufig entsteht der Eindruck, dass die meisten Männer von vornherein problematische Verhaltensmuster zeigen: emotionale Verschlossenheit, Aggression, Dominanz oder fehlende Empathie.
Eine aktuelle Studie zeichnet jedoch ein differenzierteres Bild und kommt zu dem Ergebnis, dass diese Muster keineswegs die Mehrheit der Männer prägen – sondern eher eine lautstarke Minderheit.
Die in Psychology Today vorgestellte Untersuchung analysierte mehrere Tausend Männer dahingehend, wie stark sie sich mit den klassischen Normen toxischer Männlichkeit identifizieren. Dazu gehören Überzeugungen wie, dass Männer ihre Gefühle unterdrücken müssen, immer stark sein sollen oder dass Dominanz und Machtdemonstration die Grundlage von Respekt sind. Das Ergebnis war eindeutig: Die Mehrheit der Befragten stimmte diesen Aussagen nicht zu und sah sie nicht als Kern ihrer männlichen Identität an.

Eine wichtige Erkenntnis der Studie ist, dass zwischen Männlichkeit und toxischer Männlichkeit unterschieden werden muss. Letztere ist keine biologische oder unvermeidbare Eigenschaft, sondern ein eng begrenztes, kulturell überliefertes Verhaltensmuster, das für viele Männer genauso schädlich ist wie für ihr Umfeld.
Die Studie zeigt, dass sich viele Männer eher mit Werten wie Verantwortung, Zuverlässigkeit, emotionaler Präsenz und Zusammenarbeit identifizieren.
Interessanterweise sind toxische Verhaltensweisen in Medien und öffentlicher Debatte oft überrepräsentiert. Lautstarke, extreme Beispiele – aggressive Chefs, missbräuchliche Partner, männliche Rollenbilder, die auf Dominanz setzen – verleiten leicht zu Verallgemeinerungen. Die Studie warnt jedoch davor: Diese Fälle spiegeln nicht die Mehrheit wider, sondern eine klar abgrenzbare Minderheit – die allerdings oft lautstark ist oder in Führungspositionen sitzt und so ihren Willen der sonst stilleren Mehrheit aufzwingen kann.

Die Studie hebt auch hervor, dass viele Männer offen für emotionale Entwicklung und Selbstreflexion sind. Immer mehr legen Wert darauf, ihre Gefühle ausdrücken zu können, um Hilfe zu bitten oder bewusst an ihren Beziehungen zu arbeiten. Diese Bemühungen erhalten selten so viel Aufmerksamkeit wie problematische Verhaltensweisen, prägen aber langfristig viel stärker die Richtung gesellschaftlicher Veränderung.
Das bedeutet natürlich nicht, dass toxische Muster nicht existieren oder dass es keinen kritischen Dialog darüber geben sollte. Die Studie betont vielmehr, dass es kontraproduktiv ist, alle Männer pauschal zu stigmatisieren. Wenn Männlichkeit von Anfang an als Problem gesehen wird, führt das eher zu Abwehr und Verschlossenheit als zu Veränderung.
Die Botschaft der Studie ist deshalb vorsichtig optimistisch: Die Mehrheit der Männer hält nicht an toxischen Normen fest und möchte weder in ihren Beziehungen noch in der Gesellschaft nach diesen leben.
Die Chance für Wandel liegt nicht in der „Umerziehung“ der Männer, sondern in der Neubewertung vereinfachender Narrative über Männlichkeit. Dabei spielen Frauen und Männer gleichermaßen eine entscheidende Rolle.











