Die Zeit zwischen den beiden als prägend angesehenen Lebensabschnitten – also die Jahre zwischen 6 und 12 – wird von Erziehenden oft als eine Art „Verschnaufpause“ betrachtet: Das Kind hat die Trotzphase bereits hinter sich, aber die Achterbahn der Pubertät hat noch nicht begonnen. Wenn wir das Gefühl haben, dass die Kindererziehung und das Elternsein gerade etwas leichter geworden sind, ist das großartig – diese Jahre jedoch aus Sicht der kindlichen Entwicklung als weniger wichtig zu erachten, kann ein großer Fehler sein.
Wie auch PsychologyToday.com in einem aktuellen Artikel betont, ist das mittlere Kindesalter kein Wartezimmer, in dem man nur sitzt, bis die „große Erziehungsherausforderung“ in Form der Pubertät beginnt. Diese Zeit ist für sich genommen äußerst bedeutsam. Tatsächlich ist es das Alter, in dem sich die Persönlichkeit, die sozialen Fähigkeiten und das Selbstwertgefühl des Kindes grundlegend formen.
Das mittlere Kindesalter: die Zeit der Grundlagen
Die Altersgruppe der 6- bis 12-Jährigen wird von vielen als „leichte Zeit“ angesehen, weil das Kind bereits kooperieren kann, zur Schule geht und der Alltag sowie das Verhalten relativ vorhersehbar sind. Gerade diese „ruhige“ Phase bietet Eltern und Erziehenden die Möglichkeit, dauerhafte und tiefe Grundlagen zu legen.
In diesem Lebensabschnitt entwickelt sich das Selbstwertgefühl, die soziale Kompetenz, Empathie und Verantwortungsbewusstsein des Kindes. Das Kind lernt nicht nur etwas über die Welt, sondern versteht allmählich auch seinen eigenen Platz darin. Wie ein Kind Erfolge, Misserfolge, Freundschaftskonflikte oder schulischen Druck bewältigt, basiert maßgeblich auf den Erfahrungen dieser Jahre.
Der Experte von Psychology Today meint, dass wir in dieser Zeit oft den Fokus verlieren, weil es keine „großen Krisen“ gibt. Das bedeutet jedoch nicht, dass es keine bedeutenden Ereignisse gibt.

Die Aufmerksamkeit, die ein Leben lang hält
Dies ist die Zeit, in der das Kind beginnt, die Regeln der Welt wirklich zu verstehen – und auch seine eigene Werteordnung entsteht. Elterliches Feedback, gemeinsame Erlebnisse und Gespräche helfen ihm dabei, wie es zu anderen steht, wie sehr es sich selbst vertraut und wie es mit eigenen Fehlern umgeht.
Eine fürsorgliche, aufmerksame Präsenz ist in dieser Phase nicht nur „Erziehung“ – sondern der Schlüssel zur Entwicklung innerer Stabilität. Das Kind wird sich bewusst, was es hoffentlich seit seiner Geburt erlebt hat: dass die Eltern nicht nur Regeln aufstellen, sondern auch emotionale Unterstützung bieten. Dieses Sicherheitsgefühl stärkt es in den späteren Stürmen der Pubertät.
Der häufigste Irrtum: „Wir kümmern uns später darum“
Viele Eltern haben das Gefühl, wenn das Kind in der Schule gut abschneidet und es keine „großen Probleme“ gibt, ist jetzt keine intensivere Aufmerksamkeit nötig. Das ist jedoch eine gefährliche Falle. In dieser Zeit wird entschieden, wie das Kind später Beziehungen aufbaut, Probleme löst und eigenständige Entscheidungen trifft.
Fehlen in diesem Lebensabschnitt ausreichend positive Bestärkung, Akzeptanz und Zuhören, kann die innere Welt des Kindes leise ins Wanken geraten – und die Folgen zeigen sich oft erst viel später, sogar im Erwachsenenalter.

Was kann der Elternteil tun?
Das Wichtigste ist, nicht nur dann aufmerksam zu sein, wenn „es Probleme gibt“. Sei neugierig, stelle Fragen, höre aufmerksam zu – auch wenn die Antworten alltäglich erscheinen. Gemeinsames Spielen, Gespräche, Erzählen oder gemeinsame Projekte (z. B. Kochen, Ausflüge, Basteln) unterhalten nicht nur, sondern stärken auch die Bindung.
Außerdem ist es sinnvoll, die Entwicklung der Selbstständigkeit bewusst zu unterstützen. Erlaube dem Kind zu probieren, Fehler zu machen und daraus zu lernen. Lobe es nicht nur für das Ergebnis, sondern auch für die investierte Energie. Diese Erfahrungen können die Grundlage für spätere Flexibilität und Selbstvertrauen sein – und wenn du jetzt Energie investierst, kann das die Herausforderungen der bevorstehenden Pubertät erheblich erleichtern.











