Zu wenig Lob macht Kinder unsicher – aber zu viel davon kann genauso schaden. Was viele Eltern nicht ahnen: Übertriebenes Loben gehört zu den größten Selbstvertrauen-Killern in der Kindererziehung. Und der Unterschied liegt oft in einer einzigen Kleinigkeit.
Ein zweischneidiges Schwert
Studien zeigen: Wenn du ein Kind ständig für seine Intelligenz lobst, hört es auf, sich wirklich anzustrengen. Es vermeidet Herausforderungen, weil es seinen Ruf als „Kluges Kind" nicht riskieren will. Im schlimmsten Fall entwickelt es sich sogar zurück – nicht aus Faulheit, sondern aus Angst vor dem Scheitern.
Besonders Mädchen sind davon betroffen. Viele wenden sich komplett von Fächern wie Mathematik ab, sobald es nicht mehr mühelos klappt – weil sie ihr Image als „schlaues Mädchen" schützen wollen. Statt mehr Energie in schwierige Themen zu stecken, geben sie lieber auf. Ein Muster, das sich bis ins Erwachsenenleben zieht.
Was wirklich zählt: die Mühe, nicht das Ergebnis
Das eigentliche Ziel von Lob sollte sein, die Anstrengung eines Kindes sichtbar zu machen – nicht seine angeborenen Fähigkeiten. Dabei ist „Erfolg" für jedes Kind anders definiert: Für ein Kind ist es ein Tor beim Fußball, für ein anderes schon der Mut, überhaupt mitzuspielen.
Wenn dein Kind wirklich hart gearbeitet hat, dann erkenn das an. Aber überhäufe es nicht bei jedem kleinen Schritt mit Begeisterung. Die moderne Kindererziehung neigt dazu, selbst minimale Bemühungen zu feiern – auch dann, wenn das Kind sich gar nicht besonders angestrengt hat. Das ist langfristig kontraproduktiv, denn das Leben wird nicht so mit ihm umgehen.
Was du loben solltest – und was nicht
Sag deinem Kind nicht, dass es „so gut in Mathe" ist. Denn wenn es beim nächsten Mal eine Aufgabe nicht lösen kann, hat es Angst, dich zu enttäuschen. Sag stattdessen: „Jede Aufgabe, die du löst, trainiert dein Gehirn." Noch besser: Erkläre, dass das Gehirn wie ein Muskel funktioniert – je mehr es arbeitet, desto stärker wird es.
Lobe die Anstrengung, nicht das Talent. Hat dein Kind hart für einen Wettkampf geübt und trotzdem den letzten Platz belegt? Dann würdige die Arbeit dahinter. Ist es in etwas Erstes geworden, wofür es sich kaum angestrengt hat? Dann braucht es keine Konfettikanone – ein freundliches Lächeln reicht.
Konstruktives Feedback geben
Es ist völlig in Ordnung, darauf hinzuweisen, wenn eine Aufgabe hastig oder halbherzig erledigt wurde – und zu zeigen, wie es beim nächsten Mal besser gehen könnte. Wenn dein Kind normalerweise ordentlich schreibt und schön zeichnet, aber die Geburtstagskarte für die Cousine schnell hingeklatscht hat, sag ihm ruhig, dass du weißt, dass es mehr draufhat. So lernt es, deinem Feedback zu vertrauen und versteht, dass du echte Leistung erkennst und schätzt.
Gefühle statt Superlativen
Vermeide Lobeshymnen wie „Du bist fantastisch! Du bist perfekt! Du bist der Beste!" Diese klingen zwar schön, sagen aber nichts Konkretes aus. Wirkungsvoller ist es, wenn du sagst: „Ich bin stolz auf dich, weil du dich heute wirklich angestrengt hast" oder „Ich sehe, wie viel Mühe du dir gegeben hast." Das verankert die Botschaft viel tiefer.
Selbstreflexion fördern statt Angst schüren
Übertriebenes Lob kann dazu führen, dass Kinder Neues meiden – aus Angst, zu versagen. Deshalb ist es so wichtig, schon früh die Fähigkeit zur Selbstreflexion zu stärken. Stell deinem Kind Fragen wie: „Was war heute die schwierigste Aufgabe für dich?" oder „Bist du zufrieden damit, wie es gelaufen ist?"
Diese einfachen Fragen helfen, Ängste abzubauen, innere Motivation aufzubauen und ein gesundes Verhältnis zu Erfolg und Misserfolg zu entwickeln. Denn Kinder, die sich selbst ehrlich einschätzen können, brauchen keine leeren Lobeshymnen – sie vertrauen ihrem eigenen Urteil.











