So lange ich denken kann, war Bewegung immer ein Teil meines Lebens. Ich habe viele Sportarten ausprobiert, um herauszufinden, was wirklich zu mir passt, doch irgendwie habe ich mich immer wieder in etwas Neuem verloren.
Beim letzten Handballtraining gab es dann eine Bewegung, die alles veränderte: Eine Mitspielerin fiel auf mich, und ich erlitt einen Bänderriss. Damals ahnte ich noch nicht, dass dies nicht nur eine Verletzung sein würde, sondern der Beginn einer Jahr(e) dauernden Herausforderung, die meine Beziehung zu Gesundheit und Bewegung prägen würde.
Als klar wurde, dass es nicht reicht, nur den Knöchel zu kühlen, entschied ich mich, den Mannschaftssport aufzugeben. Der Vater meiner Tochter arbeitete viel im Ausland, und ich musste oft alles allein zu Hause regeln. Ich konnte es mir nicht leisten, wegen einer Verletzung wochen- oder monatelang auszufallen. Gesundheitliche Herausforderungen wählt niemand, aber meine Umstände machten deutlich, dass ich ab jetzt anders denken musste.
So habe ich zum Fitnessstudio gefunden
… und ich fühlte mich überraschend schnell wohl darin. Nicht nur, weil mein Körper sich sichtbar formte, sondern weil ich endlich das Gefühl hatte: Ich habe die volle Kontrolle. Ich kannte meine Grenzen, wusste, wann ich pausieren muss und wann ich die Belastung noch etwas steigern kann. Die Fortschritte waren spürbar, die Kontrolle beruhigend.
Außerdem musste ich mich an niemanden anpassen, ich trainierte, wann ich Lust und Zeit hatte – ein echter Befreiungsschlag nach dem Mannschaftssport. Ich bekam die Spannung, die mein Wettbewerbsgeist brauchte, ohne Angst vor unerwarteten Verletzungen durch andere. Diese Phase dauerte etwa 7 Jahre und prägte einen großen Teil meines Lebens.

Doch im Laufe der Zeit veränderte meine alte Verletzung heimlich und schleichend meine Körperhaltung. Lange habe ich das nicht ernst genommen, denn mein Körper funktionierte ja und ich dachte, ich passe auf ihn auf. Massage, Schröpfen, Dehnen, Rückenstütze, korrekt ausgeführte Übungen, die Unterstützung eines Personal Trainers… Ich tat alles, was ich damals für richtig hielt.
Das Fitnessstudio gegen Physiotherapie einzutauschen war ein großer Bruch
Es geschah nicht von heute auf morgen, aber als man mir sagte, dass ich jetzt Physiotherapie brauche, wusste ich genau, dass ein Kapitel meines Lebens zu Ende geht. Ich erinnere mich, wie ich an die Decke des Therapieraums starrte, während ich auf dem Rücken lag und mit einem kleinen Ball dehnte – und selbst diese leichte Bewegung Schmerzen verursachte... Es schien unfassbar weit weg, dass ich vor nicht allzu langer Zeit noch mühelos über 100 Kilogramm bewegte.
Der Wendepunkt kam, als ich gezwungen war, mein Ego beiseitezulegen.
Mein Zustand half dabei: Wochenlang konnte ich nicht auf mein Bein stehen, und selbst das wenige Gehen ging nur mit Hilfe – eine Operation ließ sich nicht vermeiden.

Jeder neue Weg beginnt mit einem Abschluss
Als ich es schaffte, Bewegung aus einer ganz anderen Perspektive zu sehen, überwältigte mich nicht mehr das Gefühl des Verlusts, sondern die Erkenntnis, dass es nur eine Übergangsphase ist. Der Übergang zu einer Bewegungsform, bei der nicht Leistung oder Aussehen, sondern meine Gesundheit und Freude im Mittelpunkt stehen.
Eines Herbsttages wurde mir das besonders klar. Die Sonne schien auf unsere Terrasse, ich holte meine Matte raus, startete beruhigende Musik und machte die Übungsreihe, die meine Physiotherapeutin für mich zusammengestellt hatte. Als ich zurück ins Haus kam, fühlte ich mich wie verwandelt. Dieses befreiende Gefühl kannte ich schon von intensiven Workouts, doch diesmal war es viel ruhiger und tiefer.
Was bedeutet es, dem Fitnessstudio Lebewohl zu sagen?
Ich bin ehrlich: Dieser Abschied tut weh. Das Fitnessstudio war ein Teil meines Lebens und meiner Identität, und zum ersten Mal musste ich wirklich akzeptieren, dass ich Grenzen habe und nicht alles mit bloßem Willen lösen kann. Gleichzeitig ist das keine endgültige Trennung, sondern eine bewusste Entscheidung, im nächsten Jahr noch weniger äußere Erwartungen in mein Leben zu lassen.
Ich habe schon immer gerne gewandert, Spaziergänge gemacht und Zeit im Garten verbracht, doch bisher zählte das für mich nicht als Bewegung. Sport bedeutete für mich „ins Training gehen“. Jetzt habe ich gelernt, diesen Begriff neu zu definieren.
Ich behaupte nicht, dass Äußerlichkeiten nie wieder eine Rolle spielen werden oder dass es falsch ist, sich zu bewegen, um besser auszusehen. Das ist bei mir auch nicht von heute auf morgen verschwunden, sondern einfach in den Hintergrund gerückt. Das Fitnessstudio war ein wichtiger Abschnitt, es hat mir viel gegeben, und ich schließe nicht aus, dass es irgendwann wieder Teil meines Lebens wird. Aber in den kommenden Monaten werde ich ausschließlich darauf achten, was mein Körper und meine Seele gerade brauchen.











