In der Meta-Analyse von Orth, U., Erol, R. Y. und Luciano, E. C. aus dem Jahr 2018 wurde untersucht, wie sich unser Selbstwertgefühl zwischen 4 und 94 Jahren entwickelt.
Aufsteigende und stagnierende Trends
Die Studie umfasste fast 165.000 Kinder und Erwachsene im Alter von 4 bis 94 Jahren. Die Ergebnisse zeigen, dass unser Selbstvertrauen im Kindesalter, also zwischen 4 und 11 Jahren, stetig wächst. Dann folgt die Pubertät, in der wir uns etwas unsicherer fühlen. Die Untersuchung zeigt jedoch, dass unser Selbstvertrauen in dieser Zeit im Durchschnitt nicht sinkt, sondern eher stagniert. Sobald die Pubertät etwas abklingt und die Schwelle zum Erwachsenwerden in der weiterführenden Schule beginnt, steigt unser Selbstwertgefühl wieder an. Tatsächlich kann man sagen, dass es bis zum Alter von 30 Jahren sogar richtig aufblüht.
Viele denken, dass hier der Höhepunkt erreicht ist, denn das 30. Lebensjahr ein Wendepunkt ist – und in vielerlei Hinsicht stimmt das auch. Die Glücklichen haben bis dahin einige ihrer wichtigsten Ziele erreicht.
Je mehr Ziele wir erreichen, desto stärker wächst unser Selbstwertgefühl.
Die meisten wissen mit 30 bereits, was sie wert sind und was sie erreicht haben. Sie haben erlebt, dass sich harte Arbeit auszahlt. So gerät man leicht in eine positive Spirale: Je mehr Erfolge wir feiern, desto selbstbewusster werden wir. Mit wachsendem Selbstwertgefühl wagen wir uns an größere Herausforderungen. Das klingt gut – und noch besser ist, dass laut Studie die Entwicklung keineswegs endet, wenn wir die Dreißig überschreiten.
Wie lange hält dieser ideale Zustand an?

Im Verhältnis stieg das Selbstwertgefühl zwischen 4 und 11 Jahren um 0,34, zwischen 15 und 30 Jahren um 1,05 und nach dem 30. Lebensjahr sogar um 1,30. Das bedeutet, dass wir im Erwachsenenalter unser Selbstwertgefühl stärker steigern können als in jungen Jahren. Faszinierend ist, dass dies bis etwa zum 60. Lebensjahr so bleibt. Das heißt, wir sind nicht am Übergang zum Erwachsensein am meisten im Einklang mit unseren Werten.
Der Höhepunkt wird um das 60. Lebensjahr erwartet.
Ab 60 bis 70 Jahren zeigt sich laut Studie ein Rückgang. Leider endet hier die positive Statistik: Ab 70 Jahren bis zum untersuchten Alter von 94 Jahren sinkt das Selbstwertgefühl langsam, aber stetig. Das ist verständlich, denn viele sind im Alter auf Hilfe angewiesen, leiden unter Krankheiten und sind weniger aktiv – das stärkt das Selbstwertgefühl natürlich nicht.
Was beeinflusst unser Selbstwertgefühl noch und wie?
Zusammengefasst lässt sich sagen: Unser Selbstwertgefühl wächst im frühen und späten Kindesalter, bleibt in der Jugend konstant (und sinkt nicht, wie oft vermutet), steigt im jungen Erwachsenenalter stark an, wächst im mittleren Erwachsenenalter weiter, erreicht zwischen 60 und 70 seinen Höhepunkt und nimmt im höheren Alter ab. Da es sich um eine Meta-Analyse handelt, sind das umfassende, verlässliche Ergebnisse. Die Forschenden konnten daher sicher sagen, dass weder Geschlecht, Herkunft noch ethnische Zugehörigkeit den altersbedingten Verlauf beeinflussen. Obwohl wir unser Alter nicht ändern können, sind wir weltweit ähnlich selbstbewusst wie Gleichaltrige.
Obwohl das Alter der wichtigste Faktor für unser Selbstwertgefühl ist, betonten die Forschenden, dass Selbstachtung keine unveränderliche Eigenschaft ist. Menschen verändern sich im Laufe der Zeit nicht nur, weil sie älter werden. Unser Selbstwertgefühl schwankt auch je nach Lebensumständen und Herausforderungen. Schulische Erfolge, Konflikte am Arbeitsplatz oder familiäre Krisen führen zu Schwankungen. Ebenso beeinflussen Liebe, Kinder und Krankheiten unser Selbstwertgefühl.
Es gibt also noch viel zu erforschen, denn wichtige Fragen zur Entstehung des Selbstwertgefühls sind weiterhin offen.











