Mit dem September beginnt jedes Jahr das große Gespräch unter Müttern. Manche sind dankbar, dass das Sommerchaos endlich vorbei ist, andere seufzen dramatisch und freuen sich auf die kinderfreien Tage, als würde plötzlich ein tiefes, kinderfreies Loch im Leben entstehen.
Ich? Ich liege irgendwo dazwischen.
Der Sommer bei uns ist mal idyllisch, mal chaotisch. Manchmal verstehe ich mich mit meiner Tochter auf einer Wellenlänge, und jede Minute ist Gold wert: spontane Strandbesuche, Ausflüge oder ein Eis am Abend unter der Woche, einfach weil uns danach ist… Dank meines flexiblen Arbeitsplans kann ich tagsüber abschalten, Zeit mit ihr verbringen und abends arbeiten. Aber es gibt auch Tage, an denen wir beide froh wären, wenn wir in getrennten Häusern wären.
Wenn ich wählen müsste, überwiegt für mich das Gefühl der Sommerferien gegenüber dem geregelten Schulalltag. Dieses Jahr habe ich es besonders stark gespürt: Ich freue mich definitiv nicht auf den Schulanfang. Im Gegenteil…
Die 5 Hauptgründe, warum der September für mich eher eine Herausforderung als Erleichterung ist
Der Schrecken des frühen Aufstehens
Im Sommer gibt es keinen Wecker. Wir faulenzen lange und wenn wir bis spät in die Nacht wach waren, sagt niemand am nächsten Morgen „Aufstehen“ (und ich muss es auch niemandem sagen). Meine Tochter ist alt genug, um sich morgens selbst zu beschäftigen, deshalb ist unser entspannter Sommerrhythmus ein echter Schatz – das mediterrane Lebensgefühl bleibt sogar dann, wenn wir das Land nicht verlassen.
Im September beginnt jedoch das frühe Aufstehen, dessen Nachteile wir selbst dann spüren, wenn wir zum Glück nah an der Schule wohnen und nicht im Stau zur Arbeit stehen müssen. Allein das Wissen, pünktlich aufstehen zu müssen, nimmt den Morgenzauber. So sehr ich auch versuche, optimistisch in den Tag zu starten, die sommerliche Freiheit „Wir stehen auf, wenn wir wach sind“ wird mir immer fehlen.

Das Ende der Spontaneität
Der Schulalltag diktiert einen genauen Zeitplan – das kennt jeder, der selbst zur Schule ging oder sein Kind dorthin bringt. AG, Klassenarbeit, Nachhilfe, Hausaufgaben – und das immer wieder.
Im Sommer konnte ich meiner Tochter zeigen, dass es auch anders geht: Wir gestalten unseren Tag selbst, organisieren um, denken neu oder lassen es einfach langsamer angehen. Dieses Freiheitsgefühl verschwindet im September, und es bleibt der Hamsterrad-Alltag, der für mich nie wirklich gemütlich war. Ich weiß, dass Kinder Struktur brauchen, aber es fällt schwer, die Flexibilität loszulassen, die der Sommer so besonders macht.
Die ewige Brotdosen-Geschichte
Ich erinnere mich genau: Als Kind bekamen wir jeden Tag das gleiche Pausenbrot, ob es uns gefiel oder nicht. Unsere Eltern wussten, dass wir es essen oder tauschen würden, Hauptsache, es war geregelt. Heute versuche ich, kreativ zu sein, abwechslungsreiche Pausenbrote zu machen und zu dekorieren, doch oft höre ich nur: „Schon wieder langweilig“ oder „Das war nicht lecker“. Jeden Nachmittag beginnt die Frage „Was packe ich morgen ein?“ – und ich sehe dem schon jetzt mit wenig Freude entgegen.
Das ist keine große Tragödie, eher eine der kleinen nervigen Sachen. Die Welt geht nicht unter, wenn ich wieder Pausenbrote packen muss, aber es war schön, drei Monate lang das Klacken des Brotdosen-Deckels zu vergessen.
Der abendliche Stress
Wenn meine Tochter Sport hat oder zu einer AG geht, kommt sie oft erst spät nachmittags oder abends nach Hause. Bis wir essen und alles für den nächsten Tag vorbereiten, ist es draußen schon dunkel – besonders in den kalten Monaten. Es überrascht mich nicht, dass sie dann keine Lust mehr auf Lernen hat. Diese Abende starten oft mit Streit, weil wir beide müde sind.
Im Sommer dagegen spazieren wir bei Sonnenuntergang, fahren abends Rad oder grillen im Garten. Das fühlt sich tausendmal besser an als der Stress wegen der „Klassenarbeit morgen“. Ich erwische mich oft dabei, wie ich mich mehr auf den Sommerabend freue als auf gute Noten in der Schul-App.
Die unvermeidliche September-Erkältung
In den letzten Jahren verging kein September, ohne dass meine Tochter in den ersten Schulwochen mit Schnupfen oder Husten nach Hause kam. Trotz Immunstärkung im August und natürlichen Vitaminen ist dieses Szenario bei uns irgendwie garantiert. Dieses Jahr sind wir aber vorbereitet: Wir haben unsere gemeinsamen September-Tage mit ihrem Papa so gelegt, dass wir die erste Krankheitswelle hinter uns haben und sie beruhigt ein paar Nächte bei den Großeltern verbringen kann.
Was ich in den letzten Jahren gelernt habe: Den Schulanfang kann man nicht mit einem großen, erleichterten Seufzer starten. Man braucht jede Extra-Energie und viel Geduld für den Start.
Für mich ist der Schulanfang eher ein langer, strukturierter Prozess, dem die freie Leichtigkeit des Sommers fehlt. Aber bis zur ersten Pause versuche ich, jede kleine und unerwartete Freude zu schätzen. Denn die wahre Schönheit von Kindheit und Mutterschaft liegt genau in den Momenten, die man nicht im Kalender eintragen kann.











